Sonntag, 5. August, 11.00 Uhr, Schlossgarten
Stefan-Poetzsch-Ensemble
Uraufführung
Sextett 1
für Klarinette, Klavier und Schlagzeug von Stefan Poetzsch, geb. 1963

Eine in den letzten Monaten entstandene Komposition, die geringfügig auch Material älterer Poetzsch-Stücke, sowie einen kleinen Anteil an Improvisationen einschließt. Sextett 1 ist in konventioneller Notenschrift als durchgehendes Stück komponiert, besteht aus vielen einzelnen Abschnitten, die aber nicht als "Sätze" im klassischen Sinn aufzufassen sind. Eine entscheidende Idee des Stückes ist, auf der Basis von "dissonanten" Klängen sowie Clustern und trotz ungerader Rhythmen und schnellen Wechseln, eine groovende, sehr klangvolle und sogar melodiöse Musik entstehen zu lassen. Für die Improvisationen ist an die Violine/Viola gekoppelte Liveelektronik geplant.

Das Stefan Poetzsch-Ensemble wurde erst in diesem Jahr gegründet. Es wird in Zukunft in wechselnden Besetzungen überwiegend Stücke von Poetzsch spielen. Aufträge für Konzerte und Rundfunkaufzeichnungen (BR) für dieses Jahr liegen bereits vor. Erstmalig trat das Ensemble schon als 14-köpfige Percussiongruppe im Rahmen des Internationalen Tanzfestivals "Tanzraum 2" in Erscheinung, bei dem die Musiker nach Poetzschs Konzept die stillgelegteTurbinenhalle des Großkraftwerks Gebersdorf in Schwingungen versetzten.

Stefan Poetzsch (Violine/Viola/Liveelektronik und Komposition)
hat bisher in zahlreichen Projekten experimenteller Art mitgewirkt bzw. diese entwickelt. Seit 10 Jahren arbeitet er ständig mit der Tänzerin Bettina Essaka zusammen und schrieb Kompositionen für die meisten ihrer Choreografien, die sie auf Bühnen in Europa, Südafrika und den USA zeigten. Zunehmend wendet er sich multimedialen Projekten zu, die z.T. in Erlangen zu erleben waren (z.B. die zusammen mit Ha-Yang Kim entwickelte 8-Kanalproduktion "Sprachklangmoment", seine 4-kanalige Klangcollage "Partigiani" oder die "KlangBildSession"). Poetzsch arbeitet seit einigen Jahren verstärkt mit amerikanischen Musikern/Komponisten zusammen und war bisher zu zwei längeren Arbeitsphasen in eine Künstlerkolonie in Florida geladen, bei denen er als "artist in residence" mit dem Komponisten Donald Erb ('95) und im letzten Jahr dann mit dem Klaviergiganten Cecil Taylor arbeitete. Poetzsch ist mit seinen Projekten mit verschiedensten Musikern regelmäßig in Europa und USA zu hören. Einige seiner Kompositionen werden seit kurzem von amerikanischen Künstlern regelmäßig aufgeführt und weitere Kompositionsaufträge folgten bereits. Erst im Juni 2001 war er Gastkomponist in Konzerten der bekannten Komponistengruppe "Composers In Red Sneakers" in Boston, im November folgen weitere Konzerte in den USA, dann u.a. wieder zusammen mit der amerikanischen Cellistin Ha-Yang Kim. Trotz seiner derzeitigen Konzentration auf Komposition, ist er nach wie vor stark an freier Improvisation interessiert. Die aktuelle CD "Eastbound - Westbound" (Capstone Records, NY) zusammen mit dem Saxophonisten Benjamine Boone (USA) ist ab sofort erhältlich. Poetzsch ist als Bratscher auch zunehmend beim Leipziger Barockorchester beschäftigt.

Konstanze Beyer (Violine)
studierte an der Musikhochschule Leipzig, Sie ist diplomierte Violinpädagogin, unterichtete einige Jahre und hat seit 1986 ihren Spezialbereich in der Alten Musik gefunden. Sie ist eine gefragte Barockgeigerin, spielt in verschiedensten Kammermusikensembles vornehmlich Musik des 18. Jahrhunderts und tritt als Solistin und mit diesen Ensembles in ganz Europa auf. Seit 1995 leitet sie das Leipziger Barockorchester. Als Gegengewicht zu ihrem bisherigen Tätigkeitsfeld setzt Konstanze Beyer auf die Beschäftigung mit zeitgenössischer und experimenteller Musik. Sie war bisher an mehreren CD- und Rundfunkproduktionen beteiligt.

Ronny Mausolf (Violine)
studierte ebenfalls an der Hochschule für Musik "Felix Mendelssohn-Bartholdy" in Leipzig die Fächer Violine, Kammermusik, Dirigieren und Komposition. Seit 1988 hat er verschiedene Lehraufträge im Fach Violine an der Musikhochschule Leipzig, der Spezialschule der Hochschule für Musik Leipzig sowie der Kinderklasse der HfM Leipzig und einen Lehrauftrag an der Universität Leipzig/Institut für Musikpädagogik. Er war mehrere Jahre Konzertmeister und Solist des Pauliner Kammerorchesters und Mitglied des Pauliner Barockensembles, wo er sich auf chorsinfonische Arbeit mit dem Leipziger Universitätschor sowie Kammermusik in der Tradition der Leipziger Universitätsmusik spezialisierte. Er war an mehreren CD- und Rundfunkproduktionen beteiligt.

Irene von Fritsch (Violoncello)
studierte an der Musikhochschule Würzburg und Mannheim, wo sie sowohl das Künstlerische als auch das Pädagogische Diplom erwarb. Anschließend war sie für eineinhalb Jahre Mitglied der Masterclass von William Pleeth in London. Konzerte führten sie schon durch viele Länder Europas. Sie konzertierte z.B. mit Shih-Hsing Chang in England, Ernst Gröschel in Österreich und mit Dorian Keilhack in Deutschland. Sie ist u.a. bei den Nürnberger und den Münchner Symphonikern, dem Landestheater Coburg, den Heidelberger Sinfonikern, dem Kammerorchester Werneck tätig, und wurde am Landestheater Innsbruck als erste Cellistin für die Produktion einer Kammeroper engagiert. Mit ihrem Streichtrio "Katharinen-Trio", das sich vor einem Jahr zusammentat, wurde sie in die Stiftung Yehudi Menuhins "Live Music Now" aufgenommen.

Peter Ajtay (Schlagzeug)
wurde in Budapest geboren, wo er an der Musikfachhochschule "Béla Bartók" Schlagzeug studierte. Danach gab er in seiner Heimatstadt Privatunterricht und spielte in verschiedenen Formationen in den nach der Wende wiedergegründeten Jazzclubs. 1995 zog er nach Deutschland und suchte neben seinem literaturwissenschaftlichen Studium nach "klingenden Gelegenheiten". Neben verschiedensten Projekten, wie z.B. dem UniverSalonOrchester oder einer Irish Folk Band, ist er Schlagzeuger der Unibigband Erlangen und in dem Jazzquartett "Eingang C". Peter Ajtay war einer der drei Solisten des Poetzsch-Ensembles bei der Aufführung im Rahmen des "Tanzraum 2" - Festivals in Nürnberg.

Jürgen Brauner (Klavier)
studierte in Nürnberg und Würzburg Schulmusik, Klavier, Musikwissenschaft, Pädagogik und Kunstgeschichte. Er promovierte 1995 mit einer Arbeit über die Wiener Klassik (Haydn-Klaviertrios). Seit Mitte der achtziger Jahre hat er zahlreiche solistische Auftritte als Pianist und im Rahmen unterschiedlicher Besetzungen (Duo, Klaviertrio, Liedbegleitung) oder in Verbindung mit Rezitation (zusammen mit dem Schauspieler Carlo Schulheiss). In den letzten Jahren bekennt er sich zu einer bewussten Hinwendung zur zeitgenössischen und experimentellen Musik, "da mir die konventionelle Form des Konzertbetriebs mit der ermüdenden Wiederholung des klassisch-romantischen Standardrepertoires bis zur Grenze des Erträglichen ausgeschöpft erscheint", so J. Brauner. Er war ebenfalls einer der 3 Solisten in der 14-köpfigen Percussiongruppe im Rahmen des "Tanzraum 2"-Auftrages: "Im Kraftwerk".

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