Profil des Hauses
Sanam, Javeh, Maryam und Niloufar stülpen sich kleine Zelte aus buntem Leinen über die vom Bewegungstraining noch schwitzenden Körper. Die Berliner Choreographin Helena Waldmann will „noch mal eben schnell“ eine neue Passage ausprobieren. Die iranischen Tänzerinnen haben sich längst an Waldmanns Spontaneinfälle gewöhnt. Damals schon als sie in Teheran mit diesem Stück „Letters from Tentland“ anfingen zu produzieren. Heute gastieren die jungen Frauen mit diesem mittlerweile auf der ganzen Welt aufgeführten Bildertheater in der Tafelhalle. Auf der Probebühne, im gerade frisch renovierten hinterem Trakt, neben den Produktionsbüros und dem einladenden Theatercafé, bereiten sie sich auf ihren Auftritt vor. In farbigen kleinen Zelten, heimelig anzusehen im ausgetüftelten Bühnenlicht, beschützend vor neugierigen Blicken, aber auch Lebensraum beengend wie unter einem Tschador versteckt, tanzen sie auf der 24 mal 10 Meter weiten aufgelassenen Bühne der ehemaligen Schraubenfabrik „Tafelwerk“ ihre „Briefe aus dem Zeltland“.Gestern übten hier noch Kinderliedermacher aus Göttingen, nächste Woche werden 14 indische Tänzerinnen, eine Kathakali-Truppe, hier ihre Schminkrituale zelebrieren, ehe Carlos, der brasilianische, in Nürnberg heimisch gewordene Choreograph, letzten Feinschliff an seine ganz eigne Version von „Romeo+Julia“ anlegen wird.
Ein Ausschnitt aus dem Veranstaltungskalender der Tafelhalle. Hier, in dieser Fabrikationshalle, die als Relikt eines einst gewaltig bemessenen Industriegeländes, das die Bedeutung Nürnbergs als Standort für Schwermetallverarbeitung unterstrich, übrig geblieben ist, zog 1987 neues Leben ein. Auf dem „Tafelwerk“, 1875 von Julius Tafel gegründet und 200 Jahre später als Industrieruine zurückgelassen, wird ein Ort für „Musik Tanz Theater“. Der kompakt anmutende Bau, an den sich das ebenfalls in städtischer Regie betriebene „Museum Industriekultur“ anschließt, bietet Platz für einen bis zu 500 Besucher fassenden Theatersaal,
eine Probebühne und ein Theatercafé, für Garderoben, Werkstätten, Produktionsbüros.
Eine eigene Abteilung im KuF, die Abteilung Tafelhalle & Festivals, betreibt die Tafelhalle nach einem kulturpolitisch vorgegebenen Konzept: Als Ort für in freien Produktionsformen entwickelten künstlerischen Arbeiten in allen Sparten der darstellenden Kunst (Theater, Musiktheater, Tanz, Performance) und der Musik, bevorzugt, um die freie, regionale Szene zu fördern und exemplarisch zu präsentieren und um die regionale Szene mit anderen Szenen in Netzwerken zu begleiten.In der Tafelhalle finden Produktionen, Koproduktionen, Gastspiele, Festivals und Konzertreihen ihren Platz, die gerne spartenübergreifenden, also interdisziplinären Charakter haben, interkulturell motivuert sind oder auch aktuelle Tendenzen künstlerisch-ästhetischer Entwicklungen und Stilformen aufgreifen und präsentieren. Der Schwerpunkt des Programms liegt auf der Förderung und Realisierung freier Produktionen. Die Tafelhalle soll primär ein Ort sein, an dem die sogenannte „freie Szene“ lokal, regional, international arbeiten, experimentieren, aufführen, gastieren kann. Das soll zum einen die Szene fördern, aber auch die Kulturlandschaft in Nürnberg neben den Arbeiten des Staatstheaters und anderen privaten Anbietern bereichern.
So breit und bunt die sich immer wieder neu erfindende „freie Szene“ sich darstellt, so ausladend kann dann auch das Spektrum des Spielplanes der Tafelhalle sein. In Koproduktion entstehen Tanztheaterarbeiten, mit örtlichen Gruppen wie z.B. dem mit Sprache und Bewegung experimentierenden Ensemble co>labs oder dem Tanzspracheforscher Carlos Cortizo oder auch der international renommierten, in Bonn ansässigen Gruppe Cocoondance. Eine Reihe in Zusammenarbeit mit dem InterKulturBüro des KuF mit Weltmusik-Konzerten, „Südwinde“, zieht sich ebenfalls durch den pro Saison ca. 200 Veranstaltungen umfassenden Spielplan wie die „Art Of Jazz“ Konzerte, die mit dem örtlichen Jazzclub zusammen organisiert werden. Oder eine Kabarettschiene mit dem privaten Verein nürnberger burgtheater oder es gastieren Künstler wie Ulrich Tukur, Schauspieler wie Dominique Horwitz oder Chanteusen wie Georgette Dee oder die Geschwister Pfister.
Gebündelt werden viele Programmlinien regelmäßig in Festivals wie dem Internationalen Figurentheaterfestival, in Projektwochen und Themenschwerpunkte. Und wenn der Sommer nach Nürnberg kommt, verlegt die Tafelhalle alle Aktivitäten nach draußen und bespielt mit der Ruine des ehemaligen Katharinenklosters im Herzen der Altstadt einen der wohl stimmungsvollsten Orte der Stadt.



