Enrico Baj – Apocalypse
Ausstellung zum 12. Internationalen Figurentheater-Festival

5. Mai – 24. Juni 2001
16. Mai, 21.30 Uhr, Performance: „Apokalyptisches Alphabet“
Städtische Galerie Erlangen, Palais Stutterheim, Marktplatz 1

Die Städtische Galerie Erlangen zeigt den groß angelegten Werkkomplex der Apokalypse des italienischen Künstlers Enrico Baj, geboren 1926. Enrico Baj gehört zur Generation der in den zwanziger Jahren geborenen europäischen Künstler, die das Debakel der europäischen Zivilisation in den dreißiger und vierziger Jahren noch bewusst erlebt haben und in der „Neugeburt“ nach dem Zweiten Weltkrieg auch die Chance sahen, sich in der Kunst von allen Fesseln zu befreien. In seinem außerordentlich vielgestaltigen Werk hat Enrico Baj diese inhaltliche und ästhetische Freiheit stets aufs Neue eingefordert. Sie bedeutete für ihn auch die Entgrenzung der Künste. Dies führte zum Austausch und zur Zusammenarbeit mit Schriftstellern, Musikern und Theatermachern, u.a. auch mit dem in Frankreich lebenden italienischen Puppenspieler Massimo Schuster. Er schuf für ihn die legendären Meccano-Puppen zum „Ubu Roi“, die heute im Besitz des Münchner Stadtmuseums sind. Auch für die jüngste Inszenierung von Schuster, das „Rolandslied“, das beim Festival Deutschland-Premiere hat, baute Baj wieder die Figuren.


Bildnerische Grenzen sprengt Baj auch mit seinen großen „szenischen Kompositionen“. Dazu gehört die „Apokalypse“, die, 1979 begonnen und bis heute nicht beendet, den Kriterien eines „offenen Kunstwerkes“ entspricht, wie es Enrico Baj fordert, und wie es sein Freund Umberto Eco formuliert hat. In einem Rückblick auf sein Gesamtwerk – dazu zählen zur Präsentation in der Städtischen Galerie Erlangen auch die großen Mappenwerke „De Rerum Natura“ (1958) und „Paradise lost“ (1987), in denen die Bedrohungen der Menschheit thematisiert sind – lässt sich die „Apokalypse“ in die Zukunft hinein weiterproduzieren.
Im Rahmen der Ausstellung präsentieren der Schriftsteller Edoardo Sanguineti und der Kontrabassist und Komponist Stefano Scodanibbio die Performance des für Enrico Baj geschriebenen und komponierten „Apokalyptischen Alphabets“ als musikalische Erstaufführung.

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