St. Katharina - eine der schönsten Open air Spielstätten
Die Kirchenruine von St. Katharina ist eine der letzten noch sichtbaren Narben, die der zweite Weltkrieg im Gesicht der Stadt Nürnberg hinterlassen hat. Bei der Beschäftigung mit ihrer Geschichte wird beispielhaft ein Stück Stadtgeschichte lebendig: von der Zeit als Kirche des Dominikanerinnenklosters im Mittelalter über die Reformation und die Nutzung als Versammlungsort der Meistersinger zum Ort politischer Versammlungen im „Vormärz“ des 19. Jahrhunderts, vom Ausstellungsort der Reichskleinodien im „tausendjährigen Reich“ zur Zerstörung durch die Fliegerbomben der alliierten Luftstreitkräfte.Die heute in anderem Zusammenhang wieder auflebenden Diskussionen um den originalgetreuen Wiederaufbau historischer Gebäude haben hier kein Ergebnis gebracht. Pläne, einen Konzertsaal für das nebenan neu gebaute Meistersinger-Konservatorium wurden nicht weiterverfolgt. Das Konservatorium ist inzwischen Musikhochschule und weggezogen, aber in der Ruine finden kontinuierlich seit den späten 60er Jahren Konzerte, Theater und Kunstaktionen statt. Hausherr und Programmkoordinator ist die Abteilung Tafelhalle und Festivals des Amtes für Kultur und Freizeit.
Die neusten baulichen Veränderungen wurden im Jahr 2005 durchgeführt. Sechzig Jahre nach ihrer Bombardierung hat die Kirche somit wieder ein Dach bekommen - wenn auch nur über dem Altarraum. So kann den Zuschauern garantiert werden, dass alle Veranstaltungen in der historisch-romantischen Atmosphäre stattfinden können. Ein Ausweichen auf die Tafelhalle an Regentagen wird zukünftig nicht mehr notwendig sein - im Schlimmsten Fall müssen sich die Besucher wetterfest ausrüsten.
Kultur in der Katharinenruine
Als zentraler Spielort inmitten der Nürnberger Altstadt ist die Ruine der Katharinenkirche heute eine der Hauptspielstätten des kulturellen Sommerprogramms. Von Juni bis August finden unter dem Titel „st. katharina open air“ jährlich etwa vierzig Freiluftveranstaltungen innerhalb eines breiten kulturellen Rahmens statt. Die Programmpunkte formieren sich quer durch diverse Genres. Die musikalische Vielfalt erstreckt sich dabei von klassischer Musik, Chansons, Rock und Pop bis hin zu Weltmusik aus der „Südwind“ - Reihe mit dem Interkulturbüro und Jazz im Rahmen der „Art Of Jazz“ -Konzerte, die in Kooperation mit dem Jazzstudio veranstaltet werden.Bei der Programmauswahl wird Wert gelegt auf eine Ausgewogenheit zwischen Vertrautem und Neuem. So finden neben Don Byron, dem Windsbacher Knabenchor und Lambchop in der Katharinenruine auch Außergewöhnliches und weitgereiste Gäste wie die australische Nu Folk Band Naked Raven oder das Renegades Steel Orchstra aus Trinidad einen Platz. Seit Jahren hat auch die Fränkische Volksmusik, in der Katharineruine zu einem Markenzeichen unverfälschter Volksmusik geworden, ihr Refugium.
Neben einer musikalischen Genrevielfalt wird im Rahmen des st. katharina open air auch den Sparten Theater, Musiktheater, Kabarett, Entertainment und Erzählkunst ausreichend Raum geboten. Neben verschiedensten Gastspielen, sind zudem seit Jahren auch Eigenproduktionen, die in Zusammenarbeit mit den freien Nürnberger Theatergruppen inszeniert werden, fester Bestandteil des Open-Air-Programms.
So wurden im Jahr 1988 das „Liebeskonzil“ von Oskar Panizza und im Mozartjahr 2006 die „Zauberflöte-eine Prüfung“ mit Tristans Kompagnons und dem ensembleKONTRASTE auf die Bühne gebracht.
Auch die Freunde des Volkstheaters kommen in der Ruine der Katharinenkirche auf ihre Kosten, wenn die Hans-Sachs-Spielgruppe gemeinsam mit der Nürnberger Schembartgesellschaft alljährlich das Freilufttheater mit den Lebensweisheiten des Nürnberger Schusterpoeten, der ja tatsächlich hier ein- und ausging bespielt.
Historie der St. Katharina - eine bewegte Geschichte
Südlich der Vorderen Insel Schütt, wo einstmals von Dominikanerinnen eine kleine Kirche und ein Siechenhaus unterhalten wurden, stifteten Konrad von Neumarkt und seine, aus der Nürnberger Patrizierfamilie Pfinzig stammende Ehefrau Adelheid, 1295 das Kloster St. Katharina. Die dreischiffige Emporenbasilika, in der abendländischen Kirchenbaukunst als Rarität geltend, wurde im Jahre 1297, nach Ihrer Fertigstellung, geweiht. Der Kloster-Kreuzgang und das Refektorium wurden erst Anfang des 16. Jahrhunderts angebaut.Die Festigung der Reformation in Nürnberg, zwischen 1517 und 1525, bedeutete einen schweren Einschnitt in die Geschichte des Katharinen-Klosters. Das dominikanische Frauenkloster blieb zwar weiterhin bestehen, konnte allerdings keine Novizinnen mehr aufnehmen. So musste das Kloster nach dem Tod der letzten Priorin (1596) aufgelöst werden.
Für das gotische Bauwerk begann damit die Zeit einer jahrelangen Verwaisung. Erst 20 Jahre später, im Jahr 1614, wurde die Kirche restauriert, um für evangelische Predigergottesdienste genutzt zu werden.
St. Katharina wird zum öffentlichen Schauplatz
Nachdem das Bauwerk als Gotteshaus ausgedient hatte, sammelten sich von 1620 an bis Ende des 18. Jahrhunderts regelmäßig die Nürnberger Meistersinger zur Austragung ihrer Sänger-Wettstreite in der Katharinenkirche.Danach blieb das Gebäude jahrelang ungenutzt, bis es 1848/49 wieder für die Öffentlichkeit entdeckt wurde -diesmal als Schauplatz politischer Veranstaltungen. Auch in Nürnberg fand die Revolution in der Kirche statt.
Am 9. Mai 1848 verpflichtete sich hier in der Katharinenkirche die Nürnberger Land- und Stadtwehr der Frankfurter Reichsverfassung.
Ab 1887 fanden, in Erinnerung an die Nürnberger Meistersinger, regelmäßig wieder Musikveranstaltungen statt. Eine technische Umrüstung für einen Kammermusiksaal wurde allerdings erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderst vorgenommen. Der Speisesaal der Nonnen wurde in diesem Zuge in ein Sängermuseum umfunktioniert.
St. Katharina im dritten Reich
Nicht lange konnte die Hallenkirche der Öffentlichkeit als Konzertort dienen. Schon ein paar Jahre später - während des dritten Reiches - musste das ehemalige Gotteshaus wieder als politischer Schauplatz, diesmal für die Propaganda der Nationalsozialisten, herhalten.Im Jahr 1938, nach der Annektion Österreichs, holte der Nazi-Oberbürgermeister Liebel aus der Wiener Hofburg die Reichskleinoden, die er ein Jahr lang in der Dominikanerinnenkirche ausstellen ließ.
Beim Bombenhagel auf Nürnberg am 2. Januar 1945, bei dem die Nürnberger Altstadt vernichtet wurde, brannte das Katharinenkloster bis auf die Grundmauern aus. Im Februar 1945 kam es zu weiteren Zerstörungen, die nur noch ein paar Mauerreste - die Kircheruine, die Umfassungsmauer und den ehemalige Kreuzgang übrig ließen.
Nach Kriegsende und während des Wiederaufbaus der Stadt, geriet das zerstörte Gebäude lange in Vergessenheit und rottete so viele Jahre vor sich hin. Im Juli 1969 wurde die Ruine der Kirche mit Joseph Haydens "Jahreszeiten" wieder als Open-Air-Bühne freigegeben . Seitdem entdecken die Nürnberger das alte Mauerwerk als stilvollen, romantischen Ort für kulturelle Veranstaltungen aller Art.



