| Leben an der Pegnitz |
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Die Stadttaube, deren Wildform
die Felsentaube ist, bevorzugt offene, vegetationsarme oder nur niedrig bewachsene
Flächen zur Nahrungsaufnahme (entsprechend dem halbtrockenen Lebensraum der Felsentaube).
Sie ist deshalb auf den Plätzen, breiten Straßen und längs der "Flugschneise"
Pegnitz im Stadtkern am häufigsten. Als Ruheplatz lieben die Stadttaubenschwärme nicht
zu steile, möglichst sonnige Dachseiten im Windschatten. |
| Merkmale der Stadttaube |
Länge ca. 33 cm, Gewicht
330 g. Färbung und Zeichnung sehr variabel. 20-30 % der Stadttauben zeigen noch das Aussehen ihrer
wilden Stammform, der Felsentaube, die auch die Stammform der etwa 150 Rassen der
Haustaube ist. Die Felsentaube ist rund um das Mittelmeer noch als Brutvogel verbreitet.
Typisch sind für sie 2 durchgehende schwarze Flügelbinden, graue Flügelspitzen und
weißer Hinterrücken. Die Zucht als Haustier begann vor etwa 6 500 Jahren im Vorderen
Orient. Vor etwa 1 800 Jahren kamen mit den Römern die ersten Haustauben nach
Mitteleuropa. |
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| Wildtaubenarten
im Stadtgebiet |
Im Nürnberger Stadtgebiet kommen auch
zwei Wildtaubenarten als seltenere Brutvögel vor, die größere Ringeltaube (Columba palumbus, 41 cm, 500 g) mit auffälligem weißem Fleck an beiden
Halsseiten, und die kleinere Türkentaube (Streptopelia decaocto, 28 cm, 200 g ). Sie ist
schlank, hell sandfarben und hat ein schmales, schwarzes Nackenband. Erst Mitte der 40er
Jahre ist diese Taubenart vom östlichen Mittelmeerraum her bis nach Deutschland
vorgedrungen und hat inzwischen auch Frankreich, England und Südschweden
"erobert". Im Gegensatz zur Stadttaube treten diese beiden Wildtaubenarten meist
nur einzeln oder paarweise auf, mögen lieber Grünanlagen und brüten überwiegend auf
Bäumen. |
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Wie die Stadttaube
lebt |
Die Nahrung der Wildform
besteht überwiegend aus Körnern, Wildkrautsamen, Knospen, Blütenköpfen und geringen
Mengen von Kleingetier. Stadttauben ernähren sich meist viel einseitiger von Brot- und
Feingebäckresten, Weizen und Mais. Wo der Stadtmensch genügend Nahrung bietet, sieht man
seltener einen Taubenschwarm in der Umgebung auf einem Feld.
Zur Nahrung gehören auch Steinchen, die den Magen beim Zerreiben der im Kropf
vorgequollenen Körner unterstützen, z.T. auch den Mineralbedarf ergänzen.Während die
meisten Vögel "schöpfend" trinken und beim Schlucken des Wassers die Schnäbel
emporrecken, können Tauben Wasser mit eingetauchtem Schnabel einsaugen.

Möwen und Stadttauben teilen sich das
"Entenfutter"(Brot-, Brötchen- und Brezelreste), das an einem Sonntag im Winter
körbeweise am Ufer des Unteren Wöhrder Sees ausgekippt wird.
Auseinandersetzungen zwischen Männchen können bei Stadttauben zu blutenden Wunden
führen. Auch wird dem Weibchen oft während der Kopulation von anderen Mitgliedern des
Schwarms auf den Kopf gehackt. Die "sanfte Friedenstaube" ist also ebenso
unzutreffend wie die "dumme Gans". Stadttauben leben oft - wie Gänse und
Schwäne - in lebenslänglicher Einehe.
Die Felsentaube brütet in unzugänglichen Nischen und Höhlen der Küsten- und
Binnenfelsen. Entsprechend sucht sich das Stadttaubenpaar eine vor Wind und Nässe
geschützte Nische in Mauern, Türmen, unter Brücken usw.. Ältere Städte, wie
Nürnberg, mit ihrer reich gegliederten Architektur, bieten besonders viele Brutplätze.
Das "Nest" ist kunstlos und besteht manchmal statt aus einigen Zweigen, Halmen
und Federn lediglich aus Kotbrocken, da im Stadtbiotop wenig Nistmaterial zu finden ist.
Stadttauben sind ortstreu und beziehen oft viele Jahre lang die gleiche Brutnische. Die
Hauptbrutzeit ist in Mitteleuropa März bis September, doch sind auch Winterbruten von
Dezember bis Februar nicht selten, wenn das Nahrungsangebot günstig ist. Üblich sind 2-3
(gelegentlich bis zu 6) Jahresbruten. Dabei werden fast immer je Brut 2 weiße Eier im
Abstand von 2 Tagen gelegt und danach 17 Tage bebrütet. Während dieser Zeit verändert
sich bei beiden Eltern aller Taubenarten die Innenwand des Kropfes und beginnt, nahrhafte,
eiweißreiche Zellen abzustoßen, die sogen. "Kropfmilch". Sie dient in den
ersten 4-5 Tagen den Jungen als einzige Nahrung. Später werden zusätzlich gequollene
Körner u.ä. gefüttert.
Im Alter von etwa 25 Tagen verlassen die Jungen das Nest, sind mit 30-35 Tagen voll
flugfähig und selbständig, lernen aber von fressenden Altvögeln noch manche Futterarten
kennen. 6 Monate nach dem Schlüpfen kann schon die erste eigene Brut der Jungen erfolgen.
Untersuchungen zur Sterblichkeit sind bisher nur aus England bekannt. Danach sterben 43 %
der Jungvögel in den ersten 5 Monaten nach dem Ausfliegen und 33,5 % der Altvögel pro
Jahr. |
Natürliche Feinde
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Wanderfalke (nicht zu verwechseln mit dem
kleinen Turmfalken, der keine Taube schlagen kann, aber gerne in Städten brütet, z.B. in
der Lorenzkirche "zusammen" mit Tauben), Habicht, Sperberweibchen, Uhu, Wiesel,
Steinmarder und Katzen.
Die Eier werden gelegentlich von Dohlen und anderen Rabenvögeln gefressen. Nestlinge
fallen manchmal einer anhaltenden Kälteperioden mit Temperaturen unter 5 Grad zum Opfer
oder werden durch starken Befall mit blutsaugenden Parasiten, wie Milben und Zecken,
geschwächt.
Die Ansiedelung von gezüchteten Wanderfalken als Freßfeinde wäre im Prinzip möglich.
Es ist aber fraglich ob 5-10 Wanderfalkenpaare ausreichen würden, um die
"Taubenplage" allein in Nürnberg deutlich zu verringern. Das Revier eines
Wanderfalkenpaares und sein Nahrungsspektrum sind zu groß, denn auch Enten, Rabenvögel,
Drosseln usw. gehören dazu. Bisher sind nur vereinzelte Bruten in Städten nachgewiesen.
Obendrein gäbe es Konflikte mit Taubenzüchtern. (Zum Vergleich: 1996 brüteten etwa 20
Wanderfalkenpaare in Bayern außerhalb des Alpenraums). |
| Probleme mit den Tauben in
der Stadt |
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Vor 100 Jahren waren Stadttauben
noch selten. Ihre starke Vermehrung begann bei uns erst ab den 60er Jahren parallel mit
dem drastische Rückgang ihrer natürlichen Feinde und mit dem beginnenden Wohlstand der
Bevölkerung, der Taubenfüttern erst erlaubte. Als Folge von einseitiger Überernährung,
Bewegungsmangel und Fehlen fast jeglicher natürlicher Auslese durch Freßfeinde sind
viele Stadttauben krank, aber meist noch gut fortpflanzungsfähig. Dürer-Denkmal in Nürnberg,
von Taubenkot verdreckt
(aus: Faltblatt des Nürnberger Gesundheitsamtes zu Taubenfütterungsverbot) |
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Ihre enormen Kotmengen verursachen Gebäudeschäden und hohe Reinigungskosten. Ihr Kot
enthält nicht selten Salmonellen, beim Menschen Brechdurchfall erregende Bakterien, die
z.B. Kinder in Sandkästen bedrohen. Auch bestimmte Viren können von Tauben übertragen
werden. Sie verursachen eine grippeähnliche Krankheit (Ornithose), die manchmal tödlich
verläuft (schwere Lungenentzündung). Außerdem können ihre blutsaugenden Parasiten auf
den Menschen übergehen.
Andererseits freuen sich vor allem Kinder und ältere Leute, wenn sie in der
"Steinwüste" der Stadt in Kontakt mit den zutraulichen und z.T. recht schmucken
Tieren kommen.
"Humane
Bekämpfungsversuche" mittels "Anti-Baby-Hormonen" im Futter und zur
Eientnahme gedachten "Gemeinschaftsbruthäusern" waren erfolglos. Weniger
humane, wie Netzfang, Abschuß oder Vergiftung, wären möglicherweise erfolgreich, sind
aber gegenüber Tierfreunden nicht durchsetzbar. Auch die Ansiedlung von natürlichen Freßfeinden ist nicht problemlos möglich. Ob
das kürzlich erlassene Fütterungsverbot greift, bleibt abzuwarten.
Lokale Abwehrmaßnahmen an Gebäuden mit Netzen und Drähten können Schäden durch Kot
verhindern, verlagern aber das Vermehrungsproblem der Tauben nur in die Nachbarschaft.
So bleiben bisher nur der Appell an die Vernunft der "Taubenfütterer", die
Überzeugungsarbeit daß man den Vögeln und den Menschen durch Taubenfüttern mehr
schadet als nützt, und die konsequente Verhinderung von Nistmöglichkeiten durch die
Gebäudeeigentümer. |
| Fachbezeichnung |
Columba livia, Familie Tauben / Columbidae |
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