Harriet Andersson zählt neben Liv Ullmann, Bibi Andersson und Ingrid Thulin zu den großen Darstellerinnen in Ingmar Bergmans Filmwerk. Niemand von "Bergmans Frauen" war öfter in seinen Filmen zu sehen als sie. Zwischen 1952 und 1985 spielte sie in insgesamt zehn seiner Filme.Harriet Anderssons erste Rolle in einem Bergman-Film ist zugleich ihre erste Hauptrolle. DIE ZEIT MIT MONIKA macht die 20jährige 1952 international bekannt. Der Film erzählt die Geschichte der jugendlichen Arbeiterin Monika, die versucht, der Enge der bürgerlichen Gesellschaft zu entkommen und mit ihrem Freund auf einem kleinen Boot der Stadt entflieht. Harriet Anderssons Monika ist eine der herausragenden schauspielerischen Darbietungen der Filmgeschichte. Sie füllt Monika auf eine Art mit Leben, die jenseits der Kategorien guten Schauspiels liegen. Es ist das, was Ingmar Bergman im Sinn gehabt haben muss, wenn er in seiner Autobiographie ihrer schauspielerischen Begabung "einen Anflug von Genialität" zuschreibt. Harriet Andersson erschafft eine lebendige Figur, die in ihrer Ambivalenz als Identifikationsmodell ungeeignet ist. Mit Mut zur Hässlichkeit und Gemeinheit zeichnet sie Monika als Mischung sinnlicher Lebenslust und wilder Körperlichkeit, beseelt von einem unbedingten Freiheitsdrang und getrieben von dem Zwang nach sofortiger Bedürfnisbefriedigung. Monika ist die nicht verfügbare, nicht domestizierbare Frau, die in ihrer Rebellion gegen das Bürgerliche für François Truffauts alter ego Antoine Doinel zum Vorbild werden wird. Truffaut lässt seinen Antihelden in SIE KÜSSTEN UND SIE SCHLUGEN IHN (1958) in einem Kino Aushangfotos von Monika stehlen und kopiert in seiner Schlusseinstellung die vorletzte Szene aus Bergmans Film. Jean-Pierre Léaud blickt wie Harriet Andersson direkt ins Objektiv und bricht damit eine der bis dahin gültigen Regeln des Films: "Hier wird plötzlich und zum ersten Mal in der Filmgeschichte mit dem Zuschauer schamlos Kontakt aufgenommen" (Ingmar Bergman).
Wichtige Filme außerhalb der Zusammenarbeit mit Ingmar Bergman entstehen in den 60er und 70er Jahren vor allem unter der Regie ihres Mannes Jörn Donner. Gelegentlich spielt Harriet Andersson in internationalen Produktionen, so etwa in Sidney Lumets THE DEADLY AFFAIR (1966) an der Seite von James Mason, Simone Signoret und Maximilian Schell, mit Orson Welles in Robert Siodmaks Monumentalfilm KAMPF UM ROM (1968) sowie mit Jerry Lewis in dessen THE DAY THE CLOWN CRIED (1972). Parallel zu ihrer Filmarbeit spielt Harriet Andersson auch am Theater in Malmö, Helsingborg und Stockholm. Insgesamt wirkte sie in mehr als 80 Filmen für TV und Kino mit. Zuletzt war sie in Lars von Triers DOGVILLE (2003) zu sehen.Wir freuen uns sehr, dass Harriet Andersson am 14. und 15.1. DIE ZEIT MIT MONIKA und ABEND DER GAUKLER präsentieren wird und im Anschluss zum Filmgespräch zur Verfügung steht. Weiterhin möchten wir auf die Vorstellungen der anderen Bergman-Filme mit Harriet Andersson hinweisen: LEKTION IN LIEBE (22./23.1.), FRAUENTRÄUME (23./24.1.) und DAS LÄCHELN EINER SOMMERNACHT (27.1.-2.2.). Im Februar folgen WIE IN EINEM SPIEGEL, SCHREIE UND FLÜSTERN und FANNY UND ALEXANDER.


