Eutrophierung
von
Gewässern |
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Ursachen und Folgen |
| Pflanzenteppich auf dem Wöhrder See |
Geht man an einem Hochsommertag
am Wöhrder See spazieren, macht die "Wasserfläche" vor allem des Unteren Sees
mehr den Eindruck einer großen, wogenden Wiese. Zwischen dem dichten
"Pflanzenteppich" hängt allerlei Unrat - Flaschen, Plastikfolien,
Styroporstücke - eindrucksvolle Beweise für die negative Einstellung oder
Gedankenlosigkeit mancher Mitmenschen gegenüber der Natur (was an Müll am Grund liegt, fällt nicht so
auf). 
Stockenten (wegen Mauser
vorübergehend flugunfähig), Bläßhühner und andere
Wasservögel "schwelgen" in Nahrungsüberfluß, rudern aber höchst mühsam
durch dieses dichte Gewirr von Laichkräutern und Algen. Ein
modriger Geruch weist auf beginnende Fäulnisprozesse hin. Der Tretbootsverleih vor dem
Norikus-Hochhaus hat geschlossen. Wer möchte auch hier jetzt "herumgondeln"?
Der Stoffkreislauf im Ökosystem See
ist gestört.
Kommt man aber stadteinwärts an der Adenauerbrücke
vorbei, kann man kristallklares Wasser über das Wehr laufen sehen. Der See - als
Naherholungsgebiet gedacht - hat während der Vegetationszeit offenbar Funktionen einer
biologisch-chemischen Kläranlage übernommen.
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| Eutrophes Gewässer ist Leben 
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In chemisch reinem Wasser
können keinerlei Lebewesen existieren. Damit Pflanzen wachsen können (und dadurch auch
andere Lebewesen eine Lebensgrundlage haben) muß das Wasser neben Kohlendioxid ein Mindestmaß an
gelösten Mineralstoffen enthalten,
vor allem Phosphor-, Stickstoff- und Kaliumverbindungen. Sie sind die
wichtigsten Pflanzennährstoffe (deshalb auch die wirksamen Bestandteile von Dünger aller Art). Nach dem Gehalt an diesen düngenden Mineralstoffen unterscheidet
man grob drei Gewässertypen
oligotrophe Gewässer
= geringer
Nährstoffgehalt |
z.B. Gletscherseen und Oberläufe der meisten
Gebirgsbäche |
mesotrophe Gewässer
= mittlerer
Nährstoffgehalt |
z.B. die meisten oberbayerischen Seen |
eutrophe Gewässer
= hoher
Nährstoffgehalt |
fast alle Gewässer in dicht besiedelten oder
landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen, also auch fast die gesamte Pegnitz
einschließlich Wöhrder See |
Dabei richtet sich das
Pflanzenwachstum nach demjenigen Nährstoff, der in der geringsten Menge vorhanden ist. In naturbelassenen (nicht vom Menschen beeinflußten) Gewässern ist dieser das Wachstum begrenzende Faktor fast
immer der Gehalt an Phosphat.
Eutrophierung nennt man die Anreicherung eines Lebensraumes (hier Gewässers)
mit Pflanzennährstoffen, man könnte auch einfach Düngung sagen.
Nur eutrophe Gewässer wimmeln von Leben. |
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Bedeutung des
Planktons |
Wasserflöhe
und andere Kleinkrebse sind wichtige Bestandteile des
Planktons, wie man alle im Wasser frei schwebenden Kleinpflanzen und Kleintiere nennt. Sie
verhindern die Massenvermehrung von Algen und sind ihrerseits die wichtigste Futterquelle
der Weißfische, wie Plötze, Brachsen usw. Lebend, gefroren oder getrocknet sind sie auch
ein beliebtes Zierfischfutter. Bei hohem Weißfischbesatz in einem nährstoffreichen See
wird das tierische Plankton zu stark dezimiert, woraufhin sich Algen zu stark vermehren. |
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Umkippen des
Gewässers
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In einem eutrophen Gewässer
wuchern Pflanzen üppig. Sie treten in Konkurrenzkampf um Licht und Platz. Massenvermehrungen von schwebenden Algen (pflanzliches Plankton) trüben das Gewässer. Aus Lichtmangel sterben tiefer
stehende Pflanzenteile und tiefer schwebende Algen ab. Im Herbst kommt der "Laubfall" der
Uferbäume und das Absterben von Schilfhalmen, Schwimmblättern und anderen
Wasserpflanzenteilen dazu. Die tote, abzubauende Biomasse schwillt also an. Das Gas Sauerstoff ist aber aus physikalischen Gründen in Wasser
nur sehr wenig lösbar. (z.B. enthält 1 kg Luft (ca. 800 Liter Luft) über 200 g
Sauerstoff, 1 kg Wasser (1Liter Wasser) dagegen meist weniger als 10 mg (Tausendstel
Gramm), je wärmer desto weniger. Wenn das Wassers nicht ständig mit Luft durchmischt
wird, ist diese geringe Sauerstoffmenge von den Zerlegern bald aufgezehrt. Dies droht vor
allem am Grund von eutrophen Seen im Winter bei Eisbedeckung und zeitweilig auch im
Sommer, wenn eine "leichtere" Warmwasserschicht auf "schwererem"
kühlerem Tiefenwasser "schwimmt". In dieser Zeit kommt kein
sauerstoffgesättigtes Oberflächenwasser zum Grund.

Fast geschlossenen Wasserpflanzen- und
Algendecke
auf dem Wöhrder See im August 1997
Den meisten Bakterien und Pilzen macht
Sauerstoffmangel wenig aus. Sie "schalten" ihren Stoffwechsel auf
Fäulnisprozesse (Gärung) um. Für sie gibt es ja Nahrung im Überfluß. Tiere und
Pflanzen aber ersticken. Obendrein setzt die Fäulnistätigkeit der Bakterien Giftstoffe
frei (z.B. Schwefelwasserstoff, bekannt von "Stinkbomben" und faulen Eiern). Was
an höheren Lebewesen nicht erstickt, wird vergiftet. Ein "Fischsterben" ist "nur" die
auffälligste Begleiterscheinung solcher Sauerstoffnot und Fäulnis. (Fischsterben kann
aber auch andere Ursachen haben, z.B. direkte Gifteinleitung in ein Gewässer (Gülle oder
Industriegifte)). Beim Faulen eiweißreicher Tierleichen werden nun noch mehr Giftstoffe
frei.
Dieser "Teufelskreislauf" wird "Umkippen" genannt, Verlust der Fähigkeit zur biologischen Selbstreinigung. Das Gewässer verwandelt sich in stinkende Jauche.
| Eutrophe stehende Gewässer drohen also umzukippen, wenn kein ausgewogenes
Verhältnis, kein "natürliches Gleichgewicht" zwischen Erzeugern, Verbrauchern
und Zerlegern herrscht, vor allem in Zeiten, wenn kein sauerstoffreiches
Oberflächenwasser zum Grund kommt, wenn der Wasserkörper nicht zirkuliert sondern
stagniert. |
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"Mähkuh" gegen
Umkippen des
Wöhrder Sees |

Dieses "Schicksal" droht dem Wöhrder See, wenn die alljährliche Mähaktion unterbleibt.
Nur die "Mähkuh"(Mähboot) wird mit der üppigen Pflanzenmasse fertig. Das Mähgut muß
abtransportiert werden zur "Kompostierung" an Land. Im Großen treten ähnliche
Probleme wie im Wöhrder See durch die "Düngerfracht" der Ströme in den
Küstengewässern, vor allem in der Ostsee, Adria aber auch in der Nordsee auf. Hier dann
vor allem mit Algen, von denen einige recht giftig sind. |
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