Ganzheitlich denken - Projekte "vermarkten"

Auch heute stand wieder etwas über ein tolles Theaterprojektes eines Gymnasiums in der Zeitung - aber bei dem Versuch, mehr darüber zu erfahren, stellte sich wie so oft heraus: auf der Homepage dieser Schule gab es kein einziges Wort über diese Theateraufführung, nichts über die Veranstaltung, nichts über die Vorbereitung, nichts über das Projekt, nichts über weitere Auftritte, kein Satz und kein Bild, so als hätte es dieses Projekt nicht gegeben.

Es macht mich immer wieder fassungslos, dass der Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen, die mit großem Engagement tolle Projekte anstoßen und durchführen, nicht willens oder in der Lage sind, diese Erfolge auch in die Öffentlichkeit zu tragen.

Dabei geht es mir nicht primär um die Profilierung der Lehrer oder auch der Schule, sondern es es ist einfach schade, dass solche Anstrengungen einfach weitgehend wirkungslos verpuffen. Nicht nur der Schulleiter, sondern natürlich auch alle mitwirkenden Schüler würden sich über eine Netzpräsenz freuen, die sie ihren Freunden, Eltern und Ausbildungsbetrieben zeigen könnten. Sogar für manche Bewerbungen wäre so etwas hilfreich. Es ist ein Motivator und Ansporn für andere Klassen und Schulen, auch mal so etwas zu versuchen. Und dafür wäre es natürlich auch hilfreich, die Projekterfahrungen möglichst ungeschminkt aufzuschreiben und ins Netz zu stellen. Wie lief es in den Gruppen, was kann man verbessern, wir legt man am Besten Websites an, warum ist bei Videoaufnahmen der Ton am wichtigsten und wie kann man seine Qualität sicherstellen usw. usf. (1)

Es geht dabei nicht darum, mit internationalen Leuchtturm-Projekten oder vorbildlichen best practice-Projekten pädagogisches Renomee einzufahren - ganz im Gegenteil, solche vom schulischen Alltag abgehobenen Projekte von irgendwelchen EDV-Experten schrecken die normalen Kollegen und Kolleginnen nur ab.

Es geht nicht einmal darum, Erfolge zu verkaufen. Zwei meiner Projekte waren letztlich durchaus erfolgreich, obwohl sie gescheitert sind. Und dies gilt nicht nur für die Teilnehmer, sondern auch für alle, die das Scheitern miterlebt haben und für alle, die genau diese Erfahrungen in der Projektdokumentation im Internet nachlesen können. Und vielleicht lernen andere Schüler, Lehrer und Projektgruppen ja von diesen Erfahrungen... (2)

Der Vorteil einer endprodukt- und adressatenorientierten Projektausrichtung liegt vielmehr darin, dass sich die Projektteilnehmer dessen bewusst werden müssen, dass sie ihr Projekt für andere durchführen, für einen Auftraggeber, für andere Schüler, die davon lernen können, für eine Öffentlichkeit, der man ein Untersuchungsergebnis darstellen will...

Und der große Vorteil einer derartigen Projektperspektive wiederum ist, dass die Projektdokumentation auf diese Weise ab der ersten Stunde automatisch und nebenbei erfolgt, da man ja sowieso jedes Projektergebnis auch den anderen Arbeitsgruppen vorstellen muss. Ordnet man aber alle Arbeitsberichte, Arbeitsergebnisse, Abstimmungen, Korrekturen usw. gleich in die öffentlich zugängliche Website ein, dann enthält diese nicht nur den letzten Projektstand als Abschlusspräsentation, sondern zugleich die gesamte, von innen und außen nachvollziehbare Projektdokumentation dar.

Nichts ist schlimmer, als nach Projektende noch die Projektdokumentation schreiben oder Fotos suchen zu müssen, die nie gemacht wurden, weil man nicht rechtzeitig daran gedacht hat. Das angestrebte Projektergebnis muss ab der ersten Projektstunde angestrebt und bedacht werden, und dazu gehören nun einmal Berichte darüber, wie alles begann, wie das Projekt und die Abschlusspräsentation liefen usw., und vor allem Fotos hiervon. Fotos sagen mehr als tausend Worte - ein Gemeinplatz, aber er stimmt. Und natürlich gefällt es jedem Schüler, wenn er Projekte von sich und seinen Mitschülern im Netz findet. Es muss ab der erste Stunde klar sein, wer die Fotos macht, wer über die Veranstaltungen berichtet, wer etwas im Netz oder auf Facebook postet. So weiß jeder, was los ist, wie weit das Projekt ist und woran man arbeitet.

Natürlich kommt es manchmal vor, dass die Schüler nicht so wild darauf sind, etwas zu schreiben. Aber entweder kann man dann doch einzelne dazu animieren, oder man verbindet es mit etwas wie Betreuung des Facebookaccounts oder man verpflichtet die Schüler, reihum etwas zu schreiben. Geteiltes Leid ist dann auch halbes Leid. Spätestens dann, wenn die ersten Schüler etwas gepostet oder geschrieben haben, ziehen dann die anderen in der Regel nach.

Und dies gilt auch dann, wenn ein Kollege von EDV keine Ahnung hat. Dann muss er eben einzelne Schüler verpflichten, Fotos zu machen, einen Bericht für die Schulhomepage zu schreiben, einen Facebookaccount anzulegen und regelmäßig darauf zu posten usw. Dazu braucht man keinerlei DV-Kenntnisse, man muss die Schüler nur ab der ersten Stunde dazu einteilen und dies dann auch begleiten und überwachen. Und das bekommt jeder Kollege hin. Damit aber ist sichergestellt, dass es zumindest einen bebilderten Kurzbericht auf der Schulhomepage, eine kleine Projekthomepage, einen Bericht auf einem Schüleraccount o.Ä. gibt, was man Außenstehenden zeigen kann, was im Projekt gemacht wurde.

Beispiel: eine zweistündige Veranstaltung mit externen Gästen, die mit Fotos und etwas Text auf einer eigenen Homepage dargestellt wurde (wenn alles gut vorbereitet ist, dauert dies nicht mehr als vier Stunden - dann kann man das Ergebnis dem Schulleiter und der Öffentlichkeit voll Stolz präsentieren!!!)

Ich habe einmal in einer Konferenz den Satz formuliert: "Ein Projekt, das nicht im Netz dokumentiert ist, hat nicht stattgefunden." Die Aussage wurden von manchen Kollegen sehr kritisch und ablehnend aufgenommen. Auch wenn er natürlich überspitzt ist, stehe ich aber immer noch dazu. In der heutigen Internet- und Medienzeit kann man von jeder Projektgruppe und jedem Kollegen verlangen, dass im Zuge eines Projektes etwas öffentlich Vorzeigbares geschaffen und dokumentiert wird.

Insoweit möchte die Aussage ein Anstoß sein, bei zukünftigen Projekten die spätere Veröffentlichung der Ergebnisse ab der ersten Minute an in die Projektplanung und -steuerung fest zu integrieren. Auf eine Leitungsgruppe kann man bei kleineren Projekten verzichten, auf eine Layout- oder Doku-Gruppe nicht!!!

Peter Kührt, 24.04.2018

1) Entscheidend für den Projekterfolg ist die Arbeit mit einem gemeinsamen Verzeichnis, die einheitliche Dateibenennung, die frühzeitige Definition des endgültigen Layouts, die Wahl des richtigen Videobearbeitungsprogrammes, die Wahl eines Online-Fragebogen mit Online-Auswertung anstelle einer manuellen Auswertung, die frühzeitige Benennung einer Webgruppe, Facebookgruppe und Fotogruppe usw.
vgl. z.B.
https://finanzchecker.jimdo.com/ueber-uns/projektmanagement/
https://finanzchecker.jimdo.com/ueber-uns/filmaufnahmen/
https://projekt-weisser-ring.jimdo.com/lehrerinfo/

2) Gescheitert sind z.B.:
a) ein Projekt, bei dem es darum ging, für drei arbeitslose Jugendliche eine Lehrstelle zu finden - es scheiterte aber nicht wegen den Projektteilnehmern...
http://www.kubiss.de/bildung/projekte/schb_netz/b4_projekte/schueler/lehrstellen_2005/
b) ein Projekt, das einen Bildungskongress organisieren sollte - der Auftraggeber zog dann aber seinen Auftrag wieder zurück...
https://lernenohnelehrer.jimdo.com/

 

© copyright, Verfasser und Pressespiegel