11. ­ 14. Juni
Kongreßzentrum Heinrich­Lades­Halle, Oberes Foyer
Do 12­19 Uhr, Fr, Sa 10­19 Uhr, So 10­18 Uhr

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Wie läßt sich die Tiefe der Geheimnisse in die Fläche zwingen? Wie kann man Bedrohungen, die auf den leisesten Sohlen der Phantasie heranschleichen, die flüchtig sind wie ein Hauch in der Tropensonne, bildhaft vergegenständlichen? Als Dieter Jüdt 1995 jene phantastisch­gefährlichen Erzählungen von Bruno Schulz, die unter dem Titel "Die Zimtläden" gesammelt sind, in eine grafische Erzählung umsetzte, mußte er sich diesen Fragen stellen. Er wählte als Stilmittel die malerische Auflösung des Textes. Jede Erzählung wurde mit einer atmosphärischen Grundfarbe quasi viragiert. Dabei dominierten die Gelb­ und Brauntöne zwielichtiger Dämmerungen. Biologische Formen von Pflanzen und Insekten durchbrechen von einem imaginären "Außen" her den Fortgang der Narration. Gesichter wechseln zu Masken, Masken zu Gesichtern. Die Blickwinkel auf das dargestellte Geschehen sind meist eng und nah gewählt, so daß sich für den Betrachter Unübersichtlichkeit einstellt, Wahrnehmung nur im Ausschnitt. Das "Außen" bleibt bedrohlich, weil es vorausgesetzt werden muß, ohne sichtbar zu sein. Auch die Bildräume selbst tendieren durch die Verzeichnung von Gegenständen zu Ornamenten in diese beabsichtigte Undurchschaubarkeit. Hier wird eine Kunst der Phantasie entfaltet, die der Phantasie des Betrachters nicht die Spielmöglichkeiten nimmt. Für das Schulz­Album mit dem Titel "Heimsuchung" wurde Dieter Jüdt 1996 für den Max­und­Moritz­Preis nominiert. Es war sein Debüt im Bereich der grafischen Narration.

Geboren wurde Dieter Jüdt 1963 in Feuchtwangen. Er wurde zum Kommunikationsdesigner ausgebildet und begann 1993 eine freie Tätigkeit als Grafiker und Illustrator. Seit 1995 hat er einen Lehrauftrag an der Fachhochschule Trier. Durch Buch­ und Coverillustrationen (zum Beispiel für Fantasy­Ausgaben bei Econ und Heyne) wurde Jüdts floral wuchernder malerischer Angriff auf den Text inzwischen ein wenig in Genre­Traditionen gezähmt. Sein nächstes Comic­Projekt verspricht jedoch wieder eine aufregende Auseinandersetzung mit den bildenden Künsten zu werden. Es handelt sich um eine freie Umsetzung von John Harrisons Fantasy­Roman "Die Götter der Pastell­Stadt" unter dem Titel "Viriconium". Es geht um eine Seuche, die die Befallenen zum Dahinschwinden verurteilt und um einen Portraitmaler, der sich diesem Schicksal widersetzt. (HH)