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Sie sind hier: Filmhaus > Archiv > Werkschau Aki Kaurismäki 2004
Foto: Aki Kurismäki"Ich habe einen Schönheitsbegriff, der sich von dem anderer Leute grundlegend unterscheidet. Für mich sind die hässlichen Seiten der Städte schön. Wenn man meine Filme sieht, fragt man sich vielleicht: Warum dreht der immer in den schlimmsten Teilen der Stadt? Aber für mich sind diese Plätze nicht furchtbar, sondern schön. Auch die Menschen, die gemeinhin als hässlich gelten, sehen für mich schön aus. Und umgekehrt". Aki Kaurismäki

Aki Kaurismäki zählt seit den 80er Jahren zu den wichtigsten Regisseuren des europäischen Autorenfilms. Das Filmhaus widmet ihm in seinem Septemberprogramm eine umfassende Werkschau. Neben seinen 14 Spielfilmen wird in Nürnberg erstmals der Film zu sehen sein, mit dem alles begann: Mika Kaurismäkis Abschlussfilm DER LÜGNER (1981), für den Aki das Drehbuch schrieb und bei dem er die Hauptrolle übernahm. Ebenfalls in Nürnberger Erstaufführung zeigt das Filmhaus eine Auswahl von Aki Kaurismäkis Kurzfilmen.

In Aki Kaurismäkis Filmen wird wenig geredet. Es wird weder gelacht noch geweint. Und auch nicht gerannt. Es gibt wenig Sonne, keine Massenszenen, keine Sexszenen und keine inszenierte Gewalt – was nicht gleichbedeutend mit einem gewaltfreien Film ist.

Foto: Aki KurismäkiKaurismäki, der sich wahlweise als Kommunist oder Anarcho-Syndikalist bezeichnet, erzählt in seinen Filmen von Machtverhältnissen, Arbeit und Ausbeutung, Kapital und Armut. Er tut dies ohne Didaktik, stereotype Schwarzweiß-Malerei und vor allem ohne die häufig mit der Ernsthaftigkeit des Themas einhergehende Humorlosigkeit.
Seine Protagonisten sind Arbeiter oder Arbeitslose, die noch nie viel zu sagen hatten bzw. im Verlauf ihres Lebens immer wortkarger wurden. Ihre Geschichten, die von Einsamkeit und Lieblosigkeit in einer unmenschlichen Gesellschaft handeln, sind (mit einer Ausnahme) immer in der Gegenwart situiert, und doch wirken die Filme, als wären sie aus einer anderen Zeit. Kaurismäki mag die moderne Welt nicht, die "Finnland nur hässliche Betonklötze, 20% Arbeitslosigkeit und entvölkerte Dörfer gebracht hat". Deshalb sind in seinen Filmen weder Mobiltelefone noch Computer zu sehen. Die meisten gezeigten Gebrauchsgegenstände sind vor den 70er Jahren produziert und verweisen auf Kaurismäkis Sehnsucht nach einer Zeit, die ihm menschlicher erscheint. In einer Epoche, in der es "zu viele Bilder, Töne, Wörter und Bewegungen" gibt, aber keine Zeit mehr für Menschlichkeit, sind Kaurismäkis Filme eine Gegenposition zur Beschleunigung der Welt. Wenig Kamerabewegungen, ein langsamer Erzählrhythmus, der Verzicht auf harte Schnitte und Farbe (in jedem dritten Film) entsprechen nicht den heutigen Sehgewohnheiten. Ebenso wenig wie der Finnische Tango, Kaurismäkis bevorzugte Film-Musik, nicht den Hörgewohnheiten der meisten seiner Zuschauer entsprechen dürfte. Sein Publikum findet Aki Kaurismäki vor allem außerhalb Finnlands. Im eigenen Land ist der Zuspruch bei Publikum und Kritik eher verhalten geblieben. Am wenigsten erfreut über das transportierte Finnland-Bild ist das finnische Tourismusbüro, das behauptet, Kaurismäki habe ihre Bemühungen um zehn Jahre zurückgeworfen.