Der chemische Schatz im Silbersee
oder

Warum ist das Baden im See verboten ?
Der Silbersee entstand Ende des 2. Weltkriegs und
ist eigentlich eine Baugrube, die mit Grundwasser
vollgelaufen ist. An dieser Stelle sollte das
Deutsche Stadion entstehen, in dem ab 1944
alle folgenden Olympischen Spiele stattfinden sollten.
Das riesige Stadion mit einer Fläche von ca.
540m x 445m, in dem 405.000 Menschen
Platz finden sollten, wurde nie fertiggestellt.
Der Aushub der Baugrube machte bereits
Schwierigkeiten, da das Grundwasser dort
sehr hoch ist und sich nur wenige Meter unter
der Erdoberfläche befindet. Mit riesigen
Pumpen wurde das Wasseraus der Grube
gepumpt, um in trockener Atmosphäre
arbeiten zu können. Vermutlich während des
2. Weltkriegs wurden die Pumpen an anderer
Stelle gebraucht und man ließ die Baugrube
voll laufen.
Am Ende des 2.Weltkriegs füllte man den Schutt, der durch die Ausbombungen entstand, in die leere Baugrube.
Ein Teil der Grube wurde jedoch nicht aufgeschüttet, woraus der heutige Silbersee entstand. Der Müllberg wurde mit Erde bedeckt, angepflanzt und ist heute vollständig zugewachsen. Durch Regen und Grundwasser werden Schadstoffe aus dem Schuttberg gespült und gelangen so in den See.
Gefahren des Sees
Grundwasser hat über Jahre hinweg schwefelhaltige Verbindungen, wie z.B. CaSO4 (Gips), aus dem Bauschutt ausgewaschen. Hier wurde es zu Schwefelwasserstoff reduziert, der sich im Tiefenwasser anreicherte. Durch eine sogenannte Sprungschicht ist dieses vom Oberflächenwasser getrennt.

Wenn Badende einen Kopfsprung ins Wasser machen, kann es sein, dass sie diese Schicht durchstoßen. Da H2S nicht nur durch die Atmung, sondern auch durch die Haut aufgenommen wird, kann man das Bewusstsein verlieren und ertrinken. So
starben bis zum Jahre 1984
34 Menschen.
Die Chemielaboranten der 10B haben nun das Wasser auf verschiedene Parameter untersucht:
Chlorid
Es wurden 402 mg/L Chlorid gefunden. Der Wert ist um das zehnfache höher als der der Pegnitz. Der Grund liegt darin, daß Chloride aus dem Bauschutt ausgewaschen werden.
Bestimmungsmethode siehe Pegnitzprojekt
www.kubiss.de/pegnitz
Ammonium
Es wurden 25,8mg NH4+ pro Liter gefunden. Dies entspricht ungefähr der Menge in belasteten Grundwässern und leicht belasteten Seen. Deponiesickerwässer weisen z.B. einen 10-20fachen Gehalt an NH4+ auf. Bei schwach belasteten Grundwässern liegt der Gehalt an NH4+ oft unter 1mg/L. Möglicherweise ist der vergleichsweise hohe Anteil an NH 4+ im Silbersee auf die Ausscheidungen der zahlreichen Wasservögel zurückzuführen.
Nitrat
Der Gehalt an Nitrat betrug weniger als 0,01 mg/L. Die Bestimmung wurde nach der Deutschen Wasserverordnungsvorschrift durchgeführt.
Phosphat
Nach Filtration der Wasserproben wurde das Filtrat photometrisch untersucht. Untersuchungsmethode siehe Pegnitzprojekt
www.kubiss.de/pegnitzEs wurden 279 mg/L gefunden, was den tausendfachen Wert des Pegnitzwassers entspricht. Möglicherweise wurde dies durch die große Anzahl an Wasservögeln verursacht.
Schwermetalle
Die Schwermetallbestimmung wurde mit Hilfe eines Atomabsorptionsspektrum (AAS) durchgeführt.
Gemessen wurden: Eisen 0,056 mg/L
Cadmium: 0,0001 mg/L
Blei <0,005 mg/L
Gesamthärte
Diese wird verursacht durch Mg- und Ca-Ionen. Sie beträgt 26,6 °dH, das entspricht sehr hartem Wasser. Vergleich: Trinkwasser Nürnberg ca. 10-14°dH
Grund: Bauschutt, z.B. Gips (CaSO4 )
Mikrobiologie
Oberflächenwasser
- Gesamtkeimzahl:
| Probe 1 | Probe 2 | Probe 3 | Probe 4 |
| 400 | 1500 | 800 | 1400 |
Der daraus ermittelte Wert: ca. 1000
- Enterokokken: Keime einer fäkalen Verunreinigung des Wassers.
| Probe 1 | Probe 2 | Probe 3 | Probe 4 |
| 132 | 144 | 104 | nicht mehr zählbar |
Ergebnis: Alle sehr stark positiv.
- Staphylokokken: Bakterien, die am häufigsten zu Lebensmittelvergiftungen führen.
250µl 100µl 250µl 100µl 250µl 100µl 250µl 100µl 322 300 456 283 454 264 481 322
Der daraus ermittelte Wert: ca. 3000
- Anaerobier: Keime, die auch ohne Sauerstoff leben können.
Ergebnis: sehr stark positiv
Probe 1: Probe 2 : Probe 3 : Probe 4 :
- Simmons – Citrat:
+ + + + + + + +
- SIM:
+ + + +
- Lactose:
+ + + +
- Endo:
24 53 8 9
Ergebnis aus der Tabelle: Im Wasser sind E. colis Coliforme
Zeichenerklärung: + + unbedingt positiv
- - unbedingt negativ
+ - + überwiegend positiv, negativ möglich
- + - überwiegend negativ, positiv möglich
Tiefenwasser
- Gesamtkeimzahl:
Probe 1 Probe 2 Probe 3 Probe 4
800 600 1100 1000
Der daraus ermittelte Wert: ca. 900
- Enterokokken: Keime einer fäkalen Verunreinigung des Wassers.
Probe 1 Probe 2 Probe 3 Probe 4
zählbar
Ergebnis: Alle stark positiv.
- Staphylokokken: Bakterien, die am häufigsten zu Lebensmittelvergiftungen führen.
250µl 100µl 250µl 100µl 250µl 100µl 250µl 100µl
596 410 246 121 406 254 402 282
Der daraus ermittelte Wert: ca. 2700
- Anaerobier: Keime, die auch ohne Sauerstoff leben können.
Ergebnis: sehr stark positiv
- Pseudomonadaceae
Sie gehören zur Familie der Pseudomonas. In geringen Mengen kommen sie im der Darmflora des Menschen vor. Sie können bei Neugeborenen tödlich enden.
Ergebnis: negativ
- Chlostridien (sporenbildende, sulfitreduzierende Anaerobier)
In Sedimenten von Seen und Flüssen finden sich stets größere Mengen anaerober Sporenbildner, die die Eigenschaft haben aus organischen Schwefelverbindungen oder Sulfit Sulfid zu bilden.
Tabelle zur Differenzierung der E. colis und Coliformenkeime:
Lactose bei 36 C: + + + +
Simmons – Citrat bei 36 C: - - + - +
SIM bei 30 C: + + - + -
Probe 1: Probe 2: Probe 3: Probe 4:
- Simmons – Citrat:
+ - - - - + + +
- - - +
- SIM:
+ + + +
- Lactose:
+ + + +
- Endo:
28 8 8 7
Ergebnis aus der Tabelle: Im Wasser sind Coliforme und E. colis, diese jedoch in geringeren Mengen.