Projekt, Projektmethode, Projektarbeit, Projektunterricht, Projektmanagement, Unterrichtsprojekt, P-Seminar
Handreichungen, Konzepte, Beispiele, Tipps und praktische Empfehlungen für Lehrkräfte
Abstract: Dies ist eine konkrete Handlungsanleitung für Lehrkräfte und für den Projektunterricht an Wirtschaftsschulen, Realschulen, Berufsschulen und Gymnasien, aber auch an Uni und PH. Die Ausführungen basieren auf langjährigen eigenen Erfahrungen mit Projektarbeit in unterschiedlichsten Schulformen und Klassen.
Die Projektmethode ist vermutlich die Unterrichtsmethode, die am weitestgehenden auf Schülerselbsttätigkeit und Eigenverantwortung ausgerichtet ist.
Immer mehr Schulen und Lehrkräfte wenden sich dieser Variante des selbst gesteuerten und selbst entdeckenden Lernens zu.
Sogar immer mehr Lehrpläne integrieren die Projektarbeit in den normalen Unterricht. So wurde an Bayerischen Wirtschaftsschulen die Projektarbeit als eigenständiges Fach eingeführt (wird in Kürze allerdings wieder abgeschafft). Bei Fachoberschulen ist in der 12. Klasse zumindest ein Projekt obligatorisch. Bei bayerischen Gymnasien wurde das sog. "P-Seminar" eingeführt. Andere Bundesländer und Schularten sind diesem Trend in ähnlicher Weise oder zumindest mit Empfehlungen gefolgt.
Projektarbeit und Projektmanagement sind derzeit pädagogisch en vogue.
Der Trend scheint unumkehrbar, da die entsprechenden Qualifikationen in der Arbeitswelt immer mehr benötigt werden. Vor allem beruflicher Aufstieg scheint ohne Kenntnisse und Erfahrungen in Projektmanagement kaum noch möglich.
Um was geht es dabei - und wie kann man diese Unterrichtsform als Lehrkraft nutzen?
Projektarbeit ist nicht nur herkömmliche Gruppenarbeit, es ist viel mehr!
Projektarbeit ist das selbstständige Bearbeiten einer Aufgabe oder eines Problems durch eine Gruppe. Das Projekt reicht von der Planung über die Durchführung bis zur Realisierung und Präsentation des Ergebnisses.
Ausgangspunkt ist immer ein Problem, dessen Lösung man noch nicht kennt.
Werden Projekte in der Schule durchgeführt, kann das Themenfeld, aus dem sich die Aufgabenstellung ergibt wird, unter Umständen sogar von der Lerngruppe selbst ausgewählt werden. Im Unternehmen richten sich Projekte zwangsläufig auf die Bewältigung bestehender technisch-organisatorischer Problemstellungen (Vorbereitung neuer Arbeitsverfahren, Planung eines neuen Produkts, Marketingkonzepte, Krisenbewältigung usw.).
Je nach Umfang der Projektaufgabe gliedern sich Projekte in mehrere Projektphasen:
1. Phase: Einstiegsphase mit der Formulierung der konkreten Projektaufgabe 2. Phase: Vorbereitungsphase mit der sachlichen und zeitlichen Gliederung des Problemlösungsvorhabens und der Bildung von Arbeitsgruppen 3. Phase: Zentrale und dezentrale Planungsphase für die einzelnen Teilschritte und die Entscheidung für einen Lösungsweg 4. Phase: Zentrale und dezentrale Ausführungsphase 5. Phase: Auswertungsphase und Kontrolle 6. Phase: Ergebnispräsentation |
Bei umfangreicheren Projekten ist es vielfach nötig, die Phasen 3 bis 6 innerhalb der Projektgruppen mehrmals zu durchlaufen, wenn die Projektgruppe nicht bereits beim ersten Versuch eine befriedigende Lösung findet. Erst dann sollte das Projektergebnis dem externen Auftraggeber präsentiert werden. Externer Auftraggeber kann im Idealfall ein Unternehmen (vgl. TheoPrax), notfalls auch eine andere Klasse oder die Schulleitung sein. Im Normalfall wird die Lehrkraft als Auftraggeber fungieren und mit der Klasse einen Projektvertrag abschließen, in dem Problemstellung und Zeitvorgabe exakt beschrieben sind.
Selbstverständlich sind auch kleinere Projekte (mehrere Projekte in einer Klasse mit zeitlich begrenzten Projektaufgaben) denkbar.
Zur Kontrolle des Projektfortschritts dienen so genannten Meilenstein-Sitzungen, auf denen die Teilergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen vorgestellt und diskutiert werden, bevor man das weitere Vorgehen im Projekt beschließt.
Wesentlichstes Merkmal der Projektmethode ist die Projektsteuerung durch die Projektteilnehmer. Dazu muss eine Leitungs- oder Steuerungsgruppe ausgewählt werden, die den Projektfortschritt überwacht und beeinflusst. Ihr obliegt insbesondere das Zeitmanagement für das Gesamtprojekt und die Koordination der Projektgruppen im Hinblick auf das gemeinsame Arbeitsergebnis.
| Die Projektsteuerung auch
Projektleitung oder Projektmanagement ist das eigentliche Herzstück der Projektarbeit. Wie bringe ich andere Menschen, hier mein Mitschüler, dazu,
Projektmanagement ist etwas, was schon viele Erwachsene im Betrieb und im Privatleben vor große Herausforderungen stellt und oftmals scheitern lässt, noch größer ist die Herausforderung für Jugendliche und Schüler, vor allem beim ersten richtigen Projekt, für das sie selbst verantwortlich sind. Aber auch wenn das Projekt erst nach vielen Fehlschlägen doch noch gelingt oder wenn es überhaupt nicht gelingt, es ist auf jeden Fall für die aktiv Mitwirkenden ein immenser Gewinn an Lebenserfahrung, den man sonst nirgendwo in der Schule erwerben kann (Vgl. z.B. das gescheiterte Projekt "Jobcon" in der Linkliste!). |
Vielfach ist es sinnvoll, auch eine so genannte Dokumentationsgruppe einzurichten, die das Layout der Gesamtpräsentation festlegt, die Beiträge der einzelnen Arbeitgruppen in die Präsentation einbindet und die Präsentation fertig stellt. Zudem ist sie für das Dokumentieren der Projektarbeit selbst zuständig (digitale Fotos von Gruppenmitgliedern und Plakaten, Aufnehmen von Redebeiträgen usw.).
| Vorsicht: Hier ist es entscheidend, dass die Doku-Gruppe
ihre Arbeit möglichst früh beginnt, ein Musterlayout entwirft und dieses Musterlayout
allen anderen Arbeitsgruppen zur Verfügung stellt, damit sie die Teil-Arbeiten am Ende
rasch zu einer Gesamtpräsentation vereinigen kann. Wartet die Doku-Gruppe bis zum Ende, um dann aus den Ergebnissen der AGs eine Gesamtpräsentation zu erstellen, wird sie mit großer Wahrscheinlichkeit an den Zeitvorgaben scheitern. |
Jedes "richtige" Projekt hat also in etwa folgende Organisationsstruktur:

Ein Projekt ist somit ein konkretes, möglichst an realen Problemstellungen ausgerichtetes Lernunternehmen, das eine Gruppe aushandelt, plant, anpackt, durchhält oder auch abbricht. Für das Projektergebnis selbst ist alleine die Projektgruppe selbst verantwortlich.
Die Lehrkraft hat hierbei nur beratende und unterstützende Funktion, sie wirkt bestenfalls nur im Hintergrund.
| Das ist in der schulischen Realität
allerdings leichter gesagt als getan.... Natürlich muss man als Lehrkraft immer mehr oder weniger behutsam im Hintergrund die Fäden ziehen, Tipps geben, Vorschläge machen, Rat erteilen, Entscheidungen herbeiführen, motivieren u. v. m. Wichtig ist vor allem, der Leitungsgruppe und der Doku-Gruppe helfend und beratend zur Seite zu stehen. In der Regel entscheidet die Leitungsgruppe, ob ein Projekt erfolgreich ist oder nicht. Daher ist die Zusammensetzung der Leitungsgruppe und der Doku-Gruppe entscheidend. Der Leitungsgruppe müssen Personen angehören, die einfallsreich und durchsetzungsfähig sind, Power haben und sich etwas trauen, die aber auch von ihren Mitschülern anerkannt und in der Lage sind, mit den anderen Arbeitsgruppen zu reden; wenn die Leitungsgruppe auch die Kassenverwaltung macht, kann auch ein etwas stillerer, aber arbeitsamer und gewissenhafter Schüler durchaus wertvoll sein. Für die Doku-Gruppe sollte man auf keinen Fall nur die Leute auswählen, die sich für die größten EDV-Experten halten! Word, Excel, PowerPoint und einfache Internetseiten schreiben kann jeder, zumindest aber schnell lernen. Wichtiger sind Einfallsreichtum und Teamfähigkeit, um sich auf ein Muster-Layout zu einigen, systematisches Denken und Gewissenhaftigkeit, um schon frühzeitig die Gesamtpräsentation zu planen, genaue Dateibezeichnungen festzulegen und auch einzuhalten, bei Internetseiten die Rechte einzuholen usw., sowie Kommunikationsfähigkeit, um mit allen anderen Arbeitsgruppen zusammenarbeiten zu können. Ein Fotograf mit Geschmack wäre auch nicht zu verachten. |
Und wie im wirklichen Leben sind es vor allem
das menschliche Miteinander, das Projektarbeit meist nicht
unproblematisch verlaufen lässt:
Wenn es die Leitungsgruppe nicht schafft, muss hier der Lehrer im Hintergrund helfend und steuernd tätig werden, um die Realisierung des Projektes nicht zu gefährden. Vielfach sind hierzu die Neubildung von Arbeitsgruppen und das ausdauernde Coaching von Einzelpersonen oder einzelnen Arbeitsgruppen erforderlich. Oftmals geht es aber auch nicht ohne Zwang: "Sie stellen sich jetzt vor die Klasse und beginnen mit Ihrer Präsentation!", "Nächste Woche will ich von euerer Gruppe ein Konzept sehen!" etc. |
Im Erfolgsfall muss das Projekt zu einem konkreten Ergebnis führen, das dem Projektauftraggeber vorgestellt und übergeben werden kann. Noch besser wäre es, etwas auch zu realisieren (z.B. einen Pausenverkauf oder einen Ausflug organisieren), aber das ist in der Schule meist nicht möglich.
Wie funktionieren Projektplanung und Projektorganisation nun konkret?
Wir haben eine Frage oder ein Problem - wenn nicht, dann zumindest irgend etwas, das uns interessiert und das wir gerne wissen möchten:
Wenn wir die Ausgangsfrage haben (z.B.: Wie funktioniert eigentlich ein Kanal?), dann müssen wir die Frage präzisieren.
Was interessiert uns besonders? Was müssen wir im einzelnen untersuchen?
Dann müssen wir uns noch entscheiden, welchen Kanal wir untersuchen wollen (z.B. den Rhein-Main-Donau-Kanal) und dann können wir schon unsere Arbeitsgruppen einteilen:
Toll wäre es sicherlich, den Kanal dann auch zu besichtigen (z.B. durch ein Fahrradtour). Für diese Reise müsste man dann noch eine weitere AG gründen (oder man überträgt die Aufgabe den beiden AGs Häfen und Städte).
Vorher soll eine Präsentation vor den Eltern gemacht werden, in der über den Kanal und die Fahrradtour informiert werden soll.
Die organisatorische und zeitliche Struktur des Projekts ist damit weitgehend vorgegeben.
Jetzt brauchen wir noch Freiwillige, die die Aufgaben übernehmen.
Dies sei noch einmal am obigen Organisationsplan verdeutlicht:

Am Anfang muss also festgelegt werden, was man überhaupt machen bzw. untersuchen möchte, was alles dazu notwendig ist, in welcher Reihenfolge es geschehen muss und wie lange man dazu brauchen darf. Erst dann kann man in der Regel auch festlegen, wer was macht und wer mit wem zusammenarbeitet.
Am Besten macht man dies mit einem oder mehreren Tafelbildern, man kann aber auch Wandzeitungen oder Excel-Tabellen dafür verwenden.
Ein Beispiel für einen Organisationsplan (noch ohne personelle Besetzung):
| Std. / Wochen | Leitungsgruppe (AG 8) | Dokumentationsgruppe (AG7) | Diverse Arbeitsgruppen (AG 1 bis AG 6) |
| 1 | Problemstellung |
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| 2 | Ideensammlung |
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| 3 | Aufgabengliederung und Gruppenbildung |
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| 4 | Arbeitsplanung | Arbeitsplanung | Arbeitsplanung |
| 5 | Koordination | Idee Layout | Recherche |
| 6 | Koordination | Idee Verlinkung | Recherche |
| 7 | Planung Präsentation | Erste Musterseiten | Erste Entwürfe |
| 8 | Koordination | Kontakt mit Arbeitsgruppen | Gruppendiskussion |
| 9 | Zeitmanagement | Überarbeitung | Ausformulierte Entwürfe |
| 10 | Planung Meilenstein / Koordination | Fertige Musterseiten für Arbeitsgruppen | Ausformulierte Entwürfe |
| 11 | Meilensteinsitzung |
||
| 12 | Koordination | Präsentationserstellung | Nachbearbeitung |
| 13 | Zeitmanagement | Präsentationserstellung | Nachbearbeitung |
| 14 | Test Präsentationsentwurf | Präsentationserstellung / erster Test | Transfer in Musterseiten |
| 15 | Planung Ablauf Präsentation | Präsentationserstellung / letzter Test | Transfer in Musterseiten |
| 16 | Präsentation |
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| 17 | Reisevorbereitungen | ||
| 18 | Fahrradtour | ||
| 19 | Zusammenstellen und Auswerten der Fotos von der Fahrradtour | ||
| 20 | Fotoabend, Nachbesprechung und Projektkritik | ||
Projektstart
Und wie kann es losgehen?
Am Besten beginnt man mit einem Projekttag oder -nachmittag, in der das Projekt genau festgelegt, organisiert und geplant werden.
| Projektphase: Initiierung · Projektidee · Projektumfeld · Einbindung in die Trägerstrategie · Bildung des Projektteams Projektphase: Definition · Projektauftrag (Lastenheft) · Zielkatalog · Lösungskonzeption · Vorläufige Projektorganisation / Gruppenbildung · Informationsfluss / Dokumentation Zeitbedarf: 2 bis 4 Tage |
Wenn sich die Schüler noch nicht kennen, ist der Projektstart noch zeitaufwendiger. Dazu benötigt man meist zwei ganze Tage.
Ein konkretes Beispiel für den Projektbeginn mit einer Schülergruppe, die sich nicht kennt, zeigen die beiden folgenden Tagesordnungen: (vgl. Projekt Schuldenfalle)
| Erster Projekttag 9.30 Einstieg und Initiierung · Kennen lernen der Teilnehmer/innen · Interessen der Teilnehmer/innen ·
Erarbeiten der Problemsituation anhand von · Aussprache und erste Anregungen · Präzisieren der Projektidee ·
Klären des Projektumfeldes und Einbindung in 14.00 Projektmethode und Teambildung · Projektmethode und Projektstruktur ·
Wohin wollen wir? Wie wollen wir diese Ziele / · Erste Ziele und Arbeitsschwerpunkte · Vorläufige allgemeine Projektplanung ·
Bildung der Projektteams inklusive Klärung von |
| Zweiter Projekttag 9.30 Projektgruppen: Selbstfindung und Aufgabendefinition · Kennen lernen und Interne Organisation · Planung der Projektkosten und der Mittelbeschaffung, -verwaltung sowie -bereitstellung · Subziele und Aufgabenverteilung innerhalb der Gruppe · Bearbeiten der Teil-Aufgabe · Erste Fragen / Hypothesen / Lösungen · Diskussion der ersten Arbeitsergebnisse · Vorschläge für das Gesamtprojekt 14.00 Plenum: Projektdefinition und Festlegung der Subziele · Erste Ergebnisse und Vorschläge der Projektgruppen · Aussprache · Einigung auf Projektziele und Projektaufgaben · Endgültige Festlegung des Projektauftrages (Lastenheft bzw. Vertrag mit Auftraggeber) · Endgültiger Aufgaben-, Hypothesen und Zielkatalog (Lösungskonzeption) · Gemeinsame Festlegung eines Zeitrahmens Unter Umständen können für diese Projektschritte auch drei (oder vier) Tage erforderlich sein. |
Danach können sich die Arbeitsgruppen konstituieren und die konkrete Projektarbeit kann beginnen...
Was ist das Entscheidende für die Schüler?
Projektarbeit nicht nur erleiden, sondern aktiv gestalten!
Das Projekt als Chance begreifen, einmalige Erlebnisse zu machen und neue Erkenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben, ohne es selbst zu merken!
Was ist das Entscheidende für den Lehrer?
Nicht erst lange theoretisch über Projektarbeit reden, sondern sofort mit dem inhaltlichen Problem beginnen!
Die Projekttheorie phasenweise einschieben, am Besten dann, wenn das Projektteam absehbar Probleme bekommt.
Aufpassen, dass man sich selbst nicht zu sehr mit dem Projekt (bzw. den ausbleibenden Fortschritten und Erfolgen) identifiziert - professionellen und emotionalen Abstand wahren! Es ist das Projekt der Schüler, nicht das des Lehrers
Das Entscheidende ist die Organisation (Einteilung der Arbeiten, klare Arbeitsanweisungen, strikte Überwachung der Arbeitsergebnisse, Festhalten aller Beschlüsse, bereits vorher an alles denken....) - es kostet Stunden und Tage, organisatorische Fehler auszubügeln (nachträgliches Recherchieren von Urheberrechten, Suchen von falsch abgespeicherten Dateien, Anfertigen versäumter Fotos, Wiederholen von Videos, bei denen der Ton zu schlecht ist etc.).
Projektmanagement - kurz und knackig:
Organisation ist alles, Wissensmanagement hilft
Die leidige Frage der Noten
Es gibt inzwischen zahlreiche Vorschläge, wie man Projektarbeit bewerten kann.
Ich würde bei einfachen Projekten zunächst auch mit einem einfachen Verfahren beginnen, das sich auf die Präsentation bezieht, und z.B. drei Noten vergeben:
Relativ einfach ist auch die Bewertung eines Projekttagebuchs, Projektberichts oder der Projektmappe bei Projektende.
Selbstverständlich kann man später die Bewertung dann noch ausweiten (Einschätzung der Gruppenarbeit in der jeweiligen Gruppe durch den Lehrer, die Gruppe selbst und die anderen Gruppen; Systematisierung der Notengebung durch Beobachtungsbögen usw.).
Unabhängig von irgendwelchen Kriterien und Systemen erscheinen mir drei Dinge entscheidend zu sein:
Anregungen des Staatsinstituts ISB zur Projektprüfung
Weitere Bewertungshilfen aus BW
Projektabschluss
Wichtiger als die Benotung erscheinen mir aber für die Schüler die Reflexion und Verarbeitung des Gelernten.
Das beinhaltet vor allem.:
Dabei ist es auch wichtig, Fehleinschätzungen der Schüler zu relativieren. So erleben sich sehr selbstkritische Klassen in ihrer Präsentation oftmals als sehr schlecht, was aber dann nicht der Realität entspricht. Es ist wichtig zu lernen, dass bei Präsentationen zwangsläufig immer etwas schiefgeht oder zumindest zu 100% klappt, dass Teilnehmer sich anders verhalten, als dies geplant war, dass sie auch unberechtigte Kritik üben, dass sie um ihre Teilnahme an der Präsentation herum auch eigene Ziele verfolgen (z.B. ein Schuldnerberater, der meine Schüler stellvertretend für das Fehlverhalten manchen Banken heftigst kritisiert, obwohl sie sich in ihrer Präsentation eigentlich genau für mehr Ehrlichkeit und Offenheit bei Banken eingesetzt haben... Ein Pressevertreter, der etwas völlig anderes schreibt als man gesagt hat oder zumindest sagen wollte...) usw. Auch dies ist Teil von Projektmanagement, dass man lernt, mit tatsächlichen oder vermeintliche Enttäuschungen klar zu kommen und sein eigenes Handeln und Wirken realistisch einzuschätzen.
Eine solche Selbst- und Fremdevaluation macht den Schülern die gemeinsame erlebte Erfahrung noch einmal bewusst und erleichtert den Transfer auf die nächsten Herausforderungen.
Der Zwang, das Projektergebnis (Dokumentation, Bericht, Website, Video etc.) endgültig für die Öffentlichkeit fertigzustellen (Schulleiter, Ausbilder, Eltern usw.) verdeutlicht noch einmal, dass es sich nicht um eine folgenlose Spielerei, sondern um die Fertigstellung eines wirklichen Produktes handelt, auf das man dann auch stolz sein kann.
Da das Nacharbeiten des Projektes natürlich in der Regel mühsam ist, können zwei Gedanken hilfreich sein:
Das nächste Projekt kommt bestimmt, in welchem beruflichen oder privaten Zusammenhang auch immer! Diese Kenntnisse und Erfahrungen wird man immer wieder benötigen.
Projekterfahrung und Teamfähigkeit sind zwei der derzeitig am häufigsten genannten Wünsche von Ausbildungsbetrieben. Je mehr Selbstständigkeit und Projekterfahrung, desto eher bekommt man eine Ausbildungsstelle, eine Arbeitsstelle - und desto schneller steigt man später im Betrieb auf. Kenntnisse in Projektmanagement sind heutzutage die wichtigsten Aufstiegsqualifikationen.
Noch besser ist es, wenn man die "Nachbereitung" nicht als lästiges Projektanhängsel sieht, sondern die Nachbereitung in Form der Erstellung einer Projektwebsite in das Projekt integriert. Die Erstellung der Website mittels Fotos, Videos und Texten wird von den Schülern dann nicht als "Nacharbeit", sondern als wichtiger Projektbestandteil und weitere Projekthöhepunkt gesehen. An der Erstellung der Projektwebsite arbeiten i.d.R. alle Schüler mit Begeisterung mit, da diese dann ja Freunden, Eltern, Ausbildern u.a. voll Stolz gezeigt werden kann.
Warnung
Dem Zeitgeist entsprechend werden alle Projekte eine Riesenerfolg. Andere "Erfolgsmeldungen" sind in der Regel von den vorgesetzten Personen und Dienststellen auch nicht erwünscht. Selbstkritische Evaluationsergebnisse und Misserfolge - aus denen man dann lernen könnte - sind daher im Netz kaum zu finden. Lassen Sie sich von diesen scheinbaren Erfolgsmeldungen 'der Konkurrenz' also nicht verunsichern. Höhen und Tiefen in der Projektarbeit, zumal mit Schülern, sind völlig normal.
Und wie bei allen Unternehmungen mit anderen Menschen liegen die Probleme vielfach in banalen, aber doch so komplizierten Schwierigkeiten menschlichen Verhaltens und zwischenmenschlicher Kommunikation: ein Schüler arbeitet überhaupt nicht mit, zwei Schüler verstecken sich nur in ihrer Gruppe, Mitglieder einer Gruppe streiten, die Gruppen sprechen nicht miteinander, Schüler lassen sich von der Projektleitung nichts sagen usw. usf. Das sind die echten Probleme schulischer Projektarbeit, insbesondere dann, wenn es sich nicht um die gymnasiale Obestufe oder Bankkaufleute handelt, sondern um Großhandelskaufleute, Realschüler, Hauptschul- oder Arbeitslosenklassen.
Eine nette Abwechslung von den vielen 'Projekterfolgen' ist
z.B. das Projekt "Jobcon", bei dem nicht nur vieles schief ging, sondern das
letztlich auch scheiterte, dessen Verlauf und Scheitern aber
ungewöhnlich offen dokumentiert wurde. Die Internetseite sprengt zwar
alle ästhetischen Kriterien, ist aber als ungeschminktes Projekttagebuch spannend und
beeindruckend.
Vgl. http://www.kubiss.de/bildung/projekte/schb_netz/b4_projekte/schueler/Lehrstellen_2005/
Planspiele oder andere Schulveranstaltungen als Projekt
Auch Planspiele (z.B. sehr gute Angebote der Friedrich-Ebert-Stiftung) sollte man als Projekt organisieren. Die Projektarbeit beinhaltet dann die Vorbereitung, die Begleitung und die Umsetzung des Planspieles in eine Veröffentlichung, am Besten in eine Website. Nur so werden Planspiele etwas nachhaltiger. Es kann ja nicht Sinn der Sache sein, dass externe Teamer in die Schule 'einfliegen', dort ein, zwei oder drei Tage 'herumwirbeln', und dass dann alles vergessen ist und man nahtlos mit dem normalen Unterricht weitermacht.
Vorbereitung und Begleitung:
Bei der Umsetzung der Materialen in eine Website sollte man die Arbeiten noch stärker aufteilen:
Entscheidend dabei ist, dass jeder Schüler genau weiß, was er wie bis wann zu tun hat, was die anderen machen, was das Endergebnis sein soll usw. Ist dies sichergestellt, kann man in kurzer Zeit außerordentlich Ergebnisse erzielen (z.B. Erstellung einer Website in 4 bis 6 Std. mit Schülern, die vorher noch niemals ein Foto oder ein Video bearbeitet oder eine Website geschrieben haben). Bewährt hat sich dabei die Verwendung von Jimdo.com als sehr einfach zu bedienender Online-Webeditor.
Die folgenden Websites entstanden z.B. jeweils an einem zum Projekttag umfunktionierten Wandertag.
http://b4wertpapiertag.jimdo.com/
http://b4investorslounge.jimdo.com/
http://kommunalpolitik-b4.jimdo.com/
Vgl. auch http://www.politische-bildung-bayern.net/schulprojekte-info-markt-45/957-planspiel-kommunalpolitik
Wenn Sie das Planspiel Kommunalpolitik in eigener Regie ohne die Friedrich-Ebert-Stiftung
durchführen wollen: Tolle, ausführliche Materialien hierzu
gibt es von Anke
Aubreville
Das Ganze gilt natürlich analog auch für andere Schulveranstaltungen (Workshops, Klassenfahrten, Schullandheim, Projekttage, Ausstellungen; Verabschiedung des Schulleiters, Elternabende usw.).
Umfassend dokumentierte Projekte und Projekterfahrungen
| Wir suchen Lehrstellen! (Projekt "Jobcon") |
Ein umfangreiches Projekt-Tagebuch über alle Höhen und Tiefen eines Ganzjahresprojektes mit einer ganzen Großhandelsklasse, die sich zum Ziel gesetzt hatte, für drei arbeitslose Jugendliche eine Lehrstelle zu finden (Projekttagebuch) | |
| Keine Azubis für Umicore? | Eine projektähnliche Fallstudie für eine Realschulklasse über die Lehrstellenbewerberauswahl in einem mittelständischen Unternehmen (umfangreiche theoretische Darstellung) | |
| Erfolgsgeschichte EQJ? | Einstiegsqualifizierung (EQJ) als Weg aus der Jugendarbeitslosigkeit? Selbstdarstellung einer EQJ-Klasse (Arbeitslosenklasse, die ein Betriebspraktikum absolviert), ihrer Betriebe und Erfahrungen (Schülerpräsentation) | |
| Wege aus der Schuldenfalle | Ganzjahresprojekt mit einer Freiwilligengrupe von Bankazubis über die Verschuldung von Jugendlichen (umfangreiche Projektdokumentation und Schülerpräsentation) | |
| Anlagealternativen für Azubis | Halbjahresprojekt mit einer Bankklasse zu Sparalternativen für Jugendliche bzw. zur Notwendigkeit eines Vermögensaufbaus (Schülerpräsentation) | |
| Der Landtag sind wir! | Zweitägiges Planspiel mit zwei Bankfachklassen (Dokumentation) | |
| Auslaufmodell Demokratie? | Ganzjahresprojekt mit einer Freiwilligengrupe von Bankazubis, Befragung von 600 Schülern zur Demokratieverdrossenheit von Jugendlichen sowie Durchführung eines "Demokratielabors" (Befragungsauswertung und Projektdokumentation) | |
| Anlage-Coach.de | Ganzjahresprojekt mit einer Freiwilligengrupe von Bankazubis, Entwicklung einer Internetplattform für Geldanleger ohne besondere Finanzkenntnisse (Anlegertest und umfassende Infos in Text, Bild und Ton) | |
| Investors Lounge für Senioren | Ganzjahresprojekt mit einer Bankfachklasse, Konzipierung und Durchführung einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Börsengruppe des Computerclub Nürnberg 50plus (Erfahrungsaustausch über Geldanlagen und Kundenbehandlung in Banken) | |
| Planspiel Kommunalpolitik | 3-tägiges Planspiel in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung, dem Stadtrat und Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg; Vor- und Nachbereitung nebst Dokumentation im Rahmen eines dreiwöchentlichen Internet-Projektes mit einer Bankfachklasse | |
| Videowettbewerb "Netzchecker" | Organisation eines Videowettbewerbs zu den Gefahren im Internet - für Schüler/innen ab der 5. Jahrgangsstufe (Ganzjahresprojekt mit einer Bankfachklasse) | |
| Lernzirkel "Netzchecker" | Entwicklung eines Lernzirkels zu Gefahren in sozialen Netzwerken (sieben Lernstationen mit Abschlusstest, auch als verkürzte Online-Version verfügbar / einmonatiges Projekt mit einer Bankfachklasse auf der Basis einer Anregung auf Lehrer-Online) | |
| Investors Lounge für Senioren II | Zweite Veranstaltung einer Bankfachklasse mit der Börsengruppe des Computerclubs Nürnberg 50plus (Gedankenaustausch über seniorengerechte Geldanlagen und Beratung) | |
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