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tanz!rolle – Film als Tanz der Bilder

Der April steht ganz im Zeichen des Tanzes: Nicht nur im Louis MalleFilmhaus sondern im gesamten Künstler-haus entsteht im Rahmen des Großraumfestivals tanzen!08 das tanz!zentral. Vom 2. bis 18. April wird das tanz!zentral zu einem Ort für Tanzbegeisterte jeden Alters und solche, die es noch werden wollen.

Im Filmhaus werden in den drei Wochen die unterschiedlichen Facetten des symbiotischen Verhältnisses von Tanz und Film beleuchtet. Aus dem Zusammenspiel von Tanz und Film entstand nicht nur die kongeniale Vereinigung zweier künstlerischer Disziplinen in den unterschiedlichen Spielarten des Tanzfilms, sondern der Tanz beeinflusste auch maßgeblich die Inszenierung von Bewegung im Film.

Um diese große Spannweite des Themas aufzuzeigen reicht das Filmprogramm von großartigen Tanzfilmen wie Busby Berkeleys DIE GOLDGRÄBER VON 1933 (1933) und DIE 42. STRASSE (1933), in denen Berkeley die Loslösung der Revue vom Theaterraum hinein in den filmischen Raum vollzog, bis zu Jacques Demys DIE MÄDCHEN VON ROCHEFORT (1967) (Siehe Foto), bei dem sich der Tanz vom Körper der Akteure löst und durch Kamera und Montage eigenständig den Film bestimmt. In Filmen wie DER REIGEN (1950) oder TATIS PLAYTIME (1967) schließlich hat die Choreographie des Tanzes in die filmische Inszenierung Einzug gehalten. Noch deutlicher wird dies bei den Künstlern der filmischen Abstraktion, des Dada oder des Konstruktivismus, wie Ruttmann, Richter oder Léger, denen es nicht um die direkte fotografische Darstellung realen Tanzes ging, sondern um den Tanz des filmischen Bildes selbst.

War Tanz in den Anfängen des Kinos meist nur abgefilmte Vorführung, experimentierte der Avantgardefilm der 1920er Jahre bereits mit Mustern und Montage. Durch den Tonfilm erst möglich gemacht, entwickelte sich dann das Musical als Ort der Utopie, an dem Tanz und Bewegung Räume und Grenzen überschreiten und eroberte die Leinwände der Welt.
Ob man sich dabei mehr von Gene Kellys kraftvollem Tanzstil begeistern ließ, oder von Fred Astaires Eleganz, immer war der Tanz mehr Ausbruch als Ausdruck des Gefühls. Die Charaktere nahmen sich die Freiheit, in den unpassendsten Momenten loszutanzen und zu singen. Die Fähigkeit, den tristen Alltag durch Tanz und Musik zu verändern, zeichnet den Tanzfilm aus. Sein Bewegungsdrang überwindet alle Grenzen von Raum und Zeit, und darin wurzelt letztlich das umfassende Glücksversprechen, das den Zuschauer bis heute in den Bann zieht. Die tanz!rolle ist eine Einladung, dieser Sehnsucht und Verheißung bei einem Wiedersehen und vielleicht auch Neuentdecken außergewöhnlicher Filme nachzuspüren.
Während der Festivalzeit wird in der ersten Etage des Kopfbaus eine Videolounge eingerichtet. Mehr als 300 Dokumentarfilme und Aufzeichnungen von Choreographien aus der Sammlung des Internationalen Musik + Medienzentrums Wien können vor Ort als Video oder DVD gesichtet werden. Ein Internetterminal verweist auf die derzeit wichtigsten internationalen Tanzportale.
tanz!rolle ist eine Veranstaltung im Rahmen von tanzen!08 – die Region bewegt sich in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Kultur im Großraum Nürnberg, Fürth, Erlangen, Schwabach. Herzlichen Dank an Rainer Hertwig für die Zusammenarbeit.