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Dream City Zur Ausstellung |
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"Stadt und Zukunft" ist das große Thema, das in diesem Jahr das 1000-jährige Jubiläum Erlangens mit einer Vielzahl von Veranstaltungen begleitet. Die Städtische Galerie zeigt dazu die zweiteilige Ausstellung "Dream City Zur Zukunft der Stadträume". Die vom Stadthaus Ulm konzipierte Ausstellung wurde für Erlangen neu zusammengestellt und insbesondere um lokale Beispiele ergänzt.
Die Präsentation in der Großen Galerie steht unter
dem Thema:
"Zwischen Tradition und Utopie - Veränderungen
des öffentlichen Raums"
Was wäre Siena ohne den Campo oder Venedig ohne den Markusplatz? Frühere
Städtebauer wussten um die Wirkung und Bedeutung des Freiraumes in der
Stadt. Entsprechende Plätze und öffentliche Räume finden sich
in der Architektur des 20. Jahrhunderts jedoch nur selten.
Die Ausstellung "Dream City" wirft Fragen auf: Wie kam
es zur Auflösung der traditionellen kompakten Stadtstruktur? Wohin entwickeln
sich Stadtraum und Stadtbild heute? Kann man am Idealbild einer intakten europäischen
Innenstadt angesichts chaotisch wachsender Agglomerationen in Asien, Südamerika
und Afrika noch festhalten? Schlaglichtartig wirft "Dream City" einen
Blick auf das Phänomen des Öffentlichen Raums europäischer Städte.
Erhellt wird dies auch durch alte Pläne und Stadtansichten aus drei Jahrhunderten,
von Amsterdam über Frankfurt bis Rom, aus der Graphischen Sammlung der
Universität Erlangen.
Dabei wird auch der Alltag auf den Plätzen in den Städten der Vergangenheit
erhellt zwischen höfischem Leben, Markttreiben und Schaustellerei. Auch
das "Trommeln" in eigener Sache gehörte schon früh zum Wettbewerb
der Städte.
Der Blick auf die Neuzeit wird gelenkt von der Industrialisierung, der Anlage
großstädtischer Magistralen und der Rückbesinnung mit "Neo-Stilen",
bevor nach dem Ersten Weltkrieg die städtebauliche Avantgarde sich von
Bruno Tauts kristallinen Formen hin zum kühlen Rationalismus des Bauhauses
bewegte.
"Licht, Luft und Sauberkeit" wurde zu den Prinzipien des öffentlichen
Raumes erhoben. Dies mündete 1933 schließlich in der Charta von Athen,
die als Grundsatzpapier zum neuen Städtebau eine Entzerrung von Arbeitsplätzen
und Wohnraum forderte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm man insbesondere in den aus dem Boden gestampften
Trabantenstädten die Prinzipien der Charta in abstrakter Übersteigerung
wieder auf, was letztlich zum Scheitern humaner Stadtplanung führte.
Heute sieht die Stadtplanung die Zusammenführung von Wohnen, Arbeiten und
Freizeit in einem Quartier wieder als eine ihrer Zukunftsaufgaben an.
Mittelpunkt
des lokalen Teils der Ausstellung sind die Plätze der barocken Planstadt
Erlangen und ihre Veränderungen, die sie im Laufe der Zeit erfahren haben,
belegt mit Modell, Stichen und alten Fotografien aus dem Erlanger Stadtarchiv.
Die Entstehung städtischer Plätze ging in Erlangen oft anders als
üblich vor sich. Mit Ausnahme des Martin-Luther-Platzes wurden alle heute
bestehenden Innenstadtplätze der Hugenottenstadt nach 1668 in der historischen
Neustadt "Christian Erlang" angelegt. Platzneuanlagen, die in den
städtischen Erweiterungsgebieten abseits der "Planstadt" entstanden
sind, wie z.B. der Bahnhofsplatz, entstanden nicht unbedingt planmäßig.
Das
neue Klinik-Areal des Nichtoperativen Zentrums mit Grünanlagen, Restaurant
und Piazetta schließlich ist ein Beispiel aus der Gegenwart halb-öffentlicher
Räume.
Ein Exkurs stellt zeitgenössische Plätze als Teil der Unternehmens-Corporate-Identy
an zwei prägnanten Beispielen vor: den so genannten "Roten Platz"
der Siemens AG in Erlangen von 1982 und die Piazza von Audi Ingolstadt von 2001.
Der "Rote Platz" wurde explizit für den Passanten-Verkehr als
ein klassischer Repräsentations-platz geplant. Die künstlerisch umgesetzte
"Siliciumscheibe" auf dem Boden formt sich nur den "Chefetagen"
des angrenzenden Hochhauses zum Bild. "Deutlich mehr Funktionen als etwa
die der reinen Unternehmens-Repräsentation", so Rüdiger Klein,
"übernahmen im Sinne einer Firmen-CI konzipierte Platzanlagen in den
späten 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts. Ideen der Kommunikation,
des Informationsaustausches und einer Freizeit, Konsum und Arbeit verknüpfenden
neuen Urbanität rückten in den Vordergrund." Wie das Beispiel
des Audi Forums zeigt.
Teil
2 der Ausstellung in der Kleinen Galerie präsentiert:
"Foto-Essay von Claudio Hils Sao Paulo,
Tokio, Bangkok, Los Angeles und zurück"
Claudio Hils' Fotografien öffnen den Blick auf außereuropäische
Tendenzen des Stadtraums und damit auch auf mögliche zukünftige Entwicklungen
in Europa. Der renommierte Fotograf hat in den großen Städten der
Welt, Sao Paulo, Bangkok, Tokio, Los Angeles und Las Vegas, seit rund fünf
Jahren die Stadträume und die sich in ihnen bewegenden Menschen aufgenommen.
Gleichzeitig hat er viele dieser Szenarien auch gefilmt. Es entstanden Video-
und CD-Collagen, die in der Addition von Bildern, Bewegung und Geräusch
ergänzend in der Ausstellung gezeigt werden.
Manfred Schmalriede schreibt im Katalog: "Hils sucht die durch einen festen
Standpunkt bedingte Diskrepanz zwischen Nähe und Ferne radikal zu thematisieren.
Das All-over provoziert das Grenzenlose, nicht mehr von einem Punkt aus Überschaubare,
kurz die Unübersichtlichkeit. Sowohl der Zustand des Zerstörten als
auch der Rohzustand des Präfabrizierten existiert in einer Art Funktionslosigkeit
oder potenzieller Funktion mit umgekehrten Vorzeichen. Es scheint nicht nur
ein Konzept des Wachstums von Städten zu sein, das zwischen Zerstörung
und Aufbau angesiedelt ist, sondern die fotografische Demontage impliziert immer
auch Bildkonstruktionen oder Elemente der Stadt, die ausreichen müssten,
eine Stadt zu erfinden. Hils' Motive lenken von den Highlights und Klischees
ab, die in unseren Bildern von Städten signifikant sein könnten. Sie
sind an ungewohnten Orten angesiedelt: auf Müllhalden, in Industrieanlagen,
Industriebrachen, an Baustellen, Straßen, Brücken und in Wohnanlagen,
in Einkaufszentren oder in Parks, Zoos und Grünanlagen. Aspekte von Städten,
die so selbstverständlich und überall ähnlich sind, dass wir
sie ignorieren und schon gar nicht erwarten, ihnen als Gegenstand eines Bildes
zu begegnen.
Gerade
weil diese Elemente von Städten überall zu finden sind. scheinen sie
typisch für die Stadt und für die Bedingungen ihrer Existenz zu sein."
Hils' Motive zeigen: Das Idealbild eines intakten städtischen Zentrums
gibt es nicht mehr. Dies wird man in Zukunft wohl auch hierzulande stärker
zu spüren bekommen. Hils' Fotografien weisen nachdrücklich auf die
Spannung, die zwischen Ideal, Traum und Realität unserer Städte und
ihrer Repräsentanz, dem öffentlichen Raum, besteht.
Zur Ausstellung ist im Hatje-Cantz-Verlag ein Katalogbuch erschienen:
144 Seiten, 97 Abbildungen, davon 64 farbig, in der Ausstellung € 25,-
Kontakt: Städtische Galerie Erlangen | Home