Sonntag, 10. Juni, 11.00 Uhr, Schlossgarten
Gerhard Gerstner und das UniverSalonOrchester
Schlager, Schnulzen, Evergreens der 20er und 30er Jahre

Die goldenen 20er und 30er Jahre
Die Blütezeit der Tanzlokale waren die 20er und 30er Jahre. Ausgerechnet Zeiten, die geprägt von Wirtschaftskrisen, politischen Unruhen, Nationalsozialismus und Krieg, alles andere als Grund zur Ausgelassenheit boten. Doch Kabaretts, Varietés, Kinopaläste und Tanzdielen schossen wie Pilze aus dem Boden. „Die Zeiten sind schlecht, man muss sich trösten" war das Lebensmotto.
Ende der 20er Jahre avancierte Berlin zur Kulturmetropole und zum musikalischen Zentrum Europas. Künstler aus aller Welt wurden von der herrschenden Aufbruchsstimmung angezogen. Die Statistik verdeutlicht diese Ausnahmestellung: 1927 verfügt die Stadt über 70 Tageszeitungen, 50 Theater, 3 Opernhäuser, 75 Kabaretts, 3 Varietés, 370 Kinos. Die Ufa war das Mekka des deutschsprachigen Films. Bert Brecht und Kurt Weill schrieben die „Dreigroschen Oper", Nacktballets, Ekstase-Tänzer hatten Hochkonjunktur, unzählige Tanzpaläste versuchten die Tanzwut der Berliner zu stillen.
Anfang der 30er Jahre gab es ca. 890 Tanzcafés in Berlin, die sich an Ausstattung und Pracht überboten und in Scharen das Publikum anzogen. Gespielt wurde, was damals angesagt war: Foxtrott, Paso doble, Tango, Walzer, Charleston, Two-Step und English-Waltz. Die Lieder gestalteten sich meist harmlos, manchmal hintergründig, frech, frivol und stets mit einem kleinen Augenzwinkern.
Ein „goldenes" Zeitalter, das aber eher einem Tanz auf dem Vulkan glich.
Doch 1933 wird dieser Entwicklung ein Ende bereitet. Hitler wird Reichskanzler. Es beginnt die systematische Ausrottung des geistigen Potenzials dieser künstlerisch so einzigartigen Zeit. Die Kabaretts müssen schließen, Künstler wie die Comedian Harmonists, Friedrich Hollaender oder Fritz Grünbaum, zuvor umjubelt, fliehen oder kommen in Konzentrationslagern um.


Das Programm
Das Fräulein Gerda (1938, H. Wernicke & E. Walter)
Es geht die Lou lila (R. Katscher, Fritz Beda-Löhner)
Fräulein, Pardon (1929, W. Meisel & R. Rillo)
Guck doch nicht immer nach dem Tangogeiger hin (F. Hollaender & Schiffer)
Unter den Pinien von Argentinien (1937, L. Leux & H. Hannes)
Mein Gorilla hat 'ne Villa im Zoo (1933, B. Kaper, W. Jurmann, P. Kuckuck)
Was will der Mann da auf der Veranda (1928, W. Rosen & F. Schwarz)
Satin doll (J. Mercer, B. Strayhorn, D. Ellington)
Dort tanzt Lu-Lu (Großer Stimmungswalzer, 1931, W. Meisel)
Schade, daß Liebe ein Märchen ist (B. Kaper & W. Jurmann)
Ich fahr mit meiner Klara in die Sahara (1927, O. Stransky & F. Rotter)
Ich küsse ihre Hand, Madame (1928, F. Rotter & R. Erwin)
Auf Wiedersehen, Herr Doktor (1929)
(Programmänderungen vorbehalten)


Das Orchester und sein Sänger
Gerhard Gerstner ist vielen Liebhabern alter Schlagermusik noch als Frontman der „Melody Melons" in guter Erinnerung, eines Männerquintetts, das sich dem Erbe der berühmten „Comedian Harmonists" verschrieben und weit über Erlangen hinaus Erfolg hatte. Das ehemalige Mitglied des Windsbacher Knabenchores studierte u.a. in Erlangen und München und lebt heute bei Heidelberg.
Das UniverSalonOrchester entstand zunächst „ad hoc" aus Mitgliedern der Uni Big Band an der Erlanger Universität. Es spielt in der gleichen Besetzung wie Max Raabes „Palast Orchester" mit dominierenden Saxophon-Satz in der Mitte (bestehend aus Michael Baumann und Regina Weimar, Altsaxophon, Uwe Schäfer, Tenorsaxophon, und Peter Athmann, Baritonsaxophon) „kleinem" Blech (Andrei Lobanow, Jan Ittner und Florian Limberger, Trompeten, und Gerrit Arntz, Posaune), einer vollständigen Rhythmusgruppe (Hans-Jörg Höxer, Gitarre, Bertram Hartig, Klavier, Stefan Kösters, Bass, und Péter Ajtai, Schlagzeug) und der Geigerin Rita Goldberg. Einzelne Mitglieder sind auch gesanglich solistisch zu hören, so Jan Ittner mit seiner Paradenummer „Ich fahr mit meiner Klara in die Sahara". Die musikalische Leitung hat Ulrich Nehls, Akademischer Musiklehrer am Institut für Kirchenmusik der Universität Erlangen-Nürnberg.

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