wochenklausur

 

 

 

 


Die Wiener Künstlergruppe WochenKlausur hat einen eigenwilligen Kunstbegriff: Seit 1993 realisiert sie sozialpolitische Projekte. Wie der Name schon sagt, werden in begrenzter Zeit (sechs Wochen) alle Energien und künstlerischen Strategien gebündelt, um konkrete Verbesserungen unseres Zusammenlebens zu erzielen. Zwölf Interventionen hat die Gruppe bisher durchgeführt. Beispiels-weise fährt seit der ersten Intervention in der Wiener Secession, also seit sieben Jahren, eine mobile Ambulanz zur medizinischen Versorgung von Obdachlosen durch Wien. Der Bus betreut Monat für Monat über 600 Patienten. Oder Zürich: Seit der WochenKlausur 1994 gibt es eine Notschlafstelle für drogenabhängige Frauen. In Salzburg konnten 1996 die Abschiebehaftbedingungen entschärft werden und zur Biennale in Venedig 1999 wurde ein Netz von Sprachschulen im Kosovo eingerichtet.

Seit 20. August arbeitet die WochenKlausur in der log.lounge in Erlangen. Sie beteiligt sich am Knüpfen des großräumigen Netzwerkes Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach. Doch Vernetzen bedeutet für die WochenKlausur nicht einfach harmonisieren und zusammenbringen, was zusammen gehört. In demokratischen Systemen kann und muß es auch unterschiedliche Ansichten und Ideologien geben. Sie sind Teil des komplizierten Netzes und sollten durchaus unverknüpft nebeneinander auskommen können.

 

Die WochenKlausur möchte einen Beitrag leisten, indem sie den Streit kultiviert. Sie will Gruppen und Einzelpersonen an einen Tisch bringen, die sich normalerweise nicht »riechen« können. Aus den unterschiedlichsten Bereichen und vielleicht nur für ein einziges Gespräch. Dafür wird es einen attraktiven Raum geben und Moderatoren, aber keine Kameras, keine Presse, kein Mikrofon. Einzig, daß die Gespräche stattfinden und wer daran teilnimmt, wird öffentlich bekannt. So ein Treffen wird nicht immer mit Friedensabkommen enden. Aber es kann der Anfang eines Waffenstillstands und die vorsichtige Suche nach einem strukturierten Nebeneinander sein.

Manchmal bewirken persönliche Kontakte zwischen Parteien, wenn sie nicht im Rampenlicht stattfinden, zwischen Personen mit scheinbar unvereinbaren Ansichten, kleine Annäherungen. Mediale Auftritte werden hingegen von radikalen Streitparteien lediglich genutzt, um Differenzen zu demonstrieren und dadurch zu vergrößern. Die Differenzen sind notwendig. Aber sie können soziale, ökologische oder politische Entwicklungen auch blockieren, wenn sie keine Struktur finden, die eine friedliche Koexistenz garantiert. Eine erneuerte Zivil-gesellschaft wird deshalb Balancen suchen, um konkurrierenden Meinungen das Auskommen zu erleichtern. Mitte Oktober, wenn die »Konfliktgespräche« bereits stattfinden, wird manche Struktur für Kontakte bereits geschaffen worden sein, wo vielleicht niemand mehr eine Möglichkeit dafür vermutet hätte.


Kontakt: WochenKlausur

log.lounge Erlangen Helmstraße 1, 91054 Erlangen

Tel.: 09131.862164

e-mail: wochenklausur@t0.or.at

http://www.wochenklausur.t0.or.at

20. August bis 20. September und 16. Oktober bis 31.Oktober 2000