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Terrence Malick ...

... ist eine singuläre Ausnahmeerscheinung innerhalb der amerikanischen Filmindustrie, ein Autor par excellence, der seine Drehbücher selbst verfasst, Auftragsarbeiten kompromisslos ablehnt und Filme nur realisiert, wenn ihm die unbedingte künstlerische Kontrolle über ein Projekt sicher ist. Seit 1973 hat er insgesamt vier Filme gedreht. Sein Debüt BADLANDS wurde von der Kritik mit Orson Welles’ CITIZEN KANE (1941) verglichen, 1979 erhielt Malick in Cannes für seinen zweiten Film IN DER GLUT DES SÜDENS den Preis für die beste Regie – und verschwand. Der öffentlichkeitsscheue Außenseiter galt als verschollen, und als der einzige Regisseur, der sich freiwillig vom Filmgeschäft zurückgezogen hatte. An finanzstarken Bewunderern und Förderern hatte es nie gemangelt, und als in den 90er Jahren bekannt wurde, dass Malick an einem neuen Film arbeitete, boten sich zahlreiche Hollywoodstars an, zu einem Bruchteil der sonst üblichen Gage in dem Film mitzuwirken.

DER SCHMALE GRAT geriet zum grandiosen Comeback nach 20 Jahren Abwesenheit und gewann 1999 in Berlin den Goldenen Bären. Malick, der gemäß Vertrag während der Dreharbeiten des Films nicht fotografiert werden durfte, zeigte sich auf dem Festival zwar in der Öffentlichkeit, sein distanziertes Verhältnis zu den Medien aber behielt er bei. Das letzte Interview, eines von insgesamt dreien, das er während seiner Karriere gegeben hat, stammt aus dem Jahr 1974. Verlässliche biografische Informationen sind spärlich. Als weitgehend gesichert darf gelten:Terrence Malick wurde 1943 in Waco, Texas geboren und verbrachte seine Jugend als Wanderarbeiter auf Ölfeldern und bei Weizenernten. Er studierte Philosophie in Harvard und Oxford, schrieb politische Essays für Newsweek, Life und den New Yorker und verbrachte mehrere Monate für Recherchen über Che Guevaras revolutionären Kampf in Lateinamerika. Er übersetzte Heideggers Vom Wesen des Grundes ins Englische und erhielt 1968, 25-jährig, einen Lehrstuhl für Philosophie in Massachusetts. 1969 gab er die Stellung auf, um sich am American Film Institute (AFI) einzuschreiben, Drehbücher zu verfassen oder als script doctor die Scripts anderer zu „reparieren“.

Am AFI entstand sein erster, unveröffentlicht gebliebener Film LANTON MILLS, ein 15-minütiger Western um zwei Cowboys, die nach Los Angeles reisen und eine Bank überfallen. 1972 lieh er sich von seinem Bruder 300.000 Dollar und drehte BADLANDS.BADLANDS, ein Monolith der Filmgeschichte, begründete Malicks Stil, der bezaubert und verstört zugleich. Malicks Filme – mehr poetische Collagen von akustischen und visuellen Stimmungen als stringent erzählte Geschichten – berichten durch die Instanz eines Off-Erzählers von der Begegnung des Menschen mit Tod und Zerstörung, kontrastiert mit Naturaufnahmen von überwältigender Schönheit im Breitwandformat. Immer bewegen sich die Protagonisten hin zu einer neuen Welt, die ein besseres Leben bedeuten könnte, begeben sich auf eine Reise in die Natur, ein potentielles Paradies, das die Menschen nicht erkennen oder nicht zu nutzen wissen. Was an Malicks Filmen am meisten fasziniert, ist das, was ein amerikanischer Kritiker einmal ihre „Pausen“ genannt hat, in denen die Handlung stillzustehen scheint, und die Kamera sich Zeit nimmt, in die Natur abzuschweifen. Wasser, Wolken, Tiere und sich im Wind wiegende Gräser sind wichtiger als die meist doch nur dem Augenblick verhaftete Psychologie der Personen. Auch wenn die Reisen der Figuren scheitern und am Ende mindestens ein Protagonist den Tod findet, verströmen Malicks Filme keinen Pessimismus. Sie strahlen vielmehr eine „kosmische Gleichgültigkeit“ (Peter Körte) aus. Die letzte Einstellung ist ein in die Ferne gerichteter Blick: endloser Himmel, Bahnschienen, die am Horizont verschwinden, die Weite des Meeres, vom Wind bewegte Baumkronen. „Der Atem, der durch Malicks Filme weht, ist der Atem der Schöpfung.“ (Franz Everschor). Ein nie vollendetes Projekt mit dem Arbeitstitel „Q“, für das ihm Paramount eine Million Dollar Vorschuss gegeben hatte, hatte nichts Geringeres als die Erschaffung der Welt zum Thema.