Retrospektive Agnès Varda
Regisseurin zu Gast in Nürnberg am 30. und 31.1.2004
Das Filmhaus Nürnberg zeigt vom 29. Januar bis 25. Februar eine Werkschau mit Filmen der französischen Regisseurin Agnès Varda. Die 1928 in Brüssel als Kind griechischer Einwanderer geborene Varda gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten europäischen Filmemacherinnen. Zu Beginn der Retrospektive wird die Regisseurin in Nürnberg anwesend sein und am Freitag, 30.1. und Samstag, 31.1. bei insgesamt vier Vorstellungen ihre Arbeit vorstellen.Agnès Varda hat bis heute 36 Filme gedreht. Was die unterschiedlichen Spielfilme "konventioneller" und experimenteller Erzählweise mit ihren Dokumentarfilmen und Filmessays eint, ist der liebevolle Blick auf das Leben und die Menschen. Ironie, Bitterkeit und Hohn sind ihr fremd. Varda urteilt nicht über die gezeigten Menschen eine Eigenschaft, die ihr nicht zuletzt bei ihrem Versuch über das Glück (Le bonheur, 1964) viel Kritik eingetragen hat.
Nach dem Studium der Philosophie und Kunstgeschichte in Paris arbeitete sie zunächst als Photographin für das Théâtre National Populaire, ehe sie 1954 ihren ersten Film realisierte. La Pointe Courte ist einerseits deutlich vom italienischen Neorealismus beeinflusst und nimmt andererseits die Produktionsmethoden der französischen Nouvelle Vague vorweg. Zu Beginn der 60er Jahre zählt Agnès Varda gemeinsam mit ihrem Mann Jacques Demy zu den wichtigen Vertretern der Erneuerungsbewegung des französischen Kinos. In einem Film im Film versammelt sie 1961 in Mittwoch zwischen 5 und 7 einen Großteil der Protagonisten der Nouvelle Vague vor der Kamera: Jean-Luc Godard, Anna Karina, Jean-Claude Brialy, Sami Frey, Georges de Beauregard, Michel Legrand und Eddie Constantine. Nach einem mehrjährigen USA-Aufenthalt kehrt Varda Anfang der 70er Jahre nach Frankreich zurück. Zum zentralen Thema ihrer Arbeit wird zu der Zeit die Emanzipation der Frau. Herausragendes Beispiel hierfür ist Die eine singt, die andere nicht (1976): ein trotz des starken Zeitkolorits wenig gealterter Film über die Selbstfindung und Selbstverwirklichung zweier Frauen. Ihren größten Erfolg feiert Agnès Varda Mitte der 80er Jahre mit Vogelfrei (1985). Sandrine Bonnaire verkörpert mit großer Überzeugungskraft die jugendliche Außenseiterin Mona, die obdachlos im winterlichen Südfrankreich unterwegs ist. In den 90er Jahren widmet Varda drei Filme dem Andenken an ihren 1990 verstorbenen Mann. Der Spielfilm Jacquot (1991) erzählt die Kindheit und die cineastischen Anfänge des jugendlichen Jacques Demy in Nantes. Für die außerdem im Filmhaus zu sehende Dokumentation Die Welt ist ein Chanson das Universum des Jacques Demy (1993) hat die Regisseurin eine Vielzahl an Weggefährten, die mit Demy zusammenarbeiteten interviewt: Catherine Deneuve, Harrison Ford, Jeanne Moreau, Michel Piccoli, Anouk Aimee u.v.a. Als Abschluss läuft der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm Die Sammler und die Sammlerin aus dem Jahr 2000.
Die Werkschau umfasst im ganzen 17 Filme aus den Jahren 1954 bis 2003, neun lange Spiel- und Dokumentarfilme sowie acht Kurzfilme, darunter mehrere in Nürnberger Erstaufführung.



