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Retrospektive JACQUES DOILLON

Freitag 2.6. bis Sonntag 2.7. 

Der 1944 geborene Filmemacher Jacques Doillon gehört zu den Vertretern des französischen Autorenkinos der Generation nach der -Nouvelle Vague. Sein Werk umfasst, neben zahlreichen Kurzfilmen und Arbeiten fürs Fernsehen, bis heute 27 abendfüllende Spielfilme, denen fast immer eigene Drehbücher zugrunde liegen.

Doillon erzählt, bevorzugt in langen Einstellungen und Plansequenzen, persönliche Geschichten von Liebe und Einsamkeit, dem Erwachsenwerden und der Schwierigkeit, sich mitzuteilen. Sein spezielles Interesse gilt der Darstellung der Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen. Besondere Bedeutung erhält dabei die Qualität der Dialoge und der Schauspielführung. Die häufig als improvisiert empfundenen, tatsächlich aber von Doillon geschriebenen Dialoge sind für den Autor weniger ein Mittel, die Handlung voranzutreiben; vielmehr geht es ihm darum, „den Reichtum der Sprache, des Lebens wiederzufinden. Das Unterschwellige, nicht die Oberfläche der Sprache reizt mich.“

Ein weiteres herausragendes Merkmal von Doillons Kino ist das durch außergewöhnliche Lebendigkeit und Spielfreude gekennzeichnete Spiel der Darsteller. Doillon versteht das Spiel als menschliche Begegnung der beteiligten Darsteller mit dem Regisseur. Offenheit ist dafür eine essentielle Voraussetzung, mehr als ein „professionelles“ Berufsverständnis. Daher arbeitet Doillon vorwiegend mit jungen Schauspielern und Laien, die weniger auf eine bestimmte Technik oder ein Image festgelegt sind, als Profis mit langjähriger Schauspielerfahrung.

So ist ein Film für Jacques Doillon das Resultat eines lebendigen Prozesses beim Dreh – weswegen er sich auch als einer der wenigen Regisseure noch den Luxus erlaubt, seine Filme entsprechend der Chronologie der Geschichte zu filmen. 

Anlässlich der Veröffentlichung der ersten deutschsprachigen Arbeit über Jacques Doillon (Anja Streiter: Jacques Doillon. Autorenkino und Filmschauspiel, Verlag Vorwerk 8, 24 Euro) zeigt das Filmhaus in Kooperation mit dem Bureau du Cinéma, Berlin zwölf Filme von Jacques Doillon aus den Jahren 1974 bis 2003, darunter als Nürnberger Erstaufführung Doillons neuesten Film RAJA.
Ein vom Bureau du Cinéma erstelltes Heft mit Texten über und einem Interview mit Jacques Doillon liegt aus. Ein herzliches Dankeschön nach Berlin an Laurence Lochu-Louineau und Anne Vassevière.