Lust auf Goethe,
blind date mit einem Klassiker

1749 - 1999

 

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LIEBEN, LEIDEN,
LEIDENSCHAFT
Das Doktor-Goethe-Team antwortet

 

Hakan (17):
Seit drei Jahren bin ich mit meiner Freundin zusammen. Und sobald ich volljährig bin, will ich sie heiraten. Aber sie zögert noch. Wie kann ich sie am besten überzeugen?

Das Doktor-Goethe-Team:
Wer wird sich denn gleich heiraten, wenn man liebt? Liebe ist etwas Ideelles, Heiraten etwas Reelles, und nie verwechselt man ungestraft das Ideelle mit dem Reellen.


Judith (16):
Ich kann stundenlang vor dem Spiegel stehen und muss mir von meinem Bruder deswegen immer wieder Vorwürfe anhören. Ist das eigentlich normal?

Das Doktor-Goethe-Team:
Die Weiber, sagt man, sind eitel von Hause aus; doch es kleidet sie, und sie gefallen uns desto mehr.


Pamela (14):
Mein Problem ist das Nägelkauen. Obwohl ich es mir schon längst abgewöhnen wollte, werde ich immer wieder rückfällig.

Das Doktor-Goethe-Team:
Jeder hat seine Eigenheiten und kann sie nicht loswerden, und doch geht mancher an seinen Eigenheiten, oft an den unschuldigsten, zugrunde.


Felix (16):
Mein Vater nörgelt dauernd an mir herum, das geht mir ganz schön auf den Senkel. Wie kann ich mich dagegen schützen?

Das Doktor-Goethe-Team:
Gegen die Kritik kann man sich weder schützen noch wehren; man muß ihr zum Trotz handeln, und das läßt sie sich nach und nach gefallen.


Mario (17):
Ich weiß natürlich, wie wichtig Verhütung ist. Trotzdem habe ich keine große Lust, Kondome zu verwenden.

Das Doktor-Goethe-Team:
Es ist nicht genug zu wissen, man muß es auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muß es auch tun.


Hülya (14):
Die Berufsberaterin hat mir empfohlen, mich um einen Ausbildungsplatz als Kfz-Mechanikerin zu bewerben. Aber ist das überhaupt etwas für mich?

Das Doktor-Goethe-Team:
Wenn die Frauenzimmer immer wüßten, was sie könnten, wenn sie wollten!


Maria (17):
Meine Freundin läuft total abgedreht herum. Ich verstehe nicht, wie man sich so herrichten kann.

Das Doktor-Goethe-Team:
Frauen sollten durchaus mannigfaltig gekleidet gehen; jede nach eigener Art und Weise, damit jede fühlen lernte, was ihr eigentlich gut stehe und wohl zieme.


Frank (15):
Auf dem Weg zur Schule genehmige ich mir immer eine Zigarette. Neulich spricht mich deswegen eine Frau in der Straßenbahn an und murmelt irgend etwas von wegen „Jugendschutzgesetz“. Hat die Frau Recht?

Das Doktor-Goethe-Team:
Wenn man alle Gesetze studieren sollte, so hätte man gar keine Zeit, sie zu übertreten.


Bettina (14):
Alle regen sich darüber auf, dass mein Freund Pickel hat. Aber ich finde: Das macht ihn erst richtig interessant. Oder?

Das Doktor-Goethe-Team:
Der liebt nicht, der die Fehler des Geliebten nicht für Tugenden hält.


Hasso (13):
Meinem Penis habe ich bis jetzt wenig Beachtung geschenkt. Mehr durch Zufall habe ich jetzt entdeckt, dass er steif wird, wenn man an ihm reibt. Ist das bei allen Jungen so?

Das Doktor-Goethe-Team:
Die Freude des ersten Gewahrwerdens, des sogenannten Entdeckens, kann uns niemand nehmen. Verlangen wir aber auch Ehre davon, die kann uns sehr verkümmert werden, denn wir sind meistens nicht die ersten.


Niko (18):
Ich kann es immer noch nicht fassen: Ich bin bei der Führerscheinprüfung durchgefallen. Wie soll ich jemals wieder auf die Beine kommen?

Das Doktor-Goethe-Team:
Unglück bildet den Menschen und zwingt ihn, sich selber zu erkennen, Leiden gibt dem Gemüt doppeltes Streben und Kraft.


Angela (14):
Meine beste Freundin redet nicht darüber. Aber ich weiß, dass sie auf mich neidisch ist, weil ich den größeren Busen habe. Kann unsere Freundschaft deswegen kaputtgehen?

Das Doktor-Goethe-Team:
Der Haß ist ein aktives Mißvergnügen, der Neid ein passives; deshalb darf man sich nicht darüber wundern, wenn der Neid so schnell in Haß übergeht.


Sven (15):
Auf dem Skateboard bin ich so etwas wie ein Naturtalent. Jetzt wollen meine Eltern, dass ich Unterricht bei einem Profi nehme. Was soll ich tun?

Das Doktor-Goethe-Team:
Ein Talent wird nicht geboren, um sich selbst überlassen zu bleiben, sondern sich zur Kunst und guten Meistern zu wenden, die denn etwas aus ihm machen.


Dorina (15):
Meine kleine Schwester treibt mich noch zum Wahnsinn: Wo sie geht und steht, muss sie mit riesigen Kaugummiblasen auf sich aufmerksam machen.

Das Doktor-Goethe-Team:
Die Welt ist groß. Jeder darf sich auf seine Weise vergnügen.


Fabio (16):
Seit zwei Jahren bin ich jetzt Raucher und seit meinem 1 Geburtstag darf ich auch in der Öffentlichkeit rauchen. Aber zu Hause wollen mir meine Eltern das Rauchen verbieten.

Das Doktor-Goethe-Team:
Es liegt auch im Rauchen eine arge Unhöflichkeit, eine impertinente Ungeselligkeit. Wer ist denn imstande, in das Zimmer eines Rauchers zu treten, ohne Übelkeit zu empfinden? Wer kann darin verweilen, ohne umzukommen?


Hassina (13):
Gestern hatte meine Mutter Besuch von einer Kosmetik-Beraterin. Bei der Gelegenheit hat sie mir empfohlen, es doch einmal mit einem Makeup zu versuchen. Bin ich dafür mit nicht zu jung?

Das Doktor-Goethe-Team:
Die Schönheit ist gefällig, ob sie gleich ein Geschenk des Himmels und kein selbsterworbener Wert ist.


Paul (16):
Bei uns gibt es seit meinem Zwischenzeugnis dauernd Zoff: Mein Vater besteht darauf, dass ich arbeiten gehe – und meine Mutter möchte lieber, dass ich auf der Schule bleibe. Ist das normal?

Das Doktor-Goethe-Team:
Die Männer denken mehr auf das Einzelne, auf das Gegenwärtige, und das mit Recht, weil sie zu tun, zu wirken berufen sind; die Weiber hingegen mehr auf das, was im Leben zusammenhängt, und das mit gleichem Rechte, weil ihr Schicksal, das Schicksal ihrer Familien an diesem Zusammenhang geknüpft ist.


Kerstin (15):
Ich bin mit meinem Freund jetzt schon ein halbes Jahr zusammen. Neulich machte er den Vorschlag, wir sollten es doch mal mit Petting versuchen. Muss ich mich dabei ausziehen?

Das Doktor-Goethe-Team:
Die menschliche Gestalt kann nicht bloß durch das Beschauen der Oberfläche begriffen werden, man muß ihr Inneres entblößen, ihre Teile sondern, die Verschiedenheiten kennen, sich von Wirkung und Gegenwirkung unterrichten.


Bianca (15):
Als neulich meine Eltern weg waren, habe ich meinen Freund zum Kuscheln am Kamin eingeladen. Es war zunächst sehr schön, aber plötzlich wollte er mehr.

Das Doktor-Goethe-Team:
Die Frauen sind immer ein wenig selbst schuld, wenn die Männer sich zu viel herausnehmen. Man muß dem Männergeschlecht wohl recht geben, aber nicht recht lassen.


Fabian (17):
Meine Freundin ist todunglücklich, weil ihre Nase angeblich zu groß ist. Jetzt spielt sie mit dem Gedanken, zum Schönheitschirurgen zu gehen. Welchen Rat soll ich ihr geben?

Das Doktor-Goethe-Team:
Es ist mit dem Ratgeben ein eigenes Ding, und wenn man eine Weile in die Welt gesehen hat, wie die gescheitesten Dinge mißlingen und das Absurdeste oft zu einem glücklichen Ziele führt, so kommt man wohl davon zurück, jemanden einen Rat erteilen zu wollen.


Dimitri (17):
Für das erste Mal habe ich alles vorbereitet. Nur weiß ich noch nicht, welches Getränk sich dafür am besten eignet. Pepsi? Mezzo-Mix? Fanta Limette?

Das Doktor-Goethe-Team:
Wenn ihr Wein getrunken habt, seid ihr alles doppelt, was ihr sein sollt: noch einmal so leicht denkend, noch einmal so unternehmend, noch einmal so schnell ausführend.


Mareike (14):
Mein Banknachbar ist ein richtig toller Kumpel. Er lässt mich immer bei sich abschreiben und gibt mir auch was von seinem Pausenbrot ab. Am liebsten würde ich ihn fragen, ob er mit mir gehen will.

Das Doktor-Goethe-Team:
Wenn wir immer vorsichtig genug wären und uns mit Freunden nur von einer Seite verbänden, von der sie wirklich mit uns harmonieren, und ihr übriges Wesen weiter nicht in Anspruch nähmen, so würde die Freundschaft weit dauerhafter und ununterbrochener sein.


Daniela (13):
Ab und zu schließen sich meine Eltern im Schlafzimmer ein. Ich möchte zu gerne wissen, was da abgeht.

Das Doktor-Goethe-Team:
Man will mancherlei wissen und kennen und gerade das, was einen am wenigsten angeht, und man bemerkt nicht, dass kein Hunger dadurch gestillt wird, wenn man nach der Luft schnappt.


Olaf (15):
Jeden Abend sitze ich vor dem Fernseher, um mir die jüngste Folge von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ anzuschauen. Mein Vater sagt, ich soll damit endlich aufhören. Ob ich das packe?

Das Doktor-Goethe-Team:
Eine alte Gewohnheit legt sich so schnell nicht ab und eine Richtung, die wir früh genommen, kann wohl einige Zeit abgelenkt, aber nie ganz unterbrochen werden.

 

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Stand: 23.6.1999
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