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Pegnitz

als Abwasserrinne und Müllhalde

Pegnitz
als
Abfallgrube
Fleischhaus Auf einem Stich aus der Zeit um 1694 ist vorne links die über dem Fluß errichtete Bude zu erkennen, in der geschlachtet wurde.

Die Metzger spülten ihre Abfälle direkt in den Fluß.

Abwasserrinne Pegnitz

Viele Jahrhunderte lang versickerte das häusliche und gewerbliche Abwasser in Nürnberg, wie in anderen Städten und Dörfern, im Boden oder wurde ungereinigt in die Gewässer geleitet.

Das Wasser der Pegnitz war schon im 15. Jahrhundert für den Menschen ungenießbar. Nürnberger Polizeiverordnungen der damaligen Zeit verbieten die Verwendung zum Bierbrauen, als Zugabe zu Teig oder als Weihwasser. Die Pegnitz wurde im 17. Jahrhundert so extrem verschmutzt, "das die Burgerschaft diß orts, die weilln man allerlei unsauberkeit alda einschüt und außwürfft, großen Abscheu tragen würde", konnte man in einer damaligen Beschwerde nachlesen.

Ein anderer Beschwerdeführer, ein Färber klagte lauthals, dass seine Tuche Schaden erleiden, da dieselbe Berufsgruppe den Kot in die Pegnitz laufen ließ. Auch die Müller argumentierten, daß der Kot ihre Werke verstopfte.

1626 beschwerte sich ein Wirt, daß seine Miststatt von den Metzgern immer mehr mit Schlachtabfällen überhäuft wird. Seine Befürchtungen schrieb er weitsichtig folgendermassen nieder : "daß durch solch üblichen Gestank ud Unlust sich die Infektion erregen".


Seuchen als Folge Die Entsorgung von Abwässern und Abfällen wurde reguliert durch den Zugang der einzelnen Gewerbe zum Gewässer gemäß dem Grad der Verunreinigung. Weniger Schmutz machten etwa die Schmiede und die Weber, weshalb sie ihre Werkstätten auf der Insel Schütt direkt nach dem Eintritt der Pegnitz ins Stadtgebiet errichten durften. Dagegen mußten sich die Rinder- und Schweinemetzger oder die Gerber und Färber weiter flußabwärts niederlassen. Unberücksichtigt blieb dabei die Wasserverschmutzung vor dem Eintritt in die Stadt. So benutzen die Metzger zur Reinigung des Fleisches auch das Wasser des Fischbaches, das vorher im Dorf Tafelhof von vierzehn Wäschereien verunreinigt worden war.

Dieser unachtsame Umgang mit dem Brauchwasser trug mit zu Pest, Typhus und Ruhr bei, die der Stadt mehr zusetzten als kriegerische Angriffe. So starben in Nürnberg durch Seuchen von 1632-34, also innerhalb von 2 Jahren, 36 000 Menschen, obwohl Trinkwasser ausschließlich aus Brunnen entnommen wurde, von denen, nach Aufzeichnungen aus dem 18.Jahrhundert, mindestens 3000 private und 130 öffentliche Schöpf- und Ziehbrunnen in Benutzung waren. Da direkt neben den Brunnen aber häufig Abort-Häuschen mit Gruben standen und der Grundwasserspiegel höher als heute lag, waren auch die Brunnen nicht vor Verunreinigungen sicher.

In der Nähe der Stadt und durch die Nutzung in der Stadt waren die Flüsse, nicht zuletzt auch dadurch, daß der Abfall von den Straßen und aus den Häusern in ihnen landete, starken Verschmutzungen ausgesetzt, die sie streckenweise zu übelriechenden Kloaken machten.


Industrialisierung
mit neuen
Abwasserproblemen

Pferdefuhrwerk zur Grubenentleerung

Im 19. Jahrhundert wird Nürnberg innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer führenden industriellen Metropole. Die Bevölkerung steigt von 25 000 im Jahr 1906 auf 360 000 bis zum 1. Weltkrieg. Neu entstandene Industriezweige verbrauchen zusätzlich riesige Mengen Wasser u.a. als Kühl- und Reinigungsmittel. Bis zum Anschluß an die Klärwerke (ab 1913) gelangte das Abwasser über die Kanalisation direkt in die Pegnitz. Die Fäkalien wurden in hauseigenen Absetzgruben zurückgehalten. Für die Grubenentleerung kamen lange Zeit Pferdefuhrwerke zum Einsatz.

Auch die zahlreichen abflußlosen Gruben wurden auf diese Weise entleert. Die Fäkalien wurden zur Düngung auf Ackerflächen in der Umgebung Nürnbergs ausgebracht.

Im Jahr 1913 wurde die erste Kläranlage Bayerns in Betrieb genommen, auf dem Gelände des heutigen Klärwerks 2 an der Theodor-Heuss-Brücke im westlichen Nürnberger Pegnitztal.


Pegnitz als Müllhalde Die Pegnitz wurde und wird im Stadtgebiet von vielen Bürgern als Müllkippe mißbraucht. Bei Säuberungsaktionen des Flußbettes der Pegnitz fand man auch 1997 große Berge Müll: Neue  und verrostete Fahrräder, Mopeds, Autoreifen mitsamt Felgen, Einkaufswagen, zerbeulte und angerostete Strassensperren, Verkehrsschilder usw.

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