Pressespiegel

 

 


 

Nürnberger Zeitung vom 24.07.98

Nürnberger Nachrichten vom 24.07.1998

Nürnberger Nachrichten vom 06.07.1999

Nürnberger Zeitung vom 08.05.2000

Nürnberger Nachrichten vom 08.05.2000

Nürnberger Nachrichten vom 26.09.2001
 

(Rems-Zeitung v. 16.11.02)

Schüler helfen Schülern
Eine Klasse sucht für drei Jugendliche Azubi-Plätze

"Die vielen Anrufe verdeutlichen die verzweifelte Suche nach Ausbildungs­plätzen. 3ugendliche und ihre Eltern aus der ganzen Region sahen in der NN-Lehrstellenbörse die letzte Chance, einen Ausbildungsplatz zu finden." Mit diesen Worten bilanzier­ten Mitarbeiter der Berufsberatung

die 760 Anrufe während der vergange­nen Woche. Zum Abschluss unserer Aktion veröffentlichen wir die restli­chen der 74 neuen Angebote, zeigen Hilfen für 3ugendliche auf, die bis Herbst keine Lehrstellen finden und stellen eine beeindruckende Initiative von Berufsschülern vor.

Der Ort: Berufsschule 4, Zimmer 222, Ausbildertreffen. Die Akteure: Die Schüler der Klasse GH 10A. Der Plan: Für drei arbeitslose Jugendliche eine Lehrstelle finden.

"Haben Sie schon eine Info-Bro­schüre von uns? Nehmen Sie sich doch einen unserer Flyer mit." An Werner Bauer kommt so schnell keiner vorbei. Geschäftsmäßig im dunklen Business-­Look versucht der 17-jährige Berufs­schüler die Aufmerksamkeit der Vor­beieilenden auf den Informations­stand von "Jobcon" zu lenken. Das regelmäßig stattfindende Ausbilder­treffen nutzt das Schüler-Team, um ganz direkt auf die Ausbilder zuzuge­hen, "Eine tolle Idee", findet Wolf­gang Schulze von Schuco-Gewürze und steckt einen Handzettel in die Tasche.

Rückblende: Im Oktober 2004 schreibt die TheoPrax-Stiftung des Fraunhofer Instituts ein Projekt aus, das drei Jugendlichen eine Lehrstelle vermitteln soll. Die GH IOA der Be­rufsschule 4 bewirbt sich - erfolgreich - und hat seitdem alle Hände voll zu tun. ob Auswahl der Jugendlichen, Kontakt zu Firmen, Arbeitsplatz-Re­cherche oder Bewerbungstraining -die Schüler sind für die gesamte Orga­nisation des Projektes selbst, verant­wortlich, Lehrer Peter Kührt springt nur im Notfall ein. "Am Anfang war es schon schwierig, weil das ja alles Neu­land für die Schüler war", erinnert er sich. "Inzwischen machen die das aber richtig souverän."

Keine einfache Sache

Mit Firmen telefonieren und sich vor Ausbildern mit seinem Anliegen präsentieren, das muss man sich schließlich erst einmal zutrauen. "Die sind auch nicht immer freundlich und sagen schon mal „Nein wir wollen kei­nen.“ hat Stefanie Trinkl bereits die Erfahrung gemacht. Zusammen mit Ines Käßberger gehört die 19-Jährige zur Suche-Gruppe und ist dafür zuständig, den Stellenmarkt nach mög­lichen Ausbildungsplätzen abzuklap­pern. Keine einfache Sache, vor allem, wenn die Bewerber zu hoch gegriffene Ansprüche haben. In der heutigen Zeit kann man nicht so wählerisch sein", findet Ines. Dass ihre ersten drei Schützlinge nach einem halben Jahr Intensiv-Betreuung abgesprungen sind, dafür haben die "Jobconler" wenig Verständnis. "Wir hatten sogar schon Ausbildungsplätze für die Mädels in Sicht", kann Stefanie über so viel Desinteresse nur den Kopf schütteln.

 Seit drei Wochen haben die Berufs­schüler jetzt mit Bianca (17), Jürgen (19) und Sandra (17) drei neue Kandi­daten unter ihre Fittiche genommen. Über Lehrer und den eigenen Freun­deskreis ist der Kontakt zu Stande ge­kommen. 30 Bewerbungen hat Bianca bereits in Eigenregie geschrieben. Mit wenig Erfolg. Ab jetzt wird sie ihre Anschreiben zusammen mit dem Jobcon-Team verfassen.

Froh über Unterstützung

"Da hab ich dann mehr Sicherheit, ob alles so passt oder ob ich etwas bes­ser machen könnte", ist die Wirt­schaftsschülerin über die Unterstüt­zung froh. Der 19-jährige Jürgen hat mittlerweile 45 Bewerbungen abgeschickt, zurückgekommen sind nur Absagen. Auch er will sich jetzt von den „Jobconlern" weiterhelfen lassen. Von der Präsentation im Gespräch bis hin zur Frage "Was zieh ich an?" bera­ten die Berufsschüler die Jugendlichen. "Das wirkt ganz anders, als wenn ein Lehrer etwas erzählt", ist sich Kührt sicher.
 
Für Bianca könnte sich das Projekt bereits ausgezahlt haben: Michael Rodrian von Mercedes lädt sie nach einem kurzen Gespräch spontan zum Einstellungstest ein. "Wenn's klappt, dann klappt's", schüttelt er Bianca die Hand. Keine allzu schlechte Ausbeute für den Tag, resümiert das Jobcon­ Team. "Wenn wir's schaffen, nur einen unterzubringen, das wär schon Wahnsinn", ist Kührt gespannt. Bis Juli läuft die Frist, Neuzugänge sind bis dahin noch herzlich willkommen. Bevorzugt werden Jugendliche, die schon viele Absagen bekommen haben. 

ANETTE RÖCKL  

Wer sich "coachen" lassen möchte oder einen Ausbildungs­platz zu vergeben hat, kann eine Mail an werner.bauer@gmx.de schreiben oder unter www.job­con.tk weitere Infos finden.

 (Nürnberger Nachrichten vom 30.04.2005)

Trotz der Rückschläge gaben Schüler nicht auf

Jugendliche der der B4 unterstützten Gleichaltrige ein Jahr lang bei der Job-Suche - Kandidatinnen sprangen ab

Auszubildende aus dem Bereich Groß und Außenhandel der Berufsschule4 an der Schönweißstraße (Südstadt) sind ein Jahr lang "auf Aquise" gegangen: Sie wollten für drei Jugendliche Ausbildungsplätze finden eine bundesweit einmalige Initiative. Dabei machten sie zum Teil bedrückende Erfahrungen.

VON HARTMUT VOIGT

Angefangen hatte alles mit einem Artikel der Nürnberger Nachrichten, in dem sich Jugendliche der Berufsschule5 über ihre vergeblichen Versuche äußerten, eine Lehre zu finden. Die Klasse GH10A der Berufsschule4 fühlte sich davon angespornt, zumindest drei von ihnen zu unterstützen.

Gute Tipps

"Wir hatten erst vor kurzem die gleichen Erfahrungen gemacht und dann doch eine Stelle gefunden", erzählt ein 17 Jähriger, "daher glaubten wir, wirklich guti Tipps geben zu können."

Die Klasse teilte sich in neun Arbeitskreise auf: Die Gruppen sondierten, welche Kandidaten in Frage kommen, kümmerten sich um das "Coaching" der Betroffenen, präsentierten das Vorhaben bei zwei "Ausbildertreffen", knüpften Kontakte zu den Medien, dokumentierten das Vorgehen, bauten eine eigene Website im Internet auf ein Leitungsteam koordinierte schließlich das Vorgehen. Angeregt und unterstützt wur e das Jahresprojekt von der TheoPrax Stiftung am Fraunhofer Institut in Pfinztal.
Mit einem selbst entworfenen Fragebogen filterten die Berufschüler der B4 drei Kandidatinnen heraus. Das Coaching Team arbeitete die bisherigen Bewerbungen mit den Jugendlichen durch und entwickelte neue Anschreiben. Die Schüler(innen) der B 4 versuchten, die beruflichen Interessen der gleichaltrigen "Schützlinge" herauszufinden, sie zum Nachdenken über Fragen an den möglichen Arbeitgeber zu bewegen.

"Aber die schätzten das gar nicht, dass wir uns um sie gekümmert haben", berichtet Azubi Werner Bauer ernüchtert, "nach drei Treffen haben sie gemeint, es sei eine Zumutung, dass sie immer nachmittags zu uns kommen sollten. Danach tauchten sie für Wochen ab und waren nicht mehr zu erreichen. Zum Teil wussten deren Eltern gar nicht, welche Schule ihre Töchter besuchen."

Bei einem "Ausbildertreffen" mit Vertretern aus Personalabteilungen verschiedener Firmen präsentierten die engagierten B 4 Schüler ihre drei Kandidatinnen und konnten sogar für ein Mädchen ein Vorstellungsgespräch vereinbaren. "Wir waren allerdings leicht entsetzt, dass sie dann gar nicht hingegangen ist", berichtet Lehrer Peter Kührt, "sie hatte sich überlegt, dass sie statt im Großhandel lieber doch als Arzthelferin arbeiten möchte.“

Als schließlich alle drei Kandidatinnen abgesprungen waren, weil sie keine Lust mehr hatten, standen die Jugendlichen aus der B4 selbst vor einem Problem: Aufgeben oder es jetzt von neuem versuchen? Sie entschieden sich nach längerer Diskussion für einen weiteren Anlauf. In ihrem Bekanntenkreis haben sie drei weitere Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag gefunden, die sich beim Finden eines Jobs helfen lassen wollten. Diesmal waren die Projekt Anbieter jedoch härter: "Wir machten sie darauf aufmerksam, dass eine Entscheidung, egal ob für das Projekt oder dagegen, endgültig ist", sagt B 4 Schülerin Tanja Bisch. Die Klasse GH10A kniete sich noch einmal mit voller Energie in die Arbeit hinein: Handzettel entwerfen, Kontakt zu den Medien, die Homepage aktualisieren, ein "Ausbildertreffen" besuchen…

Das Erfolgserlebnis, eine(n) aus dem neuen Trio vermitteln zu können, blieb jedoch aus. "Wir haben unser Bestes getan, aber das Interesse bei den Ausbildern war leider gering" meinte Azubi Werner Bauer, "natürlich ist man da etwas enttäuscht." Letztlich lief der Berufsschulklasse die Zeit davon: Eine Stelle als Auszubildende(r) zu finden, geht nicht von heute auf morgen das war allen klar.

Lob des Direktors

Alexander Liebel, Oberstudiendirektor der Berufsschule 4, macht seinen Schüler(inne)n Mut: "Letztlich ist es ein Erfolg für Euer Team. Nämlich, dass Ihr trotz allem dran geblieben seid. Jeder erleidet private oder berufliche Niederlagen. Wichtig ist, immer wieder aufzustehen." Dörthe Krause von der TheoPrax Stiftung des Fraunhofer Instituts würdigt das Durchhaltevermögen der Jugendlichen: "Die größte Leistung ist, es über ein ganzes Schuljahr durchzuziehen." Sie überreichte der Klasse ein "Zertifikat für erfolgreiche Projektarbeit". Krause teilte mit, dass dieses bundesweit erstmals durchgeführte Projekt .nun bei einem Karlsruher Gymnasium seine Fortsetzung findet: "Vielleicht ist dann auch Eure Erfahrung noch gefragt."

Informationen zum Projekt gibt es im Internet: www.jobcon.tk

Daumen rauf oder Daumen runter: Die Schüler(innen) der Klasse GH 10A in der Berufsschule 4  bewerten die Projektarbeit eher positiv, auch wenn der Erfolg letztlich ausgeblieben ist.

(Nürnberger Nachrichten, 20.07.05 / Foto: Voigt)

Ein Lehrer kümmert sich um sieben Berufsschüler

An der B4 wurden gute Erfahrungen mit einer eigenen Klasse für die Einstiegsqualifizierung Jugendlicher gemacht

VON MICHAEL KASPEROWITSCH

Von einem großen Erfolg mit der so genannten Ein­stiegsqualifizierung Jugendlicher (EQJ) sprechen die Ver­antwortlichen der Kaufmännischen Berufsschule 4 in der Schönweißstraße nach ihren Erfahrun­gen mit diesem "Türöffner zur Ausbil­dung". An der B 4 gibt es nach dem Start Anfang 2005 mit einer Klasse im kommenden Schuljahr drei EQJ-Klassen. Bisher bekamen danach rund 80 Prozent der Schüler einen Ausbil­dungsplatz.

Vor zwei Jahren hatten sich die Spit­zenverbände der deutschen Wirt­schaft im nationalen Pakt für Ausbil­dung unter anderem verpflichtet, ins­gesamt 25 000 EQJ-Plätze zur Verfü­gung zu stellen. Dabei handelt es sich um sechs- bis zwölfmonatige Prak­tika, die möglichst in eine Ausbil­dungsstelle münden sollen. Sach- und Personalkkosten übernehmen dabei die Betriebe, die Bundesagentur zahlt den Jugendlichen einen Zuschuss zum Lebensunterhalt in Höhe von 192 Euro monatlich. Für die Sozialversi­cherung ihrer EQJler bekommen die Firmen 102 Euro im Monat.

Schon 416 Verträge

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nürnberg hatte im Ausbildungs­jahr 2004/2005 707 EQJ-Plätze ange­boten, von denen aber nur 158 besetzt waren. Schon damals bekamen davon aber die meisten einen Ausbildungs­platz. Im kommenden Ausbildungs­jahr gibt es 536 Plätze, aber bereits 416 abgeschlossene EQJ-Verträge.

Die ursprüngliche Absicht des Pak­tes, die Praktikanten in einer beliebi­gen Fachklasse einzuschulen, hatten B-4-Schulleiter Alexander Liebel und seine zuständigen Kollegen für wenig Erfolg versprechend gehal­ten. An der B 4 - sie bildet unter anderem in den Bereichen Bank, Groß- ­und Außenhandel, Steuer oder Versicherung aus - ist der Anteil von Haupt­schülern schon seit Jahren sehr niedrig. Bei den künf­tigen Bankkaufleuten etwa sitzen mehrheitlich Abiturienten. Unter die­sen Umständen wäre ein Scheitern der EQJ-Schü­ler programmiert, zumal sie jeweils erst mehrere Monate nach Schulbeginn eintreffen. Die B4-Lei­tung beschloss daher, eigene EQJ-Klassen für einen Acht-Wochenstun­den-Unterricht zu schaf­fen. Fünf Lehrer sind dort für insgesamt rund 25 Schüler im Einsatz.

Peter Kührt und seine Kollegen an der B 4 haben dafür drei "Qualifizierungsmodule" entwickelt: Finanzierung, Arbeits- und Berufswelt sowie Projektdarstellung und Arbeitsmarkt. Dabei lernen die Schüler unter anderem Buchführung, Tabel­lenkalkulation, Internet-Recherche oder Englisch. Für Kührt sind die kleinen Klassen mit ausschlaggebend für den Erfolg: Bei jeweils sieben Schülern und einem Lehrer sind alle Schüler permanent gefordert." Der kleine Kreis erschwere zudem den "Rückfall in alte schu­lische Verhaltensgewohnheiten", gemeint sind Schwätzen, geistiges Abtauchen oder einfach Desinteresse.

Für Unternehmen und Jugendliche sind die bisherigen Erfahrungen absolut positiv“, sagte Schulleiter Liebel in einer ersten Bilanz, "die Betriebe tasten sich mit der EQJ an die Ausbil­dung heran, und die Schüler bekom­men nach bisher oft enttäuschender Suche eine Chance zu zeigen, dass sie auch großes Inte­resse an einem Aus­bildungsplatz ha­ben. "

Nur eine Minder­heit von Firmen missbraucht,  so Peter Kührt, die gute Idee EQJ, um vorübergehend billige Mitarbeiter mit finanzieller Unterstützung des Staates einzustellen, ohne ernsthaft eine Ausbildung des Praktikanten in Erwä­gung zu ziehen. Nur Einzelne beschäftige einen EQJ-Mittarbeiter nach dem anderen. Zu Kührts Überraschung rechnen viele Betriebe die EQJ-Zeit sogar auf die folgende Lehrzeit an.

Zu den diesjährigen erfolgreichen EQJlern gehört Franziska Esrig. Nach dem Abschluss der Wirtschaftsschule hat sie gut 50 Bewerbungen geschrie­ben - vergeblich. "Mein erstes Vorstel­lungsgespräch war ein kompletter Reinfall", erzählt sie, "ich war total aufgeregt und habe ziemlich rumge­stottert." In ihrem neunmonatigen Praktikum bei einem Großhandelsun­ternehmen hatte sie Gelegenheit, die Kollegen langsam kennen zu lernen und sich zurechtzufinden. Jetzt liegt ihr Ausbildungsvertrag bereits auf dem Tisch ihres EQJ-Chefs.

Verbesserungen sind für Liebel und Kührt trotz des bisherigen Erfolgs möglich. Es würde die Arbeit der Päda­gogen an der B 4 wesentlich erleich­tern, wenn die Praktikanten alle zum gleichen Zeitpunkt mit der Schule beginnen könnten. Bisher verteilt sich der Start über mehrere Wochen.

Um möglichst alle Betriebe und in­teressierte Jugendliche zu erreichen, hat das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung im Rahmen eines vom Bayerischen Wirtschaftsministerium geförderten Projekt eine Praktikums­börse entwickelt. Sie ist im Internet unter www.eqj-bayern.de zu erreichen. 

(Quelle: NN, 10.08.2006)

Anmerkung (aus Lehrerperspektive): Leider waren in der Klasse nicht nur sieben Schüler - es handelte sich vielmehr um sieben Schüler/innen aus zwei EQJ-Klassen mit insgesamt 56 Schüler/innen. Hier hatte der Journalist offenbar etwas missverstanden (was dann gleich zu besorgten Nachfragen der Regierung in Ansbach führte!). Sieben Schüler in einer Klasse werden wohl vorerst nur ein pädagogischer Traum bleiben... 


Nürnberger Nachrichten, Mittwoch, 23. Juli 2008 (Nürnberg Extra)

Einmal Politiker sein
Berufsschüler spielten einen Tag lang Landtag


VON MICHAELA ZIMMERMANN

Videoüberwachung in öffentlichen Räumen? Die angehenden Bankkaufleute an der Städtischen Berufschule 4 sind schwer dafür. In einem Planspiel "Der Landtag sind wir" verabschiedeten sie eine entsprechende Gesetzesinitiative.

Ihren Lehrer und Initiator des Spiels, Peter Kührt, überrascht das Ergebnis nicht: "Ich kenne meine Schüler, die sind fast alle eher konservativ, ganz selten, dass mal ein grüner Umweltaktivist dabei ist."

Kührt unterrichtet die angehenden Banker in Sozialkunde. Doch mit dem politischen Wissen war es bei ihnen bis vor kurzem nicht weit her. "Als ich die beiden 12. Klassen übernahm, war ich schockiert, wie blank sie waren." Der Studiendirektor wollte und konnte das so nicht stehen lassen und hatte eine Idee. Er bewarb sich beim Bayerischen Landtag um das Planspiel "Der Landtag sind wir" und bekam prompt den Zuschlag.

So konnte das Spiel in Kooperation mit dem Zentrum für angewandte Politikforschung der Universität München und der Forschungsgruppe Jugend und Europa beim Bayerischen Landtag in der Berufsschule über die Bühne gehen' Und die Jugendlichen lernten auf diese Weise, quasi durch die Hintertür, eine ganze Menge über die Landespolitik und die Funktion des Landtags.

53 Schülerinnen und Schüler machten mit und waren von Anfang an mit Feuereifer bei der Sache, erzählt Kührt. Ganz egal, welche Rolle sie bekleideten. Ob sie Mitglied einer der drei Fraktionen oder Vertreter der Presse mimten. Die Rollen wurden ausgelost, und so manch' einer sah sich der Herausforderung gegenüber, einen 72-jährigen Landwirt aus Niederbayern zu spielen. Mit 40 Jahren CSU-Mitgliedschaft auf dem Buckel und wild entschlossen, die Belange seiner Branche im Landtag zu vertreten. Peter Kührt war von der schauspielerischen Leistung seiner Schüler begeistert: "Es war wirklich fantastisch, wie überzeugend wie sie in die verschiedenen Rollen geschlüpft sind." Die Presse, natürlich NN und NZ, habe alle 20 Minuten einen neuen Text geliefert, und die Fraktionen bekriegt sich fast wie im richtigen Leben.

In einer inszenierten Talkshow, beim Bayerischen Rundfunk, traten die Fraktionssprecher schließlich gegeneinander an. Die Vertreter von SPD und Grünen, erzählt Kührt , seien chancenlos gewesen. Es war schnell klar, dass die CSU ihren Vorschlag, die Überwachung von öffentlichen Plätzen mittels Videokameras, durchdrücken werde. Praktischen Rat am Planspieltag holten sich die Schuler von einer, die weiß, wie der Landtag funktioniert. MdL Angelika Weikert (SPD) nahm sich viel Zeit, den jungen Erwachsenen zu erklären, wie es im Landtag läuft. So verwandelten sich die anfangs politikverdrossenen Berufsschüler auf einmal in ambitionierte Hobby-Politiker. Das Planspiel machte es möglicht. Studiendirektor Kührt freut sich über die Entwicklung. "Sonst haben all bei politischen Themen gestöhnt und die Augen verdreht.“ Auf einmal diskutieren die Schüler im Unterricht über politische Entwicklungen. Das Interesse zeigt sich auch daran, dass alle 53 jungen Planspieler sich zu einer Fahrt zur Besichtigung des Bayerischen Landtages angemeldet haben. Damit hatte selbst Kührt nicht gerechnet.

Bilduntertitel (das Foto wurde aus urheberrechtlichen Gründen nicht übernommen): Die "Presse" bei ihrer Arbeit. Alle 20 Minuten verfassen die Schüler einen neuen Artikel.


Nürnberger Zeitung vom 19.07.2008 (Nürnberg Plus)

Schüler der Berufsschule inszenierten den Landtag
Ist das alles nur ein Planspiel?


VON MATHIAS ORGELDINGER

So viel Präsenz war selten. Gleich drei Journalisten der NZ berichteten am Donnerstag von der konstituierenden Sitzung des Bayerischen Landtags, der ausnahmsweise in Raum 227 der Berufsschule 4 tagte. Thema des Planspiels: "Der Landtag sind wir."

Den "NZ-Redakteurinnen" Saskia Range und Sabrina Geitner fiel keine leichte Aufgabe zu. Sie sollten die traditionsreiche Zeitung im Boulevard-Stil aufziehen. "Schreibt frei von der Leber weg. Ihr müsst kreativ und schnell sein", forderte Bernd Knüfel, einer der Spielleiter, von der Forschungsgruppe Jugend und Europa" (FGJE) am "Zentrum für angewandte Politikforschung" der Universität München.

Das ließen sich die beiden angehenden Bankkauffrauen nicht zweimal sagen. Unbemerkt schlichen sie in den "Fraktionsraum" der "CSU" und schossen kompromittierende Fotos von "Abgeordneten". Dann rannten sie ins "Pressezentrum", das mit moderner Computertechnik ausgestattet war. Saskia rief die Internetseite der Zeitung mit den vier Buchstaben auf und klaute eine Überschrift. Darunter eine knappe Meldung. Zwei Fotos, blitzschnell von der Digitalkamera ins Layout gebracht. Fertig.

Während die Kolleginnen von der "NN" noch an einer seriösen "Bleiwüste" bastelten - deren Fotografin war gerade unauffindbar - hing der "NZ-Aufmacher" schon am schwarzen Brett des "Pressebüros": "Hippie-Alarm im Bayerischen Landtag. CSU-Abgeordnete wollen lieber Spaß, als sich um die Belange des Volkes zu kümmern". "Das war ziemlich gemein", bekannte Range. Nur ein Planspiel?

Die 49 Schüler aus zwei Bankfachklassen wurden nach den Mehrheitsverhältnissen im Maximilianeum aufgeteilt. Jeder bekam eine konkrete Rolle zugewiesen, die er ausfüllen sollte. Da gab es zum Beispiel den oberbayerischen Landwirt von der "CSU" oder den Unternehmensberater aus Ansbach von der "SPD".

"Als Abgeordnete müsst ihr die Interessen des gesamten bayerischen Volkes vertreten und seid nur eurem Gewissen unterworfen", dozierte Leo Meyer-Giesow von der Forschungsgruppe. In den Ausschüssen könne auf der Basis von Sachargumenten frei diskutiert werden, im Plenum müsse man allerdings die Beschlüsse der Fraktionsmehrheit vertreten, riet der Spielleiter. "Wie soll das funktionieren?", fragte ein Schüler. Nur ein Planspiel? "Wo der Sozialkundeunterricht zusammengestrichen wird, können die Jugendlichen nicht viel über Politik wissen", sagte Prof. Andreas Schumann, Lehrstuhlinhaber für Literaturdidaktik an der Universität Osnabrück.

Er hilft dem Spielleiterteam gelegentlich als "Springer" aus. Wenn die Jugendlichen in die Rolle von Abgeordneten schlüpften und in fünf Stunden einen Gesetzentwurf erarbeiteten, würden politische Entscheidungsprozesse direkt erlebbar, erklärte Schumann. Das Planspiel sei ein wichtiges Mittel der politischen Jugendbildung Die Schule habe das Szenario bestens vorbereitet.
 

Das Lob galt Studiendirektor Peter Kührt, der die Bankfachklassen betreut. "Bei den heutigen Jugendlichen darf man das Wort Politik nicht in den Mund nehmen",' so Kührt. Er sei gespannt, wie das fiktive Gesetz zur "Videoüberwachung in öffentlichen Räumen" formuliert werde. Die angehenden Bänker seien mehr dem konservativen Spektrum zuzurechnen, meinte der Berufsschullehrer.

Wie recht er hatte. Mit den Stimmen der "CSU" und einiger "SPDler" verabschiedete der "Landtag" in zweiter Lesung ein fiktives Gesetz. Dieses verpflichtet alle bayerischen Großstädte, ihre Innenstädte mit Videokameras zu überwachen. Nur die vier "grünen Abgeordneten" stimmten dagegen.

Doch zum Zeitpunkt der Abstimmung saß der echte NZ-Reporter schon wieder an seinem Arbeitsplatz. Wie sagte doch Spielleiter Knüfel: "Im Online-Zeitalter ist Schnelligkeit alles."

Bilduntertitel (das Foto wurde aus urheberrechtlichen Gründen nicht übernommen): Saskia Range übernahm den Part einer Redakteurin bei der Nürnberger Zeitung. Allerdings mutierte die seriöse NZ für dieses Planspiel zu einem reißerischen Revolverblatt ohne journalistisches Verantwortungsgefühl.


"B4 on Air" - ein Banklehrer informiert die Hörer von Radio Gong über die Finanzkrise

Auch wenn der Sachverstand von Lehrern in der Öffentlichkeit nur selten gefragt ist, die Finanzkrise macht es möglich. Am Montag, 20.10.2008, informiert Dr. Peter Kührt, ein Lehrer in Bankfachklassen an der Berufsschule 4, Kompetenzzentrum für Kaufmannsberufe, in einer Sondersendung von Radio Gong 97.1 über die Konsequenzen der Finanzkrise für Nürnberger Sparer und beantwortet Hörerfragen zur Geldanlage.

Herr Dr. Kührt hat nicht nur viele Mitarbeiter Nürnberger
Kreditinstitute (mit)ausgebildet, er ist auch Autor zahlreicher
Veröffentlichungen im Bereich Volkwirtschaftslehre und hatte hierzu
auch mehrere Lehraufträge an Hochschulen und Universitäten.

Termin: Montag, 20.10.2008, 9-10 Uhr, anschließend Beantwortung von Hörerfragen

Quelle: http://www.nuernberg.de/internet/berufsschule_4/ (Rubrik Aktuelles vom 15.10.2008)


NÜRNBERGER NACHRICHTEN vom 06.03.2009

Für den Wahlsieg half den "Christen" auch kein Beten

65 Schüler der Berufsschule B4 lernen die Konflikte in einer Demokratie durch ein Planspiel hautnah kennen

VON ALEXANDRA HADERLEIN

Für zwei Tage lebten 65 Berufsschüler der B4 in ihrer eigenen Welt: Bei einem Planspiel der Friedrich-Ebert-Stiftung spielten sie zwei Tage lang das Szenario einer Staatsneugründung nach und schlüpften dafür in die Rollen von Politikern und Lobbyisten, um den Staat Fontanien nach ihren eigenen Vorstellungen im Sinne der Demokratie zu gestalteten.

Während die "Politiker", organisiert in insgesamt sechs fiktiven Parteien Wahlprogramme entwickeln, Wahlkampf betreiben und durch Plakate und Interviews versuchen, Stimmung zu machen, um die Wähler auf ihre Seite zu ziehen, betreibt der andere Teil Lobbyarbeit. Die verschiedenen Gruppierungen und Vereine aus Kirche, Unternehmertum, Umwelt, Bildung und Familie versuchen ihrerseits, die Programme der Parteien dadurch zu beeinflussen.

Warum es solche Projekte braucht, erklärt Berufsschullehrer Peter Kührt: "Wir möchten, dass die jungen Menschen mehr Sensibilität für den Wert der Demokratie entwickeln und das später auf ihre Umgebung übertragen."

Sogar die Bäckerin ist integriert

Voller Eifer, Kreativität und Engagement betätigen sich alle Berufsschüler an dem Projekt, das die Regeln und Gegebenheiten aus der Wirklichkeit übernommen hat: Auch in dem fiktiven Staat mit 20 Millionen Einwohnern gibt es Migranten und verschiedene Glaubensrichtungen. 

Und auch die nahe gelegene Bäckerei kommt um Fontanien nicht herum: Auch sie wird zum Handlungsort, als das Presseteam des Planspiels bei der Verkäuferin nachfragt, was sie von den einzelnen Wahlkampagnen hält. Eine der größten, an der keiner vorbeikommt, hat das Team der Christlichen Volkspartei (CVP).

Sie denken nur noch in Fontanisch und versuchen, die vorgegebene soziale Situation der Fontanier mit allen Mitteln zu verbessern. Um auch wirklich jeden davon zu überzeugen, dass die CVP dies am besten kann, hat das Team schon auf dem Weg zum Plenarsaal, in dem das Planspiel stattfindet eine Unmenge an Wahlplakaten aufgehängt und tapezierte damit schon fast das ganze Schulhaus.

"Unsere Flyer haben wir jedem, auch nicht am Planspiel Beteiligten, in die Hand gedrückt. Sogar am Klo hängen unsere Wahlplakate, denn schließlich muss dort jeder hin", schildert Martina Stefan (20), die Beraterin des Parteichefs, die Überzeugungsstrategie.

Unstimmigkeiten in der Partei

Während die CVP am Ende bei der Wahl auf einem der vorderen Plätze landet, wird die Bürgerbewegung Grünes Fontanien den letzten Rang belegen. Eine Rechfertigung für den letzten Platz hat die Partei um Parteivorsitzenden Robert Reitz (23) schon gefunden.

"Wir hatten Unstimmigkeiten in der Partei, die Planspiel-Presse hat's aufgeschnappt und uns daraufhin ziemlich runtergemacht. Ich hätte nicht gedacht, dass die Medien solch einen Einfluss auf die Demokratie und eine Partei haben können", erklärt Reitz.

Veränderter Blick auf Politik

Dass sich der Blick auf die Politik verändert hat, kann die 21-jährige Teilnehmerin Katharina Wallender nur bestätigen, die nun viel genauer das politische Geschehen im Fernsehen beobachten würde: "Ich habe in diesen zwei Tagen viel dazugelernt. Wir haben uns intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, und ich habe gemerkt, dass es gar nicht so leicht ist, eine für alle akzeptable Mitte zu finden. 

Koalitionsverhandlungen führen

Die Mitte zu finden galt es letztlich auch nach der Wahl: 33 Stimmen hätte eine Partei zur alleinigen Regierung gebraucht. Doch weder die CVP noch die Partei für ein liberales Fontanien (PLF) erreichten die absolute Mehrheit. "Nun müsst ihr Koalitionsverhandlungen führen", schildert Reemt Behrens, Leiter des Projektspiels, das weitere Vorgehen.

Doch dabei zeigt sich, dass die Taktik der" Christen" nicht aufging: Letzten Endes bildeten die Liberalen mit den Sozialdemokraten eine Koalition und verdrängen die CVP auf den Platz der Opposition. Die Planspiel-Presse wird deshalb am Ende des zweiten Tages titeln: "Da half auch kein Beten!"

[Bilduntertitel: Heiße Debatten gab es bei der Elefantenrunde des PlanspieIs "Demokratielabor". Die eigene Partei durch ein gutes Wahlprogramm und eine perfekte Werbekampagne für sich zu gewinnen, war die Herausforderung – das Bild selbst wird hier nicht wiedergegeben]


NN-Online vom 06.03.2009

Berufsschüler spüren Demokratie hautnah
Ein Planspiel soll zeigen, dass Demokratie nicht einfach ist

NÜRNBERG - Während die «Politiker«, organisiert in insgesamt sechs fiktiven Parteien Wahlprogramme entwickeln, Wahlkampf betreiben und durch Plakate und Interviews versuchen, Stimmung zu machen, um die Wähler auf ihre Seite zu ziehen, betreibt der andere Teil Lobbyarbeit. Die verschiedenen Gruppierungen und Vereine aus Kirche, Unternehmertum, Umwelt, Bildung und Familie versuchen ihrerseits, die Programme der Parteien dadurch zu beeinflussen.

Warum es solche Projekte braucht, erklärt Berufsschullehrer Peter Kührt: «Wir möchten, dass die jungen Menschen mehr Sensibilität für den Wert der Demokratie entwickeln und das später auf ihre Umgebung übertragen.«

Fiktiver Staat mit 20 Millionen Einwohnern

Voller Eifer, Kreativität und Engagement betätigen sich alle Berufsschüler an dem Projekt, das die Regeln und Gegebenheiten aus der Wirklichkeit übernommen hat: Auch in dem fiktiven Staat mit 20 Millionen Einwohnern gibt es Migranten und verschiedene Glaubensrichtungen.

Und auch die nahe gelegene Bäckerei kommt um Fontanien nicht herum: Auch sie wird zum Handlungsort, als das Presseteam des Planspiels bei der Verkäuferin nachfragt, was sie von den einzelnen Wahlkampagnen hält. Eine der größten, an der keiner vorbeikommt, hat das Team der Christlichen Volkspartei (CVP).

Sie denken nur noch in Fontanisch und versuchen, die vorgegebene soziale Situation der Fontanier mit allen Mitteln zu verbessern. Um auch wirklich jeden davon zu überzeugen, dass die CVP dies am besten kann, hat das Team schon auf dem Weg zum Plenarsaal, in dem das Planspiel stattfindet eine Unmenge an Wahlplakaten aufgehängt und tapezierte damit schon fast das ganze Schulhaus.

«Unsere Flyer haben wir jedem, auch nicht am Planspiel Beteiligten, in die Hand gedrückt. Sogar am Klo hängen unsere Wahlplakate, denn schließlich muss dort jeder hin«, schildert Martina Stefan (20), die Beraterin des Parteichefs, die Überzeugungsstrategie.

Die Macht der Medien

Während die CVP am Ende bei der Wahl auf einem der vorderen Plätze landet, wird die Bürgerbewegung Grünes Fontanien den letzten Rang belegen. Eine Rechtfertigung für den letzten Platz hat die Partei um Parteivorsitzenden Robert Reitz (23) schon gefunden.

«Wir hatten Unstimmigkeiten in der Partei, die Planspiel-Presse hat’s aufgeschnappt und uns daraufhin ziemlich rundgemacht. Ich hätte nicht gedacht, dass die Medien solch einen Einfluss auf die Demokratie und eine Partei haben können«, erklärt Reitz.

Dass sich der Blick auf die Politik verändert hat, kann die 21-jährige Teilnehmerin Katharina Wallender nur bestätigen, die nun viel genauer das politische Geschehen im Fernsehen beobachten würde: «Ich habe in diesen zwei Tagen viel dazugelernt. Wir haben uns intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, und ich habe gemerkt, dass es gar nicht so leicht ist, eine für alle akzeptable Mitte zu finden.«

Die Taktik der «Christen« ging nicht auf

Die Mitte zu finden galt es letztlich auch nach der Wahl: 33 Stimmen hätte eine Partei zur alleinigen Regierung gebraucht. Doch weder die CVP noch die Partei für ein liberales Fontanien (PLF) erreichten die absolute Mehrheit. «Nun müsst ihr Koalitionsverhandlung führen«, schildert Reemt Behrens, Leiter des Projektspiels, das weitere Vorgehen.

Doch dabei zeigt sich, dass die Taktik der «Christen« nicht aufging: Letzten Endes bildeten die Liberalen mit den Sozialdemokraten eine Koalition und verdrängen die CVP auf den Platz der Opposition. Die Planspiel-Presse wird deshalb am Ende des zweiten Tages titeln: «Da half auch kein Beten!«

Alexandra Haderlein
6.3.2009

© NÜRNBERGER NACHRICHTEN

Quelle: http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=979164&kat=10


Nürnberger Nachrichten vom 19.06.2009


„Politik ist was für Erwachsene“
 

Berufsschüler befragten 600 Jugendliche - Weit weg vom eigenen Alltag
 

VON SILKE ROENNEFAHRT

Ist die Demokratie ein Auslaufmodell? Schüler der Berufsschule B4 wollten es genau er wissen Lind luden 600 Gleichaltrige zu einer Online-Befragung ein - mit zum Teil erschreckenden Ergebnissen.

"Politik, das ist doch was für Erwachsene." Mit dieser Einstellung ging Christian Sekora an das Demokratieprojekt heran. Damals noch nicht volljährig, durfte der angehende Bankkaufmann nicht wählen und hatte auch sonst mit Politik nicht viel am Hut Mit unserem Alltag hat das, was die Parteien machen, nicht viel zu tun", sagt auch Luana Dietl. Und ihre Mitschülerin Marina Cupic (20) räumt ein, dass sie sich bei ihrer Wahlentscheidung daheim in Kroatien früher an den Eltern orientiert hat

Das hat sich gründlich geändert. Seit einem Jahr sind die Jugendlichen gemeinsam mit ihrem Lehrer Peter Kührt der Demokratie auf der Spur haben in einem Planspiel Parteien gegrundet, Koalitionsverhandlungen geführt und die Befragung organisiert. Den Anstoß dazu gab eine Untersuchung der Friedrich-Ebert-Stiftung, die Erschreckendes zu Tage förderte. Jeder dritte Bundesbürger glaubt demnach nicht mehr daran, dass Demokratie Probleme löst. Jeder Fünfte hält die Demokratie als Regierungsform nicht für verteidigenswert. Und immerhin fast jeder Zweite will bei der Bundestagswahl im Herbst vielleicht zu Hause bleiben.

Ergebnisse, die quer durch alle Altersschichten gelten, wie Serge Embacher von der Friedrich-Ebert Stiftung betont. Immerhin: Das ausgeprägte Desinteresse der Jugendlichen an Politik, von dem in der Öffentlichkeit immer mal wieder die Rede ist konnte laut Embacher "überhaupt nicht" bestätigt werden.

Doch die angehenden Bankkaufleute aus Nürnberg wollten e genauer wissen. Sie befragten über 600 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren Und auch wenn die Schüler mit ihren bescheidenen Mitteln keine statistisch repräsentative Umfrage auf die Beine stellen konnten, so erreichten sie doch Teilnehmer alle Schularten und gehen davon aus, dass die Ergebnisse durchaus Rückschlüsse auf einen großen Teil der Altersgruppe erlauben.

"Demokratie ist wichtig"

Heraus kam zunächst einmal Beruhigendes: Immerhin zwei Drittel der Befragten halten es demnach für wichtig, in einer Demokratie zu leben, und zwar unabhängig vom Geschlecht oder Schulabschluss. Und rund 70 Prozent denken auch, dass die Demokratie eine gute Staatsform ist und dass andere Regierungsformen keine Alter native wären. Die große Mehrheit fühlt sich ausreichend über Demokratie informiert, hat ihr Wissen aus der Schule (44 Prozent), den Medien oder der Familie. Wie viel von dieser Selbsteinschätzung zu halten ist, prüften die Schüler mit einer weiteren Frage ab und kamen zu ihrem wohl erschreckendsten Ergebnis: Jeder Fünfte hielt demnach die DDR für eine Demokratie, unter den Gymnasiasten liegt dieser Anteil sogar noch höher. Und immerhin 9,2 Prozent glauben, in einer Diktatur bessere persönliche Chancen zu haben.

Nur gut die Hälfte hält Parlamente für so wichtig, dass man sie "auf keinen Fall" abschaffen sollte, die anderen sind sich da nicht ganz so sicher. Und jeder Fünfte wünscht sich mehr extreme Parteien im Parlament, nur die Hälfte lehnt dies ab. 60 Prozent würden den Bundeskanzler gern direkt wählen, 82 Prozent möchten über umstrittene Gesetze selbst abstimmen. Das Gefühl, mit ihrer Stimme am Wahltag etwas bewirken zu können, haben dagegen nur 18 Prozent. Und dass sie nur zwischen " schlecht " und "noch schlechter" entscheiden können, glauben 60 Prozent.

Discobesuche und Alkohol erst ab 21 Jahren? Nur sieben Prozent würden sich gegen eine sie so direkt betreffende Gesetzesänderung auf politischem Wege wehren. „Ich würde versuchen, meinen Ausweis zu falschen", antworteten dagegen 20 Prozent.

40 Prozent haben kein oder wenig Interesse an Politik, weil sie sich "nicht damit auskennen", wie jeder Dritte antwortete. Ein Ergebnis, das in den Augen der Berufsschüler durchaus auch Chancen bietet. Wie sinnvoll politische Bildung ist, haben sie selbst erlebt. Er habe viel dazugelernt, sagt Sekora. Bislang sei das Thema für sie immer weit weg gewesen, ergänzen Nadine Graml und Sabrina Dingfelder. "Jetzt haben wir das Gefühl, was ändern zu können."


Nürnberger Zeitung vom 27. Juni 2009
 

Demokratie-Umfrage an der Berufsschule 4

Viele Politiker sind unglaubwürdig

Demokratie scheint langsam aus der Mode zu kommen. Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung von 2008 hat ermittelt, dass ein Drittel der Deutschen wenig vom demokratischen Gesellschaftsmodell hält. Dieses Ergebnis nahmen angehende Bankkaufleute der Berufsschule 4 zum Anlass für eine eigene Befragung unter Schülern der 9. und 13. Klassen.

Das Planspiel "Demokratielabor" und eine Projektwoche zur Wechselwirkung zwischen Armut und Rassismus wurden bereits an der B 4 durchgeführt. Die Befragung zum Demokratieverständnis von Jugendlichen bildet Teil drei des ganzjährigen Schülerprojekts „Auslaufmodell Demokratie?". Als Projektkoordinator federführend ist Peter Kührt. "Für die Befragung standen uns nur vier Tage zur Verfügung. Vieles geschah deshalb in der Freizeit der Berufsschüler erläutert der Studiendirektor.

Befragt wurden Angehörige unterschiedlicher Schularten, beide Geschlechter sind gleich stark vertreten. Der Fragebogen ist in fünf Komplexe gegliedert. 616 Bögen konnten letztendlich ausgewertet werden.
 

Die Einstiegsfrage lautet: "Glauben Sie, dass es für Jugendliche in Deutschland von Bedeutung ist, dass sie in einer Demokratie leben?" 62,8 Prozent antworteten mit " Ja ". Mehr als 80 Prozent stuften Demokratie als "gute Staatsform" ein. Sogar 85 Prozent gaben an, ihr Wissensstand bezüglich Demokratie sei gut bis ausreichend. Schule, Medien und Familie wurden als wichtigste Informationsqellen angegeben.

67,4 Prozent der über 18-Jährigen gehen nach eigenem Bekunden regelmäßig zur Wahl, egal ob Abiturient oder Hauptschüler. Fast zwei Drittel sahen die wichtige Funktion der Parlamente. Die Politiker der etablierten Parteien stuften etliche als zu glatt und unglaubwürdig ein. 20 Prozent wünschten sich extreme Gruppierungen in die Parlamente.

Die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau wurde als zentrales politisches Ziel eingestuft. Fast 30 Prozent der Befragten sahen hier Nachholbedarf. 82,7 Prozent forderten, dass die Bevölkerung über umstrittene Gesetze selbst abstimmen darf. Auf die Frage "Haben Sie das Gefühl, mit Ihrer Stimme am Wahltag tatsächlich etwas zu bewirken?", antworten 17,9 Prozent mit "Ja".

Neue Politiker mit Charisma wie Barack Obama braucht das Land, meinten gut 40 Prozent. 82 Prozent würden akzeptieren, wenn in ihren Lieblingsserien "mehr aktuelle, politische Themen vorkommen würden". Ein Engagement von Promis bei politischen Veranstaltungen favorisierten hingegen wenige. Überhaupt kein Interesse an Politik hatten 10,4 Prozent, bei 30,5 Prozent war der Wissensdurst kaum ausgeprägt. Das Desinteresse wurde mit "keine Zeit“ oder "zu komplex" begründet.

Außerdem hagelt es harsche Kritik an Politikern ("Kein Bezug zur Jugend", "geldgeile Säcke"). "Diskothekenbesuch sowie Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit erst ab dem 21. Lebensjahr?" Bei dieser Frage erhitzten sich die Gemüter. Mit dem Fälschen. seines Ausweises liebäugelte jeder Fünfte. Viele entschieden sich letztendlich für Resignation: Die Antwortmöglichkeit "Ich kann sowieso nichts daran ändern", kreuzen 46 Prozent der Jugendlichen an.

Thomas Susemihl


Nünberger Nachrichten vom 30.04.2010

Schüler machen Geldanleger fit

Bank-Azubis entwickelten Internetplattform samt Risiko-Test

NÜRNBERG - Wie lege ich mein Geld an? Welche Anlageform ist für mich die richtige? Und was sind eigentlich Hybridanleihen? Eine neue Internetplattform will all diese Fragen beantworten. Entwickelt haben sie Schüler der Berufsschule B4.

Ein paar Mausklicks bringen es an den Tag: Ich bin ein »Spaziergänger«, will mein dank der Kurseinbrüche auf dem Aktienmarkt ohnehin stark geschrumpftes Restvermögen so sicher wie möglich anlegen und am liebsten jederzeit darüber verfügen können. Schließlich weiß man ja nie. Vom Wagemut eines »Drachenfliegers«, der kein Risiko scheut und dafür möglicherweise hohe Renditen einfährt, bin ich weit entfernt.

Konto oder Anleihe?

Nur ein paar Fragen galt es zu beantworten, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Damit weiß ich jetzt auch, dass für mich allenfalls Tagesgeldkonten, Tagesanleihen und ähnlich sichere Geldanlagen in Frage kommen - große Gewinne sind da leider nicht drin.

Was sich jetzt so einfach und spielerisch liest, hat Christina Kubitza, Nina Berger, Melanie Tröster und ihre Mitschüler eine ganze Menge Zeit gekostet. Ein Jahr lang hat die Gruppe an dem Projekt gearbeitet, anfangs, sagt Kubitza, »haben wir gedacht, dass wir es nie schaffen«.

Doch die Motivation bei den angehenden Bankkaufleuten, die demnächst ihre Prüfung ablegen, war groß. Sie alle erleben tagtäglich, wie sehr das Ansehen ihrer Branche in jüngster Zeit gelitten hat. Als die Schülerinnen in der Fußgängerzone Passanten fragten, wie die Banken das verloren gegangene Vertrauen zurückgewinnen könnten, verschwiegen sie sogar, wo sie arbeiten, um wenigstens überhaupt eine Antwort zu bekommen.

70 Prozent haben kein Vertrauen in Banken

Ihr Lehrer Peter Kührt, der die Projektgruppe leitet, hat die passende Zahl dazu: 70 Prozent der Deutschen haben demnach kein oder nur wenig Vertrauen in die Beratung der Banken, alle wünschen sich mehr Transparenz und Aufrichtigkeit.

Und dazu wollen die Schüler mit ihrem »Anlage-Navigator« beitragen, der viel mehr bietet als den unterhaltsamen Selbsttest im Internet. Nicht »Zocker oder Profis«, sondern »ganz normale Leute« sollen sich schnell und leicht verständlich im Internet informieren können, sagt Kührt. Deshalb hat das Team Beschreibungen zahlreicher Geldanlagen erarbeitet und diese den jeweiligen Anlegertypen zugeordnet. Auf »Einschätzungen und Mutmaßungen« habe man dabei verzichtet. Die Nutzer finden zudem Videos und Power-Point-Präsentationen, die die jeweiligen Begriffe veranschaulichen. Denn einfache und verständliche Produktinformationen gibt es aus Sicht der Schüler bislang noch zu selten.

Die Profis überzeugt

Auch die bisherigen Risiko-Klassifizierungen fanden die jungen Leute verwirrend. Deshalb griffen sie auf das Bild eines Berges zurück, um die verschiedenen Typen zu beschreiben. »Je höher man kommt, desto höher ist auch die Fallhöhe«, sagen sie.

Mit ihrer Arbeit konnten sie sogar die Profis überzeugen. Die Seite sei »sehr gelungen«, sagt Stefan Hertel von der Sparkasse Fürth. »Ein paar Bereiche müsste man aber noch vertiefen.« Doch das Internetangebot sei in jedem Fall eine gute Vorbereitung vor dem Termin mit einem Bankberater, da ist sich Hertel mit seinem Nürnberger Kollegen Ansgar Hofmann einig. Ähnlich sieht es Christoph Hommel von der Verbraucherzentrale, der vor allem die anschauliche Darstellung lobt.

Silke Roennefahrt

 

Nünberger Zeitung vom 06.05.2010

Wie Spaziergänger und Drachenflieger investieren

Bank-Azubis entwickelten Internet-Plattform

»Welcher Anlagetyp sind Sie?« Diese Frage hört man vom Anlageberater in der Bank häufig. Die Reaktion der Kunden ist fast immer gleich: ahnungsloses Schulterzucken. Die Frage, ob man nun eher der konservative oder der risikobereite Geldanleger ist oder eine der Stufen dazwischen, ist schwierig zu beantworten. Damit Geldanleger selbstbewusster in solche Gespräche gehen können, haben die Bank-Azubis der Kaufmännischen Berufsschule 4 eine neuartige Internetplattform entwickelt, die jetzt online ist. Unter www.anlage-coach.de erhalten Anleger Auskunft über ihren Anlagetyp und die dafür geeigneten Geldanlagen.

Die 23 Azubis der Projektgruppe »Anlage-Coach« stellten gemeinsam mit Projektleiter Peter Kührt ihre Internetplattform vor. Expertenwissen steuerten Thomas Bieler (ING DiBa, Frankfurt), Stefan Hertel (Sparkasse Fürth), Ansgar Hofmann (Sparkasse Nürnberg) sowie der Verbraucherschützer Christoph Hommel bei.

»Viele Kreditinstitute haben durch die Finanzkrise große Vertrauensverluste erfahren. Deshalb haben wir uns damit beschäftigt, wie man das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen kann«, erklärt Kührt. Die Lösung war schnell gefunden: Bessere Risikoklassen-Einteilungen und bessere Produktinformationen müssen her.

Seit September haben die Azubis gegrübelt, wie man diesen Forderungen und Wünschen der Anleger gerecht werden könnte. Ihre Antwort: Die Internetplattform, die speziell unerfahrenen Anlegern dabei helfen soll, schnell zu ermitteln, welche Anlageformen sich für sie eignen – und bei welchen Vorsicht geboten ist. Auf der pfiffig gemachten, benutzerfreundlichen Website muss der Nutzer 20 Fragen beantworten. Zum Beispiel, wie lange er sein Geld anlegen und welche Rendite er erzielen möchte. Die Sicherheit spielt eine wichtige Rolle: Ist ein Kapitalschutz mit Einlagensicherung gewünscht oder kauft der Anleger eher spekulativ und nimmt dabei auch einen Totalverlust seines Kapitals in Kauf?

Nach Beantwortung aller Fragen ermittelt das System den Anlegertyp. Acht unterschiedliche Typen haben sich die Azubis ausgedacht, die spielerisch das Risikoverhalten der Anleger zeigen sollen. Es beginnt mit dem »Spaziergänger«, der unter der Risikoklasse »konservativ« läuft. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er sich absolute Sicherheit und Berechenbarkeit der Geldanlage wünscht. Zudem möchte er jederzeit in vollem Umfang über sein Geld verfügen können. Allerdings hat er dadurch auch keine hohen Renditeerwartungen. Ihm empfiehlt das Programm, Girokonten, Tagesgeldkonten oder Kreditkartenkonten zu eröffnen.

Auf der zweiten, etwas riskanteren Stufe, steht der so genannte »Nordic-Walker«. So wie sich der Sportler auch einmal in höheren Gefilden bewegt, jedoch stets auf dem Boden bleibt, verhält sich auch der ihm wesensverwandte Anleger: Er legt zwar immer noch konservativ an und möchte hundertprozentige Sicherheit, kann aber über sein Geld erst bei Fälligkeit verfügen, etwa bei Festgeldanlagen.

Über Typenklassen wie »Wanderer«, »Bergsteiger« oder »Gipfelstürmer« gelangt man zum risikofreudigsten, hoch spekulativen Anlegertyp: Der »Drachenflieger« geht volles Risiko, um einen großen Gewinn machen zu können. Auf der Website heißt es über ihn: »Eigentlich möchte er sein Kapital in kürzester Zeit verdoppeln oder verdreifachen. Dazu ist er bereit, ein immens großes Risiko einzugehen und den möglichen Totalverlust seiner Anlage in Kauf zu nehmen.«

Anlegern dieser Kategorie empfehlen die Azubis, auch Aktien von kleinen, völlig unbekannten ausländischen Unternehmen oder Optionsscheine mit in ihr Depot zu nehmen. Informationen über die diversen Geldanlageformen können ebenfalls auf der Website eingeholt werden.

Peter Kührt und sein Team sind mächtig stolz auf das gelungene Projekt. »Ich finde die Plattform gut, weil sie eine Stütze für den Anleger darstellt und ihm einen Anhaltspunkt bietet«, sagt die Auszubildende Alexandra Heubach. Ihr Kollege pflichtet ihr bei. »Außerdem kann man hier sicher sein, wirklich unabhängige Informationen zu erhalten. Wir wollen nichts verkaufen, sondern nur informieren«, erklärt Moritz Stubka.

Auch die Experten loben das »zeitintensive Projekt«, in dem viel Know-how stecke. »Der Test ist eine gute Vorbereitung für die Anleger, bevor sie sich beraten lassen. Denn dann können sie zumindest schon einmal sagen, zu welchem Typ sie gehören«, sagt Stefan Hertel, Leiter des Private Banking der Sparkasse Fürth. Das ahnungslose Schulterzucken gebe es in Zukunft dann wohl seltener.

www.anlage-coach.de

Kerstin Fellenzer 

 


Antenne Bayern vom 04.05.2010

Nürnberger Berufsschüler ermitteln die besten Anlagetipps

Da vielen Bankkunden oftmals schon bei der Beratung der Kopf schwirrt, haben Nürnberger Bank-Azubis mit ihrem Onlineprojekt "Anlage Coach" dem Fachchinesisch vieler Banken den Kampf angesagt.

Auf ihrer Internetplattform haben die Berufsschüler die wichtigsten Fragen und Antworten von Anlagekunden pfiffig zusammengefasst. Projektteilnehmerin Christina Kubitza sieht die Plattform als Chance für die Kunde ganz flexibel zu sein und zu sehen auf welcher Stufe, sie sich eigentlich bewegen.

Das Projekt ist wie ein Quiz aufgebaut. Mit maximal zehn gestellten Fragen kann man am Ende ermitteln, welche Anlagestrategie optimal für einen selbst ist.

Sollten Sie Interesse an diesem Projekt haben, dann schauen sie doch auf der Webseite der Nürnberger Berufsschüler vorbei: www.anlage-coach.de

Quelle: Antenne Bayern - Nachrichten aus Bayern

 


Geldanlegen in Zeiten der Krise

Berufsschüler landen mit Online-Plattform „Anlage-Coach" Volltreffer

Schüler der Kaufmännischen Berufsschule 4 haben zusammen mit ihrem Lehrer Dr. Peter Kührt eine Website entwickelt, die bereits für einiges Aufsehen gesorgt hat. Binnen kurzem hat es der Internet-Ratgeber „Anlage-Coach" auf Seite 1 der Suchmaschine Google geschafft. „Offenbar gibt es ein überwältigendes Interesse der Menschen in Deutschland nach verständlichen Erklärungen und nach unabhängiger, fairer Information", ist Dr. Kührt überzeugt. Er musste miterleben, wie die Finanz-, Banken- und Vertrauenskrise auch die Auszubildenden im Bankgewerbe, die ihre theoretische Ausbildung an der städtischen Berufsschule bekommen, schwer belastete. Die Probleme wurden im Unterricht intensiv thematisiert, die Arbeit mündete schließlich in ein neues Projekt des engagierten Lehrers, der in der Vergangenheit immer wieder mit aufsehenerregenden Experimenten von sich und seiner Schule reden gemacht hat.

Im letzten halben Jahr haben bis zu 70 Auszubildende verschiedener Nürnberger Banken an der Ausarbeitung und Umsetzung des Projekts „Anlage-Coach" mitgewirkt. „Bankazubis erleben die Auswirkungen der Finanzkrise täglich am Schalter", betont Dr. Kührt. „Die Vertrauenskrise der Kunden ist elementar. Bei Probeinterviews für unser Projekt in der Breiten Gasse wurden die Schüler von Passanten so beschimpft, dass sie sich nach drei Interviewversuchen nicht mehr zu sagen trauten, dass sie bei einer Bank arbeiten", berichtet er aus der Praxis.

Die neue Online-Plattform hat es in sich: Der Selbsttest verrät in maximal zehn Schritten, welcher Anlegertyp man ist, auf Basis eines sehr konservativ angelegten und verbraucherfreundlichen Rechenmodells, betont Dr. Kührt. „Wir haben bessere, trennschärfere und verbraucherfreundlichere Risikoklassen als das Wertpapierhandelsgesetz und alle Banken zusammen", erklärt der Lehrer. Das Angebot bietet zusätzlich verständliche Produktbeschreibungen für alle Geldanlagen, die für Kleinanleger in Frage kommen, in Text, Bild und Ton. Auch bevor städtische Bedienstete die Club-Anleihe zeichnen, sollten sie den Selbstcheck beim „Anlage-Coach" machen", empfiehlt der Lehrer.

• tom

Betrifft: 2/10, Hrsg.: Der Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, Nürnberg 2010


 

Welcher Anleger-Typ sind Sie?

Lehrer Dr. Peter Kührt über „Spaziergänger" und „Gipfelstürmer"

betrifft: Das Fachchinesisch der Bankberater hat in der Vergangenheit so manchen Anleger in die Irre geführt. Wie führt der „Anlage-Coach" der Berufsschüler der B4 Anleger aus dem Labyrinth heraus?

Dr. Kührt: Wir haben einfache und verständliche Beschreibungen für über 50 Geldanlagen als Text und Video. Für komplizierte Anlageformen findet der User vertonte und animierte PowerPoint-Präsentationen. Und wir sagen klar und unmissverständlich, welches Risiko mit jeder Anlage verbunden ist.

betrifft: Worauf müssen Anleger achten?

Dr. Kührt: Wer sein Geld sicher zurück will, kann sich —je nach gewünschter Laufzeit— nur als „Spaziergänger" (Tagesgeld, Spareinlage, Kreditkartenkonto), „Nordic-Walker" (Festgeld) oder „Wanderer" (Sparbrief, Bundesschatzbrief, Bundesanleihe, Inhaberschuldverschreibung einer Bank) betätigen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.

Gegenüber Bankberatern sollten Anleger ihr Anlageverhalten immer als „konservativ" (Risikostufe 1 nach dem Wertpapierhandelsgesetz) angeben. Nur dann ist sichergestellt, dass die Berater eine Anlage empfehlen, bei der das einbezahlte Geld auch sicher wieder zurückfließt. Bei allen anderen Risikostufen ist die Höhe der Rückzahlung ungewiss.

betrifft: Spaziergänger, Nordic-Walker, Wanderer? Was hat es damit auf sich?

Dr. Kührt: Der Online-Check unterscheidet acht verschiedene Anlagecharaktere — vom vorsichtigen „Spaziergänger" bis hin zum risikobereiten „Drachenflieger"— die sich die Schülerinnen und Schüler ausgedacht haben.

betrifft: Wo würden Sie sich selbst ansiedeln?

Dr. Kührt: Ich bin, wie vermutlich die meisten Menschen, als Anleger eine gespaltene Persönlichkeit: Hinsichtlich des weit überwiegenden Teils meines Vermögens bin ich stockkonservativ, also „Spaziergänger" bis „Wanderer". Mit einem kleinen Teil meines Geldes bin ich allerdings auch zu größeren Wagnissen und zum denkbaren Totalverlust meiner Anlage bereit (zum Beispiel Aktien, Aktienfonds = „Gipfelstürmer"). Ein „Drachenflieger", der sogar Verluste über seine Anlage hinaus riskiert, würde ich aber selbst durch einen Lottogewinn nicht werden.

betrifft: Worauf basiert der „Anlage-Coach"?

Dr. Kührt: Wir haben darauf geachtet, dass unser Programm objektiv rechnet und kalkuliert und ohne Mutmaßungen und Spekulationen auskommt. Entscheidend ist, was man maximal verlieren kann. Wenn Sie uns also sagen, dass Sie Ihren Kapitaleinsatz oder gar ein Vielfaches davon riskieren wollen, dann können Sie durchaus „Gipfelstürmer" oder „Drachenflieger" werden und Aktien und Optionsscheine kaufen. Wollen Sie dies aber nicht, dann dürfen Sie auch nur die für Sie geeigneten Anlagen tätigen.      

• tom

Betrifft: 2/10, Hrsg.: Der Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, Nürnberg 2010


Abendzeitung Nürnberg, 07.07.2010
(erster Artikel in einer Boulevardzeitung - genau zwischen "Das Sex-Schwein...", "LKW zermalmt Autofahrerin..." und "Sex im Beichtstuhl?..."!!!)

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Süddeutsche Zeitung, 21.07.2010 (Wirtschaftsteil, S. 35)

Aufsehen bei Bankern

Berufsschüler betreiben erfolgreich Portal für Geldanleger

Nürnberg - Mit einem eigenen Internetportal für Geldanleger sorgen seit einigen Wochen 23 Nürnberger Bank-Berufsschüler in der deutschen Bankenwelt für Furore. Ihr Internet-basiertes Beratungssystem ist so einfach und transparent, dass es einige Banken demnächst in ihrer Kundenberatung einsetzen wollen. Nach maximal zehn Antworten weiß der Anleger bei www.anlage-coach.de, ob er bei der Geldanlage eher der Typ „Spaziergänger", der das Risiko scheut, „Wanderer" mit geringer Risikobereitschaft oder der ganz wagemutige „Drachenflieger" ist. Klare, auch für den Laien verständliche Risikokategorien für Geldanlagen - das war dem Projektinitiator, dem Nürnberger Berufsschullehrer Peter Kührt, von Anfang an wichtig. „Unsere Hoffnung ist, dass anlage-coach.de breit kommuniziert wird." Über den Erfolg von anlage-coach.de ist Kührt aber immer noch erstaunt: „Für ein Schülerprojekt ist das einfach der Hammer." Annika Willer sprach mit der Projektleiterin Carolin Wabra, 21, die eine Ausbildung .bei der Stadtsparkasse Nürnberg macht.

SZ: Woher kam die Idee für das Projekt?

Wabra: Wie es eben bei vielen Schulprojekten ist: zuerst vom Lehrer. Der meinte: Ihm reiche es mit der Finanzkrise, ob wir nicht Lust hätten, mal etwas Neues zu versuchen. Und wir haben es schließlich auch selbst ganz stark gemerkt: Wir alle haben 2008 mit der Aus-bildurig angefangen, mitten in der Finanzkrise. Da steht dann jemand am Schalter, hebt sein ganzes Geld ab, und sagt: „Jetzt lege ich's lieber unters Kopfkissen, als dass ihr mir wieder Mist damit baut." Das war ganz drastisch, so etwa: Ihr seid daran schuld, dass ich mein Geld verloren habe.

Und welche Schlüsse haben Sie daraus gezogen?

Wir haben das hautnah mitbekommen, wie Kunden zu viel Vertrauen in ihre Bankberater haben und am Ende bedröppelt dastehen. Wir wollen die Kunden richtig aufklären. Viele wissen zu wenig über die Produkte, vielleicht gerade noch, was Sparbuch, Girokonto und Tagesgeld sind.

Was können Sie da anderes liefern als ein Beratungsgespräch?

In Beratungsgesprächen bleibt oft nicht genug Zeit, nicht jeder sagt, wenn er etwas nicht versteht. Die Konditionen und Risiken sind oft anders, als die Kunden denken. Nicht jeder liest das Kleingedruckte. Und dabei ist es nun mal so: Der Bankberater hat auch eigene Ziele, und der Kunde bekommt nichts geschenkt,

Sie selbst werden ja auch Beratungsgespräche führen müssen...

Mir persönlich reicht es erst einmal mit verkaufen, gerade deshalb hat mir das Projekt so gut gefallen. Wir haben über 50 Produkte erklärt, saßen ewig an dem Test, welche Fragen man stellt, wie man die Anlagetypen einteilt.

Gut informierte Kunden werden es den' Bankberatern wohl nicht leichter machen, etwas zu verkaufen.

Ja, das ist eine zweischneidige Sache. Aber am Ende. stehen beide besser da: Wenn ein Anlagegeschäft schiefläuft, ist das auch für den Berater nicht gut. Man muss auch unsere Banken loben, die haben uns sehr bei dem Projekt unterstützt. Man merkt einfach, dass Banker als Berufsgruppe nicht mehr gut dastehen und Banken das Vertrauen ihrer Kunden zurückgewinnen müssen.

Und was für ein Anlagetyp sind Sie?

Ich bin der Spaziergänger! Ganz konservativ und spießig: Aber ich bekomme mein Geld zu 100 Prozent wieder, und das ist mir am meisten wert!


Süddeutsche Zeitung, 29.07.2010 (Beilage für Schule, Hochschule und Weiterbildung, S. 28)

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