IM RAHMEN DER AUSSTELLUNG "LINEATOUREN"Do. 4.11. bis Di. 23.11.
Das Filmhaus präsentiert am 6. und 7. 11. jeweils um 19 Uhr 15 in Nürnberger Erstaufführung den neuen mittellangen Dokumentarfilm von Agnès Varda YDESSA, LES OURS et ETC ... (F 2004, 44 Min.,) im Rahmen des von Varda zusammengestellten Programms CINEVARDAPHOTO. Neben YDESSA, LES OURS et ETC ... werden die preisgekrönten Kurzfilme ULYSSE (1983) und SALUT LES CUBAINS (1963) zu sehen sein. Allen drei Filmen gemein ist die zentrale Rolle der Fotografie.
CINEVARDAPHOTO ist seit Juli in den Pariser Kinos zu sehen. In Deutschland wird das Programm in der Form erstmals gezeigt. YDESSA, LES OURS et ETC ... erlebt seine Deutschlandpremiere am 4.11. im Münchner Filmmuseum.
CINEVARDAPHOTO
(quand des photos ont déclenché des films/when photos trigger films)
1) YDESSA, LES OURS et ETC ...Frankreich 2004, 44 Min., OmeU, Regie: Agnès Varda
Agnès Vardas neuester Film ist das Portrait der Ausstellung PARTNERS (The Teddy Bear Project), die die kanadische Kuratorin, Sammlerin und Künstlerin Ydessa Hendeles im Januar/Februar 2004 im Münchner Haus der Kunst präsentierte. Neben Maurizio Catellans Skulptur des knienden Hitler exponierte Hendeles u.a. 1500 Fotos, die alle eine Gemeinsamkeit besitzen: auf jedem ist ein Teddy Bär zu sehen zusammen mit Kindern, der ganzen Familie, nackten Frauen, Sportmannschaften oder Soldaten. Inspiriert zu der in der ganzen Welt zusammengetragenen Sammlung wurde Hendeles von einer Fotografie ihres Cousins Szlamus Zweigel, der als Kind in Auschwitz ermordet wurde. Das Bild ist eines der wenigen erhaltenen Familienfotos aus der Zeit vor 1945. Für die 1948 in Marburg geborene Ydessa ist die Ausstellung jedoch keine "Holocaust-Show", vielmehr sieht sie die Fotografien als "Gedächtnis der Welt". Neben Hendeles hat Agnès Varda zahlreiche Besucher der Ausstellung befragt.
2) ULYSSEFrankreich 1982, 22 Min., OmeU, Regie: Agnès Varda, mit: Ulysse Llorca, Fouli Elia u.a.
"Ulysse" hat Agnès Varda eines ihrer bekanntesten Photos aus dem Jahr 1954 betitelt.
28 Jahre später macht sie sich auf die Suche nach den beiden Protagonisten des Bildes und reflektiert über die Erinnerung, das Wesen der Fotografie und das Vergehen der Zeit.
"Ich habe eine Fotografie gefilmt, die ich 1954 aufgenommen hatte, Sonntag, den 9. Mai, auf der man das Meer sah, einen steinigen Strand, ein nacktes Kind sitzt auf dem Boden, neben einer toten Ziege, ein Mann steht da und betrachtet das Meer."
Ausgehend von diesem Bild habe ich die Modelle gesucht und sogar versucht, den "Augenblick" dieser Aufnahme wiederzufinden. Dabei interessierte mich nicht nur, mein Gedächtnis und die Zeit zu erforschen, sondern das Bild zu befragen, die Darstellung der Erinnerung, die Beziehung der Erinnerung zur Darstellung abzufragen. Und das ist doch das eigentliche Material des Kinos: zugleich die Zeit, die Bewegung und vor allem das Bild zu befragen.
Als ich dieses Bild durchstöberte, die "Modelle" (die damals 28 Jahre jünger waren), den Tag, die Darstellung dieses Tages, an dem ich das Foto machte was spielte sich zum Beispiel an diesem Tag ab, was waren die Nachrichten dieses Tages im Fernsehen als ich die Bewegung hineinbrachte, die vom Bild bereits fixiert war, ergab es sich, dass das Kino selbst sich in Frage gestellt fand. Hinter der absterbenden Erinnerung kam ein Bild zurück, das Foto, das in allen Analysen und Untersuchungen blieb.“ Agnès Varda 1986
3) SALUT LES CUBAINS
Frankreich 1963, 30 Min., OmeU, Regie: Agnès Varda, Sprecher: Michel Piccoli
Agnès Vardas Hommage auf Kuba ist ein Film ohne bewegte Bilder, eine beschwingte Fotomontage aus 1500 Fotos, die Varda anlässlich des 10. Jahrestages der Revolution aufgenommen hatte.
„Das ICAIC, das kubanische Filminstitut, hatte mich eingeladen. Ich fand die Kubaner ganz außerordentlich und ihre Form des Sozialismus überraschend und fröhlich.
4000 Fotos brachte ich zurück. Sechs Monate benötigte ich, um 1500 davon zu montieren, aber ich wurde dafür entschädigt: In Kuba behauptet man, dies sei ein kubanischer Film, er hätte "savor". Und wenn man den "savor" trifft, ist man für sie Kubaner.
Ein didaktischer Dokumentarfilm, gemacht wie ein Divertimento. Eine gewaltige Conga, ein gewaltiger Cha-Cha-Cha, zu seinem Rhythmus tanzen und leben Fidel Castro, Wilfredo Lam, Benny Moore und Zuckerrohrschneider und Milizionärinnen und Kinder und sogar Katzen.“ Agnès Varda 1965
Sa. 6.11. & So.7.11.
WAR PHOTOGRAPHER
CH 2001, 96 Min., dtsch. & engl. OmU, Regie & Schnitt: Christian Frei, Kamera: Peter Indergand, Microcam & Fotografien: James Nachtwey
Für den OSCAR nominierter Dokumentarfilm über den wohl berühmtesten Kriegsfotografen unserer Zeit
Do. 4.11. bis Di. 9.11.
FILME VON RAINER HOLZEMERDer international mehrfach preisgekrönte Autor, Regisseur, Kameramann und Cutter von hochkarätigen Dokumentarfilmen ist ein genialer Autodidakt. Bevor er seinen Wohnsitz nach München verlegte, arbeitete nach seinem Studium der Theaterwissenschaften und der Soziologie lange Jahre in Nürnberg. Dort gründete er 1983 eine eigenständige Produktionsfirma und erhielt 1999 das Kulturstipendium der Stadt. Seit 1997 baut er das Zeitzeugenarchiv für das Dokumentationszentrum der Reichsparteitage auf. Er ist seit 2002 berufenes Mitglied der deutschen Gesellschaft für Fotografie. Am Sa. 13.11. und So 14.11. stellt er im Filmhaus, begleitend zur Ausstellung Linea Touren einige seiner herausragenden Fotografenportraits vor.Am Samstag 13.11. wird Rainer Holzemer zu Gast im Filmhaus sein.
RAYMOND DEPARDON FOTOGRAF UND FILMEMACHER
Raymond Depardon war immer beides: Fotograf und Filmemacher. Für das Filmemachen vernachlässigte er nicht seine Arbeit als Fotograf, und wegen des Fotografierens gab er das Filmemachen nicht auf. Raymond Depardon: filmender Fotograf und fotografierender Filmemacher.
Raymond Depardon (geb. 1942) begann Ende der 50er Jahre zunächst als Fotoreporter und arbeitete schon bald für die Pariser Agentur Dalmas, durch die er Anfang der 60er Jahre zum ersten Mal nach Afrika kam. 1963 drehte er seinen ersten kurzen Dokumentarfilm in Venezuela. 1966 gründete er zusammen mit Gilles Caron die Fotoagentur Gamma. Er reiste viel, auch in Kriegsgebiete, teilweise als Sonderkorrespondent für das Fernsehen, und bei vielen seiner Reisen machte er deshalb neben Fotoreportagen auch Filmaufnahmen. Seit 1978 ist er als Fotograf für die berühmte Agentur Magnum tätig. 1981 gründete er seine Produktionsfirma "Palmeraie et Désert". Er drehte einige vielbeachtete Spielfilme und zahlreiche Dokumentarfilme, die vielfach ausgezeichnet wurden. Seine fotografischen Arbeiten erscheinen regelmäßig in Buchform und sind in internationalen Ausstellungen zu sehen.
Depardon ist in seinen Dokumentarfilmen ein stiller Beobachter. Scheinbar unbeteiligt registriert er, ohne ordnende Absicht, ohne einzugreifen, und ist dennoch gegenwärtig. Kein Erkenntnisinteresse lenkt den Blick auf etwas Besonderes, keine These soll bewiesen werden. Er hält sich an das Offensichtliche, schaut der Wirklichkeit dabei zu, wie sie sich selbst inszeniert. Die Gegenwart der Kamera macht dabei zwischen den Fakten die Fiktion sichtbar. Häufig stehen Institutionen im Zentrum von Depardons Filmen, sein Interesse gilt dabei den Wirkungsweisen von Macht und Kontrolle, wie z.B. im Film URGENCES (1987).Anders als seine Fotografien sind Depardons Filme selten im Zusammenhang zu sehen: Umso mehr freuen wir uns, mit Unterstützung des Bureau du Cinéma der französischen Botschaft im November im Rahmen des Schwerpunkts FOTOGRAFIE UND FILM vier seiner Filme zeigen zu können.
Do. 18.11. bis Di. 23.11.In Zusammenarbeit mit dem Bureau du Cinéma der französischen Botschaft und dem Bureau du Documentaire des französischen Außenministeriums.



