| Einen „außerordentlichen, eigenwilligen, selbstbewussten, aufrechten,
seine Überzeugungen niemals verratenden, gestaltungsbesessenen, unaufhörlich
nach der wirklichen Schönheit suchenden Architekten“ nannte ihn Manfred
Sack in seiner Laudatio, als der Bund Deutscher Architekten Heinz Bienefeld
1996 posthum mit dem großen BDA-Preis ehrte. Die Leistungen Bienefelds
wurden zu spät entdeckt. Heute gibt es keinen Zweifel mehr – so urteilte
das Deutsche Architektur-Museum Frankfurt, dass der vor allem im Rheinland
wirkende Architekt, der auch schon mal als „deutscher Scarpa“ tituliert
wurde, einer der überragenden Baukünstler unseres Jahrhunderts
war.
Heinz Bienefeld stammt aus einer Handwerkerfamilie. Seine Ausbildung erhielt er an den Kölner Werkschulen. Dort war er Meisterschüler, später Assistent von Dominikus Böhm. Prägend war die Mitarbeit (ab 1958) im Büro des Kirchenbaumeisters Emil Steffann. Zu Beginn der 60er Jahre machte sich Bienefeld selbstständig. Er blieb dem Sakralbau zwar treu. Doch die Mehrzahl seiner Bauten waren individuelle Wohnhäuser: rau verfugte, geschlossene Backsteinmauern nach außen, dahinter Hauszellen und Hofräume von überraschender Intimität und Weiträumigkeit, penibel durchgebildet bis in winzigste Details. Die überragende Qualität Bienefelds resultiert aus der beständigen Auseinandersetzung mit Tradition und Moderne gleichermaßen. Dass ihm die Versöhnung der scheinbar unversöhnlichen Strömungen gelungen ist, gibt seinem Werk überzeitliche Bedeutung. Als Heinz Bienefeld 1995 starb, rühmten die Nachrufe ihn als „Baumeister der Bescheidenheit“ und als „Architekten der Stille” – das späte Eingeständnis, dass er zeitlebens unterschätzt worden war. Dem Deutschen Architektur-Museum Frankfurt gebührt das große Verdienst, die erste umfassende Retrospektive dieses hervorragenden Architekten erarbeitet zu haben. Die Ausstellung zeigt viele Facetten des Lebenswerkes von Heinz Bienefeld am Beispiel von fünf Häusern auf: Fotos, Pläne, Zeichnungen, Skizzen, Aquarelle sowie Studienmodelle und eine ungewöhnliche Materialsammlung. Dank der Initiative und der finanziellen Förderung des BauLust e.V. Nürnberg kann nun das Werk des großen Architekten Heinz Bienefeld in der Städtischen Galerie Erlangen gezeigt werden. |
|