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30. Mai 28. Juni Zurück zur Homepage des Comic-Salons Diese alten Geschichten, die Märchen, die Mythen, werden offensichtlich immer noch gebraucht, weil sie von den Ängsten und den Wünschen aller Menschen der Geschichte auf unübertreffliche Weise erzählen. Moderne Geschichten, die auch Geschichten in filmischen oder gezeichneten Bildern sein können, sind nahezu auschließlich Variationen oder Interpretationen der klassischen Vorlagen. Es sind Geschichten, die Kinder verstehen und die in Erwachsenen ein merkwürdiges Wiedererkennen und eine eigentümliche Nostalgie auslösen. KinderKlassiker sind also immer auch Klassiker für Erwachsene. "Hoffen wir", schreibt der spanische ComicKünstler Miguelanxo Prado, "daß auch meine Version von 'Peter und der Wolf' das eine oder andere intensive Bild in einem Winkel des Gedächtnisses der kleineren Leser hinterläßt. Und hoffen wir auch, daß sie den Größeren hilft, diesen wunderbaren mythischen Schauder wieder zu erleben, den wir damals verspürten, als wir beim Schein einer Lampe, die warme und schützende Decke bis zur Nasenspitze hochgezogen, mit weit aufgerissenen Augen hinter den Flecken an der Zimmerdecke die Bilder des Märchens sehen konnten, das unsere Mutter oder Großmutter uns gerade erzählte." Internationale ComicKünstler setzen die alten Geschichten in ein aktuelles Medium um und geben ihnen unverbrauchte Bilder das ist die Intention der Reihe "Illustrierte KinderKlassiker", die in Deutschland in der Ehapa Comic Collection erscheint. Der MaxundMoritzPreisträger Miguelanxo Prado hat das russische Volksmärchen von Peter und dem Wolf bearbeitet, das vor allem in der musikalischen Fassung von Sergej Prokofjew bekannt geworden ist. Der Franzose Mazan hat sich der Grimm'schen Geschichte vom tapferen Schneiderlein angenommen. Und der amerikanische Altmeister Will Eisner (1994 in Erlangen für sein Lebenswerk ausgezeichnet) hat Herman Melvilles Roman vom weißen Wal "Moby Dick" in eine Graphic Novel umgesetzt. Mit ganz unterschiedlichen Stilmitteln haben die Künstler auf ihre Stoffe zugegriffen. Die dicht gelegten Kreideflächen Prados schaffen eine kompakte, nahezu hermetisch verschlossene Sphäre der Natur. Schemenhaft wachsen aus den Schatten archetypische Tiergestalten als Bedrohung und Herausforderung des modernen kindlichen Helden. Mazan dagegen macht das Märchen das vom Witz und von der Unverschämtheit des Nadelstechers handelt, mit lockeren Strichen ganz leicht. Sein spindelig argloser Held zieht hinaus in eine Welt flächiger Karikaturen und übertriebener Perspektiven. Will Eisner zieht den Mythos vom Wal, der für ein unbewältigtes Trauma steht, in den Rhythmus seiner ganz eigentümlichen realistischkarikierenden Grafik hinein. Die ist durchaus von den Illustrationstechniken beeinflußt, mit denen die Erstausgaben von Melvilles Roman bebildert worden sind. So machen alte Geschichten frischen Spaß. Und weil Märchen und Mythen ja schon immer Medien waren, die die großen, allgemeingültigen Bilder entworfen haben, könnten die Comics geradezu ihre zeitgemäße Erscheinungsform sein. |