“Der Hesselberg – ein >heiliger< Ort der Täter”, Ausstellung des Bildungsbereichs im Kunsthaus
65 Jahre nach Kriegsende, so meldeten es die Nürnberger Nachrichten im Juli 2010, feierten Braune in Obertrubach in der fränkischen Schweiz wieder die von den Nazis so genannten “Frankentage”. Auch historisch Interessierten dürften diese wenig sagen, weil es zwar etliche gute Bücher zum Nationalsozialismus in Franken gibt, aber bis vor kurzem kein Buch zu den “Frankentagen” zwischen 1933 und 1939. Geändert hat dies Thomas Greif. Er veröffentlichte 2007 seine Doktorarbeit unter dem Titel “Frankens braune Wallfahrt. Der Hesselberg im Dritten Reich”.
Darin beschreibt er, wie es dem “Frankenführer”, Julius Streicher, gelang, nach eigenen Angaben, zwischen '33 und "39 einmal im Jahr mehr als 100.000 Menschen auf den Hesselberg bei Wassertrüdingen zu bringen und einen Kultort der Bewegung entstehen zu lassen. Die Besucher erwartete neben Verköstigung und sportlich–militärischen Vorführungen eine beinahe religiös zelebrierte NS-Selbstinszenierungs-Show und die Hasstiraden von Streicher und anderen NS-Größen auf Juden und Gegner des Nationalsozialismus.
Der KOMM-Bildungsbereich hat sich nun mit Thomas Greif, dem Doku-Zentrum und anderen Partnern daran gemacht, aus der zwar flott geschriebenen, aber insgesamt doch harten wissenschaftlichen Kost die Ausstellung “Der Hesselberg – ein >heiliger< Ort der Täter” zu machen. Möglich ist dies auch, weil in der Gegend um den Hesselberg private Sammler zahlreiche Zeitdokumente gesammelt und dem Bildungsbereich zur Verfügung gestellt haben. So entstand eine Ausstellung, die an Hand von Texttafeln, historischen Dokumenten und Gegenständen, Ton- und Filmdokumenten in den Räumen des Kunsthauses in vier Stationen über Abläufe Funktion und Mechanismen des Festes informiert.
Im ersten Raum wird auf den Mythos (Hessel-)Berg und die Vereinnahmung der historischen Hesselberg-Feiern durch die Nazis eingegangen. In der zweiten Station werden die Anstrengungen der NS-Führung gezeigt, das Fest für die “Volksgenossen” attraktiv zu machen. Zu sehen sind unter anderem Filmdokumente aus dieser Zeit, aber auch die Bemühungen der Nazis, das Transportmittel Bahn für ihre Zwecke kräftig zu nutzen. Deutlich wird dabei, dass sich die Deutschen von dem radikalen Antisemiten Streicher gerne auf den Berg bitten ließen und Streicher mit hoher Zustimmung zu seinen Feiern und politischen Aussagen rechnen durfte.
Im dritten Teil der Ausstellung wird gezeigt, wie die NS-Bewe-gung gerade Franken zum Ausgangspunkt ihrer Bemühungen machen konnte: Die mehrheitlich protestantisch gesinnte Bevölkerung in Franken war weit früher – im Gegensatz zum eher katholischen Altbayern – bereit, den Nazis Gefolgschaft zu leisten und ihnen ihre Stimme zu geben. Franken war für die NSDAP, so die an eine Ausstellung des Dokuzentrums angelehnte These, “Die Brücke ins Reich”. Wäre dies nicht so gewesen, wäre die braune Partei vielleicht nur eine eher unbedeutende Regionalpartei geblieben. Eine wichtige Rolle spielte dabei der radikale Antisemit Julius Streicher. Seine Rolle als brauner Einpeitscher und antisemitischer “Prediger” bei der Eroberung und der Etablierung der Macht in Franken – auch und gerade durch solche Feiern – wird ausführlich an Hand von historischen Tondokumenten gezeigt.
Im letzten Raum wird dann das sang- und klanglose “Verschwinden der Hesselberg-Tage” nach 1945 thematisiert. Ironischerweise geschah dies auch mit Hilfe der protestantischen Kirche, und deren Alleinvertretungsanspruch auf den Hesselberg ab etwa 1951. Setzen konnte die Kirche auch auf die Verdrängungsleistung der örtlichen Bevölkerung. Egal, ob Flüchtlinge in Baracken oder die zivile Segelfliegerei, die dort wieder Fuß zu fassen versuchte, nichts durfte neben der protestantischen Kirche auf dem Hesselberg existieren. Nur ihre Volkshochschule für die bäuerlich-ländliche Bevölkerung sollte auf dem Berg Platz haben. Dem Ausbau dieses ab 2006 so genannten Evangelischen Bildungszentrums (EBZ) fiel alles zum Opfer – einschließlich der baulichen Reste der Nazi-Shows zwischen 1933 und 1939. Heute erinnert nichts mehr an die “Frankentagen” der Nazis.
Dass die Beschäftigung mit der braunen Vergangenheit der fränkischen Provinz auch offener funktioniert und die Kehrseite der Nazisshows, die Ermordung und Vertreibung der europäischen Juden thematisiert, zeigt in diesem Raum die Präsentation der Stephanie-Hauptschule in Gunzenhausen. Über Jahre hinweg haben Die Hauptschüler die Schicksale der jüdischen Bürger/innen in ihrem Ort aufgeschrieben, soweit dies möglich war mit Angehörigen und Überlebenden des Holocaust Kontakt aufgenommen und daraus eine veritable Dokumentation gemacht.
Richard Erbe
Schau zu NS-“Frankentagen” am Hesselberg
Erinnerung an eine vergessene Wallfahrt der Nationalsozialisten: Zwischen 1933 und 1939 zogen jährlich rund 100000 Menschen zu den “Frankentagen” auf den Hesselberg. Nun blättert eine Ausstellung im Nürnberger Künstlerhaus in der Geschichte dieser Massenveranstaltung.
NS-Gauleiter Julius Streicher persönlich hatte die “Frankentage” organisiert. Sonnwendfeier, sportliche Wettkämpfe, Essen, Trinken und eine programmatische Hetzrede — das waren die Zutaten für den Erfolg. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs und der Entmachtung des brutalen Judenhassers Streicher wurden die “Frankentage” eingestellt — und sie gerieten nach dem Ende des NS-Terrors in Vergessenheit. Niemand wollte sich mehr daran erinnern.
Erst mit dem Buch “Frankens braune Wallfahrt. Der Hesselberg im Dritten Reich” im Jahr 2007 rückte Historiker und Journalist Thomas Greif das Thema wieder ins öffentliche Bewusstsein. Doch auch die Wiederentdeckung gestaltete sich ziemlich zäh: Der Autor regte mehrfach bei hiesigen Schulen und Kommunalpolitikern an, sich mit dem Thema vor der eigenen Haustür zu beschäftigen. Das Echo: “Mir wurde immer wieder gesagt, dass man die Idee toll findet und unterstützt”, erinnert sich Greif, “danach hat sich aber nichts mehr ergeben.” Die Beschäftigung mit dem
Nationalsozialismus sei immer schwierig, folgert der Autor, und nicht überall stelle man sich dem Thema in vorbildlicher Weise wie in Nürnberg.
Schließlich griffen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter des Komm-Bildungsbereichs Greifs Veröffentlichung auf. Sie nahmen seine wissenschaftliche Recherche als Grundlage für die jetzige Ausstellung “Der Hesselberg. Ein ‘heiliger’ Ort der Täter” im Künstlerhaus. Originale Film- und Fotodokumente lockern die Texte der Ausstellung auf. Die Macher setzten vier Schwerpunkte: Mythos Berg, Ausbau des Hesselbergs zur Kultstätte, die Rolle von Julius Streicher bei den “Frankentagen” und die bislang fehlende gesellschaftliche Auseinandersetzung.
Schüler auf Spurensuche
Als Gegenpol zu diesem Vergessen wurde in die Schau ein Projekt der Gunzenhausener Stephani-Hauptschule eingeflochten. Die Jugendlichen forschen seit zehn Jahren, welche Häuser ihrer — dem Hesselberg benachbarten — Heimatstadt einst jüdische Besitzer hatten und was daraus geworden ist. Durch ihre Nachforschungen haben sie Kontakte in die USA, nach Israel und Argentinien geknüpft. In der Ausstellung sind “Akten” von 40 Häusern veröffentlicht.
Wie stark die “Frankentage” auf Julius Streicher zugeschnitten waren, zeigt eine Episode: Der Herausgeber der Hetzschrift “Stürmer” verlangte ein Neu-Arrangement des Hesselberg-Lieds, weil ihm die Klarinetten-Einsätze nicht gefallen haben.
Die Schau ist als Wanderausstellung konzipiert. Aus der ursprünglich geplanten Premiere im Evangelischen Bildungszentrum auf dem Hesselberg wurde aber nichts: “Man hat gesagt, dass die Räume dafür nicht so lang belegbar sind”, berichtet Rainer Büschel vom Organisations-Team kopfschüttelnd. Rund 25 Bildungsträger und Orte wurden angeschrieben, einige haben ihr Interesse bekundet. Doch zunächst ist die Ausstellung bis zum 7.November im Künstlerhaus Königstraße 93, zu sehen.
Hartmut Voigt
Ausstellung über die NS-Kultstätte Hesselberg
Vor 80 Jahren war er der “heilige Berg” der nationalsozialistischen Franken. Heute ist der Hesselberg in der Frankenalb ein schweigender Ort. Eine Ausstellung im Künstlerhaus arbeitet die Historie dieser Kultstätte der NS-Massenpropaganda erstmals für ein größeres Publikum auf.
Der Berg gehörte ihm nicht, aber er tat so. Auf ihm feierte Julius Streicher, der mittelfränkische NSDAP-Gauleiter mit dem Ehrennamen “Frankenführer”, sich selbst und den Antisemitismus am lautesten. Einmal im Jahr, im Juni, diente Streicher der knapp 700 Meter hohe Hesselberg in der Nähe von Wassertrüdingen als “Predigtplatz”. Zu seinen “Frankentagen” kamen von 1933 bis 1939 jährlich bis zu 100 000 Zuschauer aus ganz Süddeutschland. Dann beendeten der Krieg und Streichers parteiinterne Entmachtung die Spektakel. In keiner anderen Gegend des Reichs wurde der Nazi-Volksgemeinschaftskult ähnlich stark regionalpatriotisch zelebriert. Vom Frankentag-Wochenende schrieb man sich begeistert Ansichtskarten. Denn die politische Botschaft war in eine Mischung aus Gottesdienst und Volksfest gepackt. Auf Sonnwendfeuer folgten Sport- und Tanzdarbietungen; Kosakenreiter, Brieftauben, Musik und Feuerwerk belustigten die Menge. Zweimal hielt Hermann Göring die Kundgebung, einmal Robert Ley. Hitler besuchte nur einmal die Vorgänger-Veranstaltung 1930. Wie der Frankentag das mythische Format eines Miniatur-Reichsparteitags erreichen konnte, zeigt der Komm-Bildungsbereich in seiner Ausstellung “Der Hesselberg — Ein ‘heiliger’ Ort der Täter”. Kompakt skizzieren Fotografien, Texte und Tondokumente den Werdegang des seit Beginn des 19. Jahrhunderts beliebten Ausflugs- und Versammlungsziels. Streicher trat auf dem Berg erstmals 1926 auf und nutzte ihn bereits 1928 für eine Judenhass-Rede. “Verwunderlich und bemerkenswert” sei es, dass das Phänomen Hesselberg nach dem Krieg aus allen Gedächtnissen verschwunden zu sein schien, sagt Kurator Matthias Dachwald. Die Volkshochschule der evangelischen Kirche, die sich 1951 auf dem Berg niederließ, griff erst in jüngster Zeit die Vergangenheit auf — und nur im Internet. Auch Thomas Greif kann viel von Verdrängung berichten. Der Nürnberger Historiker und Journalist war vor zehn Jahren der Erste, der sich wissenschaftlich detailliert mit dem Hesselberg beschäftigte. Seine 2007 erschienene Doktorarbeit über “Frankens braune Wallfahrt” bildet die Grundlage der Ausstellung. “Man kann nicht so tun, als wäre da nichts gewesen.” Als Beleg dafür, wie widerstrebend sich Teile der Region mit ihrer lokalen NS-Tätergeschichte befassen, wertet Greif das alte Königsdenkmal auf dem Hesselberg. 1856 errichtet, wurde es auf Geheiß der NSDAP 1936 gesprengt — und vergessen. Die mögliche Wiedererrichtung hielte Greif für geeignet, um mit einer “dauerhaften didaktischen Auseinandersetzung” zu beginnen. Er und die Kuratoren hätten ihre Schau — als Wanderausstellung geplant — gern zuerst am Originalschauplatz gezeigt. Doch das Evangelische Bildungszentrum Hesselberg lehnte sie ab. Auch bei den rund 25 angeschriebenen Museen in Franken blieb die Begeisterung aus. Im Moment zeigen sich nur Dinkelsbühl und Gunzenhausen ernsthaft interessiert.
Isabel Lauer
“Der Hesselberg — ein ‘heiliger’ Ort der Täter” im Künstlerhaus
Er ist 689 Meter hoch und damit der höchste Berg in Mittelfranken. Vom Hesselberg, so wirbt der dortige Tourismusverband, hat man einen herrlichen Rundblick über die ganze Region. "Bei gutem Wetter sieht man sogar die Zugspitze." Thomas Greif kann das bestätigen. Auch er hat von dort schon die Alpen gesehen. Wobei es nicht der Panoramablick war. der ihn auf den Berg zog. Greif hat dessen Bedeutung als Kultstätte der Nationalsozialisten erkundet und mit seiner Doktorarbeit .Frankens braune Wallfahrt" eine Ausstellung des KOMM-Bildungsbereichs angeregt. Im Künstlerhaus erzählt “Der Hesselberg — ein ‘heiliger’ Ort der Täter” ab heute (20 Uhr) die bislang wenig beachtete Geschichte der "Frankentage".
Ein beliebtes Wanderziel und Veranstaltungsort war der Hesselberg schon lange bevor die Nazis ihn für sich entdeckten. Seit dem 19. Jahrhundert lockten Volksfeste und Kundgebungen die Franken hinauf. Jedoch niemals so viele wie zwischen 1933 und 1939. Bis zu 100000 Menschen strömten in dieser Zeit einmal im Jahr zum von der NSDAP veranstalteten "Frankentag", auf dem sich "Frankenführer" Julius Streicher wie Adolf Hitler auf dem Reichsparteitag feiern ließ und seine von den Besuchern bejubelten Hetzparolen predigte. "Auf dem Hesselberg", so Rainer Büschel vom KOMM-Bildungsbereich, "wurden die Ressentiments gefeiert, die die Volksgemeinschaft zusammenhielten".
Wobei sich die Sonderzüge aus Nürnberg und weiten Teilen Frankens zum eigens für die Veranstaltung ausgebauten Bahnhof Wassertrüdingen sicherlich nicht nur wegen der Auftritte des Gauleiters und seiner Gäste, darunter Hermann Göring, füllten. Der Frankentag war das. was man heute einen "Event" nennen würde. Bei der Sonnwendfeier am Vorabend vergnügte sich die Jugend, vor den Reden am Sonntag gab es Sportvorführungen. Folklore und Musik. Bier wurde ausgeschenkt und Brotzeit gemacht.
Mit historischem Bild-, Werbe-, Ton- und Filmmaterial nähert sich die Ausstellung dem Hesselberg auf vier Pfaden. Sie beleuchtet seine Vereinnahmung durch die Nazis, den Ausbau zur Kultstätte, Streicher und seine Botschaften, sowie den Umgang mit der Zeit zwischen 1933 und 1945. Während der "Frankentag" fast in Vergessenheit geraten wäre, bemühen sich etwa Schüler der Stephani-Hauptschule in Gunzenhausen. dies mit den jüdischen Bürgern. die einst in ihrer Stadt lebten. nicht geschehen zu lassen. Wie, auch das zeigt die als Wanderausstellung konzipierte Schau.
Ute Maucher
Eine neue Ausstellung dokumentiert, wie die Nationalsozialisten im Norden Bayerns Fuß fassten und den Mythos vom Hesselberg schufen
Nürnberg — Es gab diese Momente, in denen dem Historiker Thomas Greif regelmäßig Protest im Publikum entgegenschlug. Die These, dass der kleinteilige, besonders protestantisch geprägte Raum südlich von Ansbach früh wie kaum ein änderer in der Weimarer Republik den Parolen der Nazis auf den Leim gegangen war, gilt unter Historikern inzwischen als ausgemachte Sache. Im westlichen Mittelfranken aber fühlten sich viele noch bis vor zehn Jahren regelrecht brüskiert, wenn der Historiker das so vortrug. “Glücklicherweise”, sagt er, “ist das eine allmählich aussterbende Reaktion.” Greif selbst dürfte ein Stück dazu beigetragen haben. Er war es, der als erster die Rolle des fränkischen Hesselbergs als nationalsozialistische Kultstätte umfassend schilderte. In seinem Geschichtsbuch “Frankens braune Wallfahrt” untersuchte Greif vor zwei Jahren die Historie der “Frankentage”, die sich seit 1930 zur einer Heerschau des mittelfränkischen Nationalsozialismus entwickelt hatten.
Politische Wallfahrten mit Tanz, Bier und gnadenlosen Hetzreden
Auf Ebene der NS-Gaue gab es im Deutschen Reich kein vergleichbares völkisches Volksfest. In der Region um Ansbach aber begegnete Greif noch bis vor kurzem Menschen, die ihm berichteten, wie wenig sie je erfahren haben vom kleinen Reichsparteitag des “Frankenführers” Julius Streicher auf jenem grünen Hügel, den die Einheimischen bis heute nur “den Berg” nennen. Jetzt dokumentiert eine Ausstellung im Nürnberger “KunstKulturQuartier” die Geschichte der völkischen Wallfahrten. Sie geht zurück auf die Forschungen Greifs. Die Ausstellung zeigt, wie die Nazis auf dem Berg immer zur Sonnwendfeier eine Art samstäglichen NS-Rummel mit kulturellem Programm zelebrierten. Geboten wurden die Darbietungen olympischer Ringer, Tanz und Bier — und eine politische Hetzrede des fanatischen Antisemiten Streicher am Sonntag.
Pro Jahr pilgerten bis zu 100 000 Besucher an den Ort, den Streicher zum “heiligen Berg der Franken” auserkoren hatte. Der gelernte Lehrer, der in zeitgenössischen Quellen als ein Mann von hässlichem Wuchs und geradezu gnomhafter Ersehei-nungbeschrieben wird, gilt als der Urheber der Frankentage. Als Herausgeber des antisemitischen Kampfblatts “Stürmer” gewährte ihm Hitler schon sehr früh eine Sonderrolle im NS-Reich: Streicher durfte sich als einziger neben Hitler ebenfalls “der Führer” nennen, ein Führer im Kleinen. Und er durfte einmal pro Jahr an der Grenze zwischen Franken und Schwaben lokale NS-Weihespiele ausrichten. Sie entwickelten sich zu einer pseudoreligiösen Wallfahrt mit ihm, Julius Streicher, als dem Haupthetzer.
Mit Hilfe historischer Fotos und Filmaufnahmen zeigt die Ausstellung, wie Streicher den Nationalsozialismus als Ersatzreligion zu verklären versuchte. Sogar konkurrierende Nazis erlebten dessen theatralische Peitschreden offenbar als notorisches Gebrüll. In sein Tagebuch notierte kern anderer als Joseph Goebbels: “Streicher spricht. Saumäßig. Aber dennoch, die Stimmung ist da.” Wie die NS-Feste auf die Menschen in der ländlich geprägten Region gewirkt haben müssen, dokumentiert das Gedicht eines Einheimischen, abgedruckt 1935 im Wörnitzboten: “Seit rings um den Berg die Hitlerfahna uns winka / viel besser als sunscht das Brot is' und der Schinka.”
Gerne, sagt Rainer Büschel vom Ausstellungsteam des KunstKulturQuartiers, hätte man die Dokumentation nicht in Nürnberg eröffnet, sondern in der Nähe des Hesselbergs — oder sogar auf dem Berg. Dort aber sei das “bislang mehr oder weniger glatt abgelehnt worden”. Thomas Greif berichtet von ähnlichen Reflexen: Zwar besuchen seine Vorträge über die Frankentage oft mehrere hundert Zuhörer, gerade im Landstrich um den Hesselberg. Seine Idee aber, auf dem Berg mit Schautafeln über die Unselige Geschichte des Ortes zu informieren, war bislang nicht von Erfolg gekrönt.
Warum es das westliche Mittelfranken war, das den Nazis schon Jahre vor der NS-Machtergreifung anheim fiel, ist von Historikern inzwischen oft beschrieben worden. Das Idyll zwischen Dinkelsbühl, Neuendettelsau und Bad Windsheim wies sämtliche Strukturmerkmale auf, die den Nazis zum Durchbruch verhalfen: eine nahezu ausschließlich agrarische Wirtschaftsstruktur, eine vorwiegend in Dörfern und Kleinstädten lebende Bevölkerung und einen seit Jahrhunderten tradierten Antisemitismus. Eine entscheidende Rolle fiel am Ende den nationalprotestantisch gesinnten Ortspfarrern zu. Ein guter evangelischer Christ, so wurde es in den Kirchen auf dem Dorf gepredigt, müsse auch ein guter reichspatriotischer Deutscher sein.
Olaf Przybilla
Ausstellung im Nürnberger Künstlerhaus dokumentiert die Rolle des Hesselbergs als NS-Kultort
NÜRNBERG — Es ist eines der schönsten Ausflugsziele in der Region: Von Orten wie Ehingen, Gerolfingen oder Röckingen aus führen gemütliche Wanderungen auf den Hesselberg, die höchste Erhebung in Mittelfranken. Auf knapp 700 Metern Höhe bietet sich, bei schönem Wetter, ein prächtiger Ausblick, bei besonders klarer Sicht zeichnet sich in der Ferne sogar die Alpenkette ab.
Nichts aber ist mehr von jener düsteren Geschichte zu erkennen, in der eine geradezu kultische Verehrung ihren bedrückenden Gipfel erreichte: In der NS-Zeit war der Zeugenberg zwischen 1933 und 1939 Schauplatz von sieben sogenannten Frankentagen. Bis zu 100 000 Teilnehmer strömten aus allen Teilen Frankens dorthin.
Wie es dazu kam, was dort geschah — und wie alles nach 1945 erst mal verdrängt und vergessen wurde, dokumentiert bis 7. November eine Ausstellung des Komm-Bildungsbereichs in den Räumen des Kunsthauses am Königstor (Dienstag bis Sonntag 10 bis 18, Mittwoch bis 20 Uhr, Eintritt frei).
Den Boden für die Entwicklung zu einem “heiligen” Ort der NS-Propagandisten hatten die Generationen zuvor bereitet: Nach dem Besuch des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm in. 1803 entstand eine “Bergmesse”, eine Mischung aus Kirchweih und bäuerlicher Leistungsschau. Daran knüpften sich bald Feiern mit immer nationalistischerer Prägung, sei es bei Veteranentagen, bei Burschenschaftstreffen oder einer pompösen Erinnerungsfeier an die Völkerschlacht bei Leipzig und den Sieg gegen Napoleon. Mit sicherem Instinkt erkannte der selbst ernannte NS-Frankenführer Julius Streicher die Chance, sich die vorhandenen Traditionen nutzbar zu machen. Zumal sich das Bergareal mit seinen weitläufigen Flächen bestens eignete, Massen zum Beispiel mit stimmungsvollen Sonnwendfeiern und mit vermeintlich harmlosen Darbietungen von Sport, Spiel, Musik und Folklore auf den NS-Kurs einzuschwören.
Schon ab 1926 setzte er sich mit Hasspredigten in Szene, 1928 bereits vor mehreren Tausend Zuhörern. 1930 brachte er Hitler mit. Im westlichen Mittelfranken hatte die NSDAP schon früh mehr Anhänger und Wähler gewonnen als andernorts; dazu hatte nicht zuletzt die Prägung durch einen konservativen und aus christlichen Wurzeln antisemitischen Protestantismus beigetragen.
Seit 2000 erforschen Kinder der Stephani-Mittelschule in Gunzenhausen die Geschichte von ehemaligen jüdischen Bewohnern ihres Städtchens und ihrer Häuser.
W. Heilig-Achnek
Nürnberger Ausstellung erinnert an die Bedeutung des Hesselberges im Dritten Reich
Der Hesselberg gilt heute als Ort des Evangelischen Kirchentags. Fast vergessen ist seine Rolle als “Heiliger Berg der Franken” im “Dritten Reich”.
“Jetzt ist unser Berg auch entnazifiziert”, sagte der Mesner von Gerolfingen am Abend des ersten Kirchentages auf dem Hesselberg im Jahr 1951 vieldeutig zu seinem Pfarrer. Seither hat die starke evangelische Prägung des Berges die Wurzeln dieser Bemerkung fast vergessen lassen. Eine Ausstellung in Nürnberg erinnert an dessen braune Vergangenheit unter dem Titel “Der Hesselberg – ein 'heiliger' Ort der Täter”.
Die NS-Forschung und in ihrem Gefolge das öffentliche Interesse hat sich erst relativ spät den “Täterorten” zugewandt. Zunächst stand das Schicksal der Opfer im Focus: Auschwitz oder Dachau wurden zum Chiffre für die Ungeheuerlichkeit des Holocaust.
Irgendwann gegen Ende der 1980er Jahre begann man dann zu begreifen, dass das “Dritte Reich” ohne die Täter nicht zu denken war und man sich auch vor diesem bitteren Teil der Erinnerung nicht wegducken konnte. In Nürnberg entstand das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, bei Berchtesgaden die “Dokumentation Obersalzberg”, und sogar die Stadt Braunau überwand sich zu einem Mahnstein gegenüber dem Geburtshaus Adolf Hitlers.
“Die Täterschaft und ihre Taten müssen in die Erinnerung einbezogen werden”, forderte schon vor Jahren der Historiker Reinhard Koselleck und prägte den Begriff des “Negativen Gedächtnisses” – eine Eigenart der Gedenkkultur, die in besonderem Maße die Deutschen in die Pflicht nimmt.
Der Hesselberg, den Julius Streicher zum “heiligen Berg der Franken” gemacht hatte und auf den ab 1933 Jahr für Jahr bis zu 100.000 Menschen pilgerten, um den antisemitischen Tiraden des “Frankenführers” zuzujubeln, war bis vor wenigen Jahren ein vergessener Täterort. Die evangelische Kirche hatte sich den geschichtsträchtigen Platz nach Kriegsende ganz bewusst als Standort einer Landvolkshochschule ausgesucht, um mit der braunen BergĀtradition zu brechen. Aus der Eröffnungsfeier der neuen Einrichtung entwickelte sich der Bayerische Kirchentag, eine Veranstaltung mit Strahlkraft ins ganze protestantische Bayern. Für Erinnerung an die dunkĀlen Jahre – und die tiefe Verstrickung der eigenen Kirche – war sehr bald kein Raum mehr.
“Unsere Ausstellung will den Hesselberg als einen vergessenen Ort der Täter ins Bewusstsein zurückholen”, sagt Rainer Büschel vom Komm-Bildungsbereich im Kunst KulturQuartier. Gezeigt wird die Vereinnahmung des beliebten Ausflugsberges durch die Nationalsozialisten noch während der Weimarer Republik, das Geschehen der “Frankentage”, die Bedeutung Streichers und Frankens für die gesamte NS-Bewegung und schließlich die Erinnerungsgeschichte der “Frankentage” nach 1945. Eine Präsentation der Stephanie-Hauptschule in Gunzenhausen zum Schicksal der Juden Gunzenhausens erinnert an die Kehrseite der braunen
Jubelfassade.
Nicht nur historische Fotos und Dokumente machen in der Ausstellung das Geschehen erlebbar. So haben die Initiatoren im privaten Heimatmuseum Spatz in Ehingen ein Sortiment von Festabzeichen und einen originalen Wegweiser zum “Reichspostamt Hesselberg” aufgespürt, der bei den “Frankentagen” im Dienst war.
Das Doku-Zentrum Reichsparteitagsgelände steuerte Filmaufnahmen vom “Frankentag” bei, die vor Jahren bei einer Wohnungsauflösung in Fürth auftauchten. Die Schau ist als Wanderausstellung konzipiert und soll anschließend auch in der Region Hesselberg gezeigt werden, wenn sich interessierte Orte finden.
Thomas Greif
Mit Sonnenschein begann gestern der kalendarische Herbst. Er brachte auch den Hesselberg zum Leuchten. Angesichts der Idylle ist es kaum noch vorstellbar, dass Mittelfrankens höchste Erhebung (689 Meter) im Dritten Reich bei den “Frankentagen” Schauplatz menschenverachtender Propaganda war. In den dreißiger Jahren kamen dort jährlich bis zu rund 100 000 Nazianhänger zusammen, etwa um antisemitischen Hetzreden von NS-Gauleiter Julius Streicher zu lauschen. Eine Ausstellung zu diesem dunklen Kapitel im Nürnberger Künstlerhaus (wir berichteten) hätte ursprünglich zuerst auf dem Hesselberg — im Evangelischen Bildungszentrum — präsentiert werden sollen. Dessen Leiter, Pfarrer Bernd Reuther, erläuterte gestern im FLZ-Interview, weshalb dies in dem Gebäudekomplex nicht möglich gewesen sei. Er wäre jedoch bereit, die Exponate doch noch im Bildungszentrum im organisatorisch möglichen Rahmen zu zeigen. Wenn noch offene Fragen gelöst werden, werden sie voraussichtlich Ende 2011 in Dinkelsbühl im Haus der Geschichte zu sehen sein, so gestern auf FLZ-Anfrage dessen Chefin Ingrid Metzner.
kg
Pfarrer Bernd Reuther, Leiter des Evangelischen Bildungszentrums Hesselberg
Nur am Eingang und in Gängen wäre Platz gewesen - Thematik der Pfarrer mit Hakenkreuz unter dem Talar aufgearbeitet
“Der Hesselberg -ein ‘heiliger‘ Ort der Täter”: Für eine Ausstellung zu diesem Thema, die derzeit in Nürnberg gezeigt wird, fand sich im Evangelischen Bildungszentrum Hesselberg kein geeigneter Platz. Dass die Ausstellungsmacher für die Eröffnung nach Nürnberg ausweichen mussten, stößt derzeit in der Öffentlichkeit teilweise auf Unverständnis. Pfarrer Bernd Reuther erläuterte gestern als Leiter des Zentrums, weshalb die Exponate nicht zuerst vor historischer Kulisse im weitläufigen Gebäudekomplex des Bildungszentrums zu sehen sind.
Ist es wünschenswert, dass die Ausstellung über “Frankens braune Wallfahrten” auf den Hesselberg auch an Ort und Stelle gezeigt wird?
Reuther: Prinzipiell natürlich ja. Wir hatten etwa um Pfingsten in unserem Bildungszentrum ausführliche Gespräche mit den Ausstellungsmachern. "Wir konnten mit ihnen aber auf der rein praktischen Ebene für das Evangelische Bildungszentrum Hesselberg keine Lösung finden.
Warum gelang das nicht?
Reuther: Wir sind ein Bildungshaus. Die Verantwortlichen der Ausstellung wollten für etwa einen Monat für den jetzigen Zeitpunkt oder im kommenden Jahr einen unserer drei größten Räume haben. Doch diese sind langfristig vermietet. Zum Beispiel nutzt unsere Räume an diesem Wochenende ein Bach-Chor, danach ist eine kirchliche Tagung hier im Haus und so fort.
Spielte es auch eine Rolle, dass die Ausstellung einen Monat dauern sollte?
Reuther: Ja. Wir können auf einen der großen Räume nicht so lange verzichten. Das ist bei uns nicht möglich. Was ich anbieten konnte, war, dass wir maximal eine Woche herausschlagen in unserem Belegungskalender. Daraufhin lautete jedoch die Auskunft, dass es sich für so einen kurzen Zeitraum nicht lohne, die Ausstellung aufzubauen. Wir haben daraufhin unsere Gänge angeboten. Das war aus Sicht der Ausstellungsmacher aber auch nicht wünschenswert. Wir sind einfach auf der praktischen Ebene nicht zusammengekommen. Und ich kann nicht Gruppen, die vor zwei Jahren bei uns gebucht haben, einfach absagen.
Wäre eine solche Ausstellung nicht eine Chance, die Exponate mit einem Seminarprogramm zu verbinden, zumal man dabei auch die Rolle der evangelischen Kirche bei den NS-Franken-tagen beleuchten könnte?
Reuther: Wir haben die Veranstaltungen der Nazis auf dem Hesselberg im Dritten Reich bereits vor einigen Jahren zum Thema von Veranstaltungen gemacht. Wir waren diejenigen, die vor etwa fünf Jahren dieses Thema “Die braune Vergangenheit des Hesselbergs” hier gepuscht haben, mit vielen Veranstaltungen auch mit dem Historiker Thomas Greif - auf dessen Buch “Frankens braune Wallfahrt. Der Hesselberg im Dritten Reich” die Ausstellung aufbaut. Also, wir waren hier inhaltlich die letzten Jahre immer mit vorne dran.
Welche Flächen haben Sie denn in dem Bildungszentrum zur Verfügung?
Reuther: Wir haben verschiedene Seminarräume in verschiedenen Größen, aber die sind ausgelastet. Wir sind froh, dass wir ausgelastet sind. Was ich anbieten konnte, war ein Raum von Montag bis Freitag. Ich verstehe, dass dies aus Sicht der Ausstellungsmacher ein kurzer Zeitraum ist, angesichts des enormen Aufwands dafür, die Ausstellung aufzubauen. Aber ich finde es andererseits unfair, uns jetzt in der Öffentlichkeit den Schwarzen Peter zuzuschieben. Wenn behauptet wird, es habe merkwürdige Gründe für die Absage gegeben, dann ärgert mich das. Es berührt mich sehr merkwürdig, dass die Ausstellungsmacher keinerlei Verständnis für unsere Situation haben, ja schlimmer noch, mir persönlich fragwürdige Motive unterstellen.
Finden Sie es schade, dass eine solche Ausstellung, in der es um den Hesselberg geht, nicht erstmals auf dem Berg präsentiert werden konnte?
Reuther: Ja. Wenn wir einen Kom-promiss gefunden hätten, eine Kleinvariante, dass wir die Ausstellung in unserem Eingangsbereich und auf unseren Gängen präsentiert hätten, wäre das geglückt. Kompromissbereitschaft von der anderen Seite wäre dafür notwendig gewesen. Ich hatte mich für weitere Gespräche angeboten, aber keine Antwort mehr bekommen.
Jetzt wird die Ausstellung in vier kleineren Räumen in der Stadt Nürnberg erstmals gezeigt. Könnten sie vier solche Räume für einen Monat entbehren?
Reuther: Nein, ebenfalls nicht. Wir vergeben unsere Räume jetzt bereits für 2012/2013. In unserem sanierten und erheblich vergrößerten Speisesaal stellen wir zwar Bilder regionaler Künstler aus, aber wir haben auch dort nicht genügend Platz für eine solche Ausstellung.
Wie geht die evangelische Kirche mit ihrer eigenen Rolle und der ihrer Pfarrer im Dritten Reich um?
Reuther: Es ist auf jeden Fall notwendig, das aufzuarbeiten. Dass viele Kollegen damals das Parteiabzeichen unter dem Talar getragen haben, ist ein Thema, das schon lange in vielen Teilen unserer Kirche bearbeitet wurde und wird. Auch wir im Bilduiigszen-trum haben uns diesem Thema in der Zeit meiner Verantwortung immer gestellt. Es geht in puncto Ausstellung überhaupt nicht um inhaltliche Bedenken, sondern ausschließlich um die Raumfrage. Nur organisatorische und technische Probleme haben dazu geführt, dass wir mit den Ausstellungsmachern nicht zusammengekommen sind.
Interview: Kurt Güner
Sie lauschten den antisemitischen Hetzparolen des Hitler-Vertrauten Julius Streicher und vergnügten sich bei Kultur und Sport. Rund 100.000 Menschen sind von 1933 bis 1939 jedes Jahr auf den mittelfränkischen Hesselberg zum “Frankentag” gepilgert. Doch dieses Kapitel der NS-Vergangenheit in Franken ist nach Ansicht des Historikers Thomas Greif nach dem Krieg schnell in Vergessenheit geraten. Eine Ausstellung, die am Dienstag im Nürnberger Künstlerhaus vorgestellt wurde, soll das ändern.
“Man kann nicht so tun, als wäre da nichts gewesen”, sagte Greif, der mit seinen Forschungen zur NS-Kultstätte Hesselberg die wissenschaftliche Grundlage für die Schau gelegt hat. So wird nun nachgezeichnet, warum gerade der Hesselberg die Nazis so faszinierte und wie sie dort ihre Massenveranstaltungen inszenierten.
Wer heute den knapp 700 Meter hohen Hesselberg im Landkreis Ansbach besuche, “kann nicht einmal erahnen, was damals passiert ist”, sagte Greif. “Darum sollten wir kämpfen, dass es dauerhaft eine didaktisch-pädagogische Auseinandersetzung mit dem Thema gibt.”
Die Schau mit zahlreichen Bild-, Text- und Tondokumenten, die am Mittwoch eröffnet wurde und am 7. November endet, ist deshalb als Wanderausstellung konzipiert worden, sie könnte auch in anderen Städten gezeigt werden. Rund 25 Institutionen in Mittelfranken habe man angeschrieben, doch die Resonanz sei verhalten, berichtete Kura-tor Matthias Dachwald.
Schon vor der Machtübernahme der NSDAP lud Streicher zu Propagandaveranstaltungen auf den Hesselberg,, die höchste Erhebung Mittelfrankens. Auf dem Plateau hetzte er bereits 1928 vor rund 3000 Anhängern gegen die Juden. Er sprach aus dem offenen Wagen zu seinen Zuhörern - und inszenierte sich wie ein Prediger. Zwei Jahre später war dann Adolf Hitler zu Gast, es war der einzige Besuch des Diktators auf dem Hesselberg. Mit Kriegsbeginn endete das Festprogramm auf dem Hesselberg, auch aus den hochfliegenden Plänen Streichers, dort eine Adolf-Hitler-Schule und für sich ein Mausoleum zu errichten, wurde nichts.