Im Nachkriegsdeutschland spielte sich Romy Schneider als Kaiserin Sissi in die Herzen von Millionen von Zuschauern. Später zeigte sie, losgelöst vom Image des Heimatfilms, in Filmen von renommierten Regisseuren wie Orson Welles, Luchino Visconti oder Claude Sautet ihre wahren schauspielerischen Fähigkeiten.Im Oktober (30.9. bis 2.11.) präsentiert das Filmhaus eine Auswahl ihres Werkes. Gezeigt werden soll die schauspielerische Entwicklung einer Frau, die 22 Jahre nach ihrem Tod, einer fast 30jährigen Karriere mit 60 abendfüllenden Filmen, noch heute zu einer der international anerkanntesten deutschsprachigen Schauspielerinnen gehört.
Romy Schneider wurde am 23. September 1938 unter dem bürgerlichen Namen Rosemarie Magdalena Albach in Wien geboren. Sie war das erste von zwei Kindern des Schauspielerehepaares Magda Schneider und Wolf Albach-Retty. Obwohl Romy Schneider nach der mittleren Reife Modedesignerin werden wollte, debütierte sie mit 14 Jahren ohne jegliche schauspielerische Ausbildung an der Seite ihrer Mutter in WENN DER WEISSE FLIEDER WIEDER BLÜHT (1953). Nur zwei Jahre später wurde sie durch ihre Darstellung der österreichischen Kaiserin SISSI (1955 - 1957) zum Superstar. Vom Publikum geliebt, von der Kritik geschmäht, versuchte sich Romy Schneider mit Filmen wie ROBINSON SOLL NICHT STERBEN (1956) oder MONPTI (1957) von der Rolle des antiquierten lieblichen Mädchens zu lösen und einen anderen Typ Frau auf der Leinwand zu verkörpern.
Während der Dreharbeiten zu CHRISTINE (1958), in der gleichen Rolle, die ihre Mutter 25 Jahre zuvor in Max Öphuls´ LIEBELEI gespielt hatte, lernte sie den französischen Nachwuchsdarsteller Alain Delon kennen, mit dem sie sich 1959 verlobte. Nach weiteren Kostümfilmen wie KATJA, DIE UNGEKRÖNTE KAISERIN (1959), gaben ihr erst der Umzug nach Paris und die intensive künstlerische Förderung Luchino Viscontis im Theaterstück SCHADE, DASS SIE EINE HURE IST und in seinem Beitrag zu BOCCACCIO 70 (1955), die Gelegenheit, ihr schauspielerisches Können zu entfalten. Nach der Rolle der Leni in Orson Welles´ DER PROZESS (1962), für den sie in Frankreich als beste ausländische Schauspielerin ausgezeichnet wurde, folgten Angebote aus Hollywood. Doch schnell erkannte sie, dass angloamerikanische Produktionen wie die Komödie LEIH` MIR DEINEN MANN (1963) oder WAS GIBT´S NEUES PUSSY (1964) nicht zu ihrer Persönlichkeit passten. Sie kehrte zurück nach Europa. Ihre Karriere geriet ins Stocken und mit der Geburt ihres Sohns David rückte ihr Privatleben in den Vordergrund.
1968 kehrte sie für den Film DER SWIMMINGPOOL nach Frankreich zurück. Der Film wurde zu einem riesigen Publikumserfolg und leitete einen neuen Abschnitt ihrer Karriere als gereifte Frau ein. Kurze Zeit später kam es zur ersten Begegnung mit Claude Sautet, mit dem Romy Schneider ihre größten Erfolge feierte. Es waren die gemeinsamen Filme DIE DINGE DES LEBENS (1969), DAS MÄDCHEN UND DER KOMMISSAR (1970), CÉSAR UND ROSALIE (1972), MADO (1976) und EINE EINFACHE GESCHICHTE (1978), die Romy Schneiders Persönlichkeit als lebenserfahrene, souveräne und ebenso kraftvolle wie sanfte Heldin gerecht wurden. An der Seite ihres bevorzugten Schauspielpartners Michel Piccoli in TRIO INFERNAL (1973) und mit den Filmen LUDWIG II (1972) sowie NACHTBLENDE (1974), für den sie mit dem französischen César als beste Schauspielerin des Jahres ausgezeichnet wurde, verabschiedete sich sie endgültig von ihrem Sissi-Image. Romy Schneider entwickelte sich zur Symbolfigur des französischen Kinos. In DIE SPAZIERGÄNGERIN VON SANS-SOUCI (1981) bestach das Filmpaar Schneider-Piccoli ein letztes Mal durch sein harmonisches Zusammenspiel, und der Film sollte Romy Schneiders filmisches Testament werden.Trotz häufiger Appelle Romy Schneiders an die Öffentlichkeit wurde ihre Privatperson ein Leben lang mit ihren Filmrollen vermischt. "Ich kann nichts im Leben, aber alles auf der Leinwand", sagte Romy Schneider einst und sprach damit offen ihr schwieriges und wenig ausgeglichenes Privatleben an. Doch ihre Offenheit gegenüber Journalisten und ihre freimütigen Auskünfte über ihre Intimsphäre, mit denen sie später immer wieder konfrontiert wurde, führten schließlich zu Spannungen in ihrem Verhältnis zu den Medien, deren Verfolgungen sie mehr und mehr ausgesetzt war. Der Selbstmord ihres ersten Ehemanns Harry Mayen 1979 und der tödliche Unfall ihres 14jährigen Sohns David 1981 waren schwere Schicksalsschläge, die ihre letzten Lebensjahre zeichneten. Sie starb nur wenige Monate nach dem Tod ihres Sohnes, gerade als sie auf dem Weg war, sich von beruflichen wie privaten Rückschlägen zu erholen.
Die zierliche Frau mit dem "reinen Kinogesicht" überzeugte Regisseure und Schauspielpartner immer wieder mit Ehrgeiz und Perfektion. Romy Schneider war eine Charakterdarstellerin, die ihren Rollen die Authentizität ihres Gefühlslebens gab und sich so die Öffentlichkeit eroberte. Man identifizierte sie mit ihren Rollen. Die Metamorphose von der süßen Sissi bis zur verruchten Komplizin Michel Piccolis in TRIO INFERNAL erhob sie gleichzeitig zu einem Mythos."Aber wenn eine vollkommene Übereinstimmung besteht zwischen dem, was man spielt, und dem, was man spürt und unbedingt ausdrücken möchte, dann ist die Tatsache, Schauspielerin zu sein, wie ein erhabenes Geschenk, das Paradies oder die Hölle!" (Romy Schneider).


