Dream City –
Zur Zukunft der Stadträume


Städtische Galerie Erlangen
16. Februar – 24. März 2002
Di–Fr 10–18 Uhr, Sa/So 10–17 Uhr

Zur Ausstellung

"Stadt und Zukunft" ist das große Thema, das in diesem Jahr das 1000-jährige Jubiläum Erlangens mit einer Vielzahl von Veranstaltungen begleitet. Die Städtische Galerie zeigt dazu die zweiteilige Ausstellung "Dream City – Zur Zukunft der Stadträume". Die vom Stadthaus Ulm konzipierte Ausstellung wurde für Erlangen neu zusammengestellt und insbesondere um lokale Beispiele ergänzt.

Die Präsentation in der Großen Galerie steht unter dem Thema:
"Zwischen Tradition und Utopie - Veränderungen des öffentlichen Raums"
Was wäre Siena ohne den Campo oder Venedig ohne den Markusplatz? Frühere Städtebauer wussten um die Wirkung und Bedeutung des Freiraumes in der Stadt. Entsprechende Plätze und öffentliche Räume finden sich in der Architektur des 20. Jahrhunderts jedoch nur selten.

Teilansicht in Ulm
     

Die Ausstellung "Dream City" wirft Fragen auf: Wie kam es zur Auflösung der traditionellen kompakten Stadtstruktur? Wohin entwickeln sich Stadtraum und Stadtbild heute? Kann man am Idealbild einer intakten europäischen Innenstadt angesichts chaotisch wachsender Agglomerationen in Asien, Südamerika und Afrika noch festhalten? Schlaglichtartig wirft "Dream City" einen Blick auf das Phänomen des Öffentlichen Raums europäischer Städte. Erhellt wird dies auch durch alte Pläne und Stadtansichten aus drei Jahrhunderten, von Amsterdam über Frankfurt bis Rom, aus der Graphischen Sammlung der Universität Erlangen.
Dabei wird auch der Alltag auf den Plätzen in den Städten der Vergangenheit erhellt zwischen höfischem Leben, Markttreiben und Schaustellerei. Auch das "Trommeln" in eigener Sache gehörte schon früh zum Wettbewerb der Städte.
Der Blick auf die Neuzeit wird gelenkt von der Industrialisierung, der Anlage großstädtischer Magistralen und der Rückbesinnung mit "Neo-Stilen", bevor nach dem Ersten Weltkrieg die städtebauliche Avantgarde sich von Bruno Tauts kristallinen Formen hin zum kühlen Rationalismus des Bauhauses bewegte.
"Licht, Luft und Sauberkeit" wurde zu den Prinzipien des öffentlichen Raumes erhoben. Dies mündete 1933 schließlich in der Charta von Athen, die als Grundsatzpapier zum neuen Städtebau eine Entzerrung von Arbeitsplätzen und Wohnraum forderte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm man insbesondere in den aus dem Boden gestampften Trabantenstädten die Prinzipien der Charta in abstrakter Übersteigerung wieder auf, was letztlich zum Scheitern humaner Stadtplanung führte.
Heute sieht die Stadtplanung die Zusammenführung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit in einem Quartier wieder als eine ihrer Zukunftsaufgaben an.
Mittelpunkt des lokalen Teils der Ausstellung sind die Plätze der barocken Planstadt Erlangen und ihre Veränderungen, die sie im Laufe der Zeit erfahren haben, belegt mit Modell, Stichen und alten Fotografien aus dem Erlanger Stadtarchiv.
Die Entstehung städtischer Plätze ging in Erlangen oft anders als üblich vor sich. Mit Ausnahme des Martin-Luther-Platzes wurden alle heute bestehenden Innenstadtplätze der Hugenottenstadt nach 1668 in der historischen Neustadt "Christian Erlang" angelegt. Platzneuanlagen, die in den städtischen Erweiterungsgebieten abseits der "Planstadt" entstanden sind, wie z.B. der Bahnhofsplatz, entstanden nicht unbedingt planmäßig.
Das neue Klinik-Areal des Nichtoperativen Zentrums mit Grünanlagen, Restaurant und Piazetta schließlich ist ein Beispiel aus der Gegenwart halb-öffentlicher Räume.
Ein Exkurs stellt zeitgenössische Plätze als Teil der Unternehmens-Corporate-Identy an zwei prägnanten Beispielen vor: den so genannten "Roten Platz" der Siemens AG in Erlangen von 1982 und die Piazza von Audi Ingolstadt von 2001.
Der "Rote Platz" wurde explizit für den Passanten-Verkehr als ein klassischer Repräsentations-platz geplant. Die künstlerisch umgesetzte "Siliciumscheibe" auf dem Boden formt sich nur den "Chefetagen" des angrenzenden Hochhauses zum Bild. "Deutlich mehr Funktionen als etwa die der reinen Unternehmens-Repräsentation", so Rüdiger Klein, "übernahmen im Sinne einer Firmen-CI konzipierte Platzanlagen in den späten 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts. Ideen der Kommunikation, des Informationsaustausches und einer Freizeit, Konsum und Arbeit verknüpfenden neuen Urbanität rückten in den Vordergrund." Wie das Beispiel des Audi Forums zeigt.

     

 

Teil 2 der Ausstellung in der Kleinen Galerie präsentiert:
"Foto-Essay von Claudio Hils – Sao Paulo, Tokio, Bangkok, Los Angeles und zurück"
Claudio Hils' Fotografien öffnen den Blick auf außereuropäische Tendenzen des Stadtraums und damit auch auf mögliche zukünftige Entwicklungen in Europa. Der renommierte Fotograf hat in den großen Städten der Welt, Sao Paulo, Bangkok, Tokio, Los Angeles und Las Vegas, seit rund fünf Jahren die Stadträume und die sich in ihnen bewegenden Menschen aufgenommen. Gleichzeitig hat er viele dieser Szenarien auch gefilmt. Es entstanden Video- und CD-Collagen, die in der Addition von Bildern, Bewegung und Geräusch ergänzend in der Ausstellung gezeigt werden.
Manfred Schmalriede schreibt im Katalog: "Hils sucht die durch einen festen Standpunkt bedingte Diskrepanz zwischen Nähe und Ferne radikal zu thematisieren. Das All-over provoziert das Grenzenlose, nicht mehr von einem Punkt aus Überschaubare, kurz die Unübersichtlichkeit. Sowohl der Zustand des Zerstörten als auch der Rohzustand des Präfabrizierten existiert in einer Art Funktionslosigkeit oder potenzieller Funktion mit umgekehrten Vorzeichen. Es scheint nicht nur ein Konzept des Wachstums von Städten zu sein, das zwischen Zerstörung und Aufbau angesiedelt ist, sondern die fotografische Demontage impliziert immer auch Bildkonstruktionen oder Elemente der Stadt, die ausreichen müssten, eine Stadt zu erfinden. Hils' Motive lenken von den Highlights und Klischees ab, die in unseren Bildern von Städten signifikant sein könnten. Sie sind an ungewohnten Orten angesiedelt: auf Müllhalden, in Industrieanlagen, Industriebrachen, an Baustellen, Straßen, Brücken und in Wohnanlagen, in Einkaufszentren oder in Parks, Zoos und Grünanlagen. Aspekte von Städten, die so selbstverständlich und überall ähnlich sind, dass wir sie ignorieren und schon gar nicht erwarten, ihnen als Gegenstand eines Bildes zu begegnen.
Gerade weil diese Elemente von Städten überall zu finden sind. scheinen sie typisch für die Stadt und für die Bedingungen ihrer Existenz zu sein."
Hils' Motive zeigen: Das Idealbild eines intakten städtischen Zentrums gibt es nicht mehr. Dies wird man in Zukunft wohl auch hierzulande stärker zu spüren bekommen. Hils' Fotografien weisen nachdrücklich auf die Spannung, die zwischen Ideal, Traum und Realität unserer Städte und ihrer Repräsentanz, dem öffentlichen Raum, besteht.

Titelfoto gross Bangkok gross Sao Paulo gross
     

 

Zur Ausstellung ist im Hatje-Cantz-Verlag ein Katalogbuch erschienen: 144 Seiten, 97 Abbildungen, davon 64 farbig, in der Ausstellung € 25,-

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