7. Juli bis Ende Oktober 2000 log.lounge Erlangen

write.in: Odysseen im Netzraum
Gemeinschaftliche Hyper-Science-fiction zu den Utopien des (Über-)
Lebens um, mit und über das Netz
Das Netz ist die Botschaft
Viele Journalisten, Wissenschaftler und neuerdings auch klassische
Schriftsteller schreiben über das Netz: über die phantastischen
Möglichkeiten, die kriminellen Energien, über Fallstricke, Fehlleitungen,
kulturelle Entgleisungen, Gefahren, Utopien selbst in Hollywoodfilmen wie
Matrix scheint das Netz inzwischen als neuer Schauplatz, als ein neues Genrethema
angekommen zu sein.
Gleichzeitig schreibt sich das Netz sozusagen selbst seine eigene Story,
seine eigenen vernetzten Geschichten , Reiseabenteuer, Entdeckungsberichte,
Briefe von Freunden für virtuelle soziale Gemeinschaften, Logbücher,
Liebesromane. Das Internet sei ein weltweites Gespräch , das man nicht
zensieren dürfe, urteilten weise amerikanische Richter in der Zurückweisung
umfassender Zensurmaßnahmen im Jahre 1999.
In unzähligen Newsgroups, Mailing-Listen oder auch in verschiedenen
verstreuten Mitschreibeprojekten ist längst möglich und wird auch
längst praktiziert, was zunächst als ein phantastischer Traum
einiger Bastel-Universalisten erschien: die UserInnen, SurferInnen, NetzbewohnerInnen
selbst sind massenhaft zu Schreibenden geworden!
Im Netz ist jeder Leser potentiell auch ein Schreiber!
Wo bleiben die Visionen und Utopien?
Großprojekte wie die Expo 2000 haben trotz vollmundiger
Ankündigungen außer protzigen Multimedia-Projektionen bisher
wenig visionäre Kräfte freisetzen können. Ohnehin scheint
in Zeiten der Globalisierung der Raum für Visionen und Utopien, wie
sie noch in den euphorischen Anfangszeiten des Netzes aufkeimten, eng geworden
zu sein.
write.in: Odysseen im Netzraum will hier im Mikrobereich eine
Art geschichtenerzählende Maschine einrichten, einen offenen Schreibraum,
in dem viele verschiedene Geschichten und Erzählstränge wachsen,
wuchern und sich vor allem auch verbinden und vermischen können.
Die Schreibszene
In write.in: Odysseen im Netzraum
wird das ungeheure Potential des Netzes, nämlich
Werkzeug und soziale Plattform für verschiedene Formen der Zusammenarbeit
zu sein, spielerisch für ein utopisches/literarisches Projekt eingesetzt:
Ausgehend von einer Grunderzählung aus verschiedenen Materialien, Anfängen,
Strängen und Ebenen soll eine weit verzweigte Geschichte zusammengeschrieben,
-getragen und -gesammelt werden, in der die Utopien, Szenarien, Wünsche
und Erfahrungen des Lebens im und um das Netz von den BenutzerInnen direkt
einfließen können. An jeder Stelle dieses stetig wachsenden Textbaumes
( treefiction ) kann eingehakt, weitergeschrieben, eine Umleitung eingeschlagen,
können Kommentare, eigene Ideen eingefügt werden. Auch neue Erzählstränge
können begonnen werden, ein offener Imaginationsraum, der sich beim
Einspinnen ins Netz auftut, Straßen und Wege, die sich beim Gehen
und Umherschweifen erst herausbilden der Weg ist das Ziel.
Die MitschreiberInnen sitzen (zu Hause oder in den öffentlichen log.lounges
des Projektes log.in ) am Terminal, dem Mischpult der Texte
und spinnen sich in die Verästelungen der Text-Geflechte ein.
Stationen der Odyssee im Netzraum und IRL ( in real life )
Ein Workshop mit einführenden Ausflügen ins Netz (Lesungen
und Hörspiel-Einspielungen) am Freitag, dem 7.7.2000, in der log.lounge
Erlangen führt in die Möglichkeiten des gemeinsamen Schreibens
im Netz ein und gibt einen Überblick über andere Literatur- und
Schreibprojekte im Netz.
In kontinuierlichen weiteren Veranstaltungen im Rahmen von log.in
werdem im Verlauf des Projektes immer wieder Zwischenergebnisse dieses work
in progress präsentiert und neue Impulse gegeben.
Bei Interesse können interessierte lokale (Schreib-)Gruppen (z.B. aus
Schulen oder Universitäten) auch spezielle Einführungen bzw. Treffen
in den log.lounges vereinbaren unter: 0911/2402114 (Gudrun Wojke/ Projektbüro
log.in)
Zu einer gemeinsamen Abschlußveranstaltung mit Gemeinschaftslesung
und Diskussion werden alle Mit-SchreiberInnen aus dem Großraum Nürnberg,
Fürth, Erlangen und Schwabach im Oktober 2000 nach Erlangen eingeladen.
Außerdem ist die Herausgabe eines (gedruckten) Buches (per publishing
on demand) geplant.
Bis dahin!