Dankrede von Madeleine Weishaupt anlässlich
10 Jahre Mittagslesungen

Madeleine WeishauptLiebe Frau Gloser,

vielen Dank für Ihre Begrüßung – ich gebe Ihnen das Lob zurück, auch Ihnen ein Dank für die vorzügliche Zusammenarbeit und vor allem, danke für Ihr Engagement, dass Sie Gäste andenken, diese anfragen und hier in diesem Rahmen begrüßen.

Als Vorsitzende des Verband Deutscher Schriftsteller VS (in ver.di) der Regionalgruppe Mittelfranken schließe ich mich ebenfalls den namentlich genannten Ihrer Danksagung an – es sind diejenigen, die hinter den Kulissen dazu beitragen, dass diese Reihe „Hand in Hand“ gelingen kann.

Nun zum Händeschütteln als Begrüßung

Liebe Gäste, willkommen zu dieser Jubiläumsveranstaltung, die während der nächsten drei Tage stattfinden wird – insbesondere begrüße ich den zweiten Vorsitzenden des VS Mitteelfranken Leonhard F. Seidl, ver.di Mittelfranken vertretend begrüße ich Kurt Buschner und Sieglinde Wechsler, den Initiator der Mittagslesungen Reinhard Knodt; die beiden, die die Reihe lange Zeit moderiert und organisiert haben – Karl Heinz Demuß und Barbara Bredow. Unterstützung fand die Reihe im ersten Jahr durch die Stadtbibliothek, dazu begrüße ich die Direktorin Eva Homrighausen, die jedoch heute nicht anwesend sein kann. Ich begrüße Frau Viola Winter, deren Mann im Namen des Merkurverbandes einst eine Unterstützung gab.

Des weiteren begrüße ich bekannte Vorleserinnen und Vorleser: Frau Gabriele Penzkofer-Röhrl von der SPD, Frau Ulrike Hölldobler-Schäfer von der CSU, die Bürgermeisterin von Schwaig Ruth Thurner, den Generalkonsul der türkischen Republik Selim Kartal, den ehemaligen Stadtrechtsdirektor Dr. Hartmut Frommer, Reiner Sikora vom Projektbüro Kulturreferat der Stadt Nürnberg, Karl-Heinz Fischer als Leiter des Bardentreffens und Marisa Sanchez. Sie werden sie wohl eher in einer Verkleidung wiedererkennen, wenn Sie Ihren Blick nach hinten zur Tür wenden – der Fotograf Herbert Voll hatte diese Reihe einst mit seiner Kamera begleitet, bis Ende Juli sind hier dreizehn seiner unzähligen Aufnahmen zu sehen, unter anderem eben Marisa Sanchez als lesendes Christkind. Bezüglich dieser Ausstellung danke ich dem Handwerksteam der Kunsthalle, sie haben die Fotos gerahmt und aufgehängt.

Manche Vorleserinnen und Vorleser wären heute auch gerne hier, um den Feierlichkeiten beizuwohnen, leider ist es ihnen aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich, dies ist Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, Bürgermeister Dr. Klemens Gsell und, einst ebenfalls ein Förderer der Reihe, Wolfgang Gillitzer. Er hatte im ersten Jahr die Karten mit den Gästen und den Terminen gestaltet – vielleicht erinnern Sie sich noch an die beigen Postkarten, deren Aneinanderreihung den Titel „eine stadt liest“ darstellt – ansonsten sei ein zweiter Blick zur hinteren Tür getan, dort hängt ein Bilderzug, angereichert mit den Unterschriften der Lesenden.

Im weiteren entschuldigt haben sich Herbert Dombrowsky von N-Ergie Aktiengesellschaft, Janet M. Christel, Adeline Schebesch, Michaela Domes, Heinrich Hartl, Giorgio Hupfer und Olaf Roth. Aber sie alle richteten Glückwünsche aus, die das Motto inne haben „mittagslesungen forever“.

Nochmals zum Dankesagen, er ist nämlich noch nicht abgeschlossen.
Das „Sparschweindankeschön“ richte ich an die Sparkasse Nürnberg, die vertreten wird durch Dr. Michael Kläver – leider heute nicht anwesend. Die finanzielle Unterstützung durch die Sparkasse Nürnberg ermöglicht es uns, organisatorische Kosten zu decken. Herrn Dr. Wolfgang Eckart als Direktor des Bildungszentrums der Stadt Nürnberg – er ist anwesend – danke ich für das dritte Standbein in der Reihe der Unterstützenden. Dieses dritte Standbein wird, wie bekannt ist, durch Anja Weigmann als Moderatorin und Organisatorin jeden Freitag in der Orangerie „durchgestanden“.

Ich könnte diese Liste des Dankes noch mehr ausweiten – ich greife nur noch drei wichtige Punkte auf:
Liebe Gäste – danke, dass Sie treue Gäste sind, dass Sie kommen, dass Sie lauschen. Ich muss sagen, und das sagen mir öfters auch die Lesenden, Sie sind ein wunderbares, geduldiges und offenes Publikum.

Liebe Lesende – danke, dass Sie in der Reihe gelesen haben. Manchmal kommt ein Stoßseufzer bei der Anfrage – was lese ich denn nur vor? Aber ich kann Ihnen versichern, die Auswahl und das Vorlesen, das hat immer Beifall gefunden.

Liebe Bücher – schön, dass es Euch gibt. Schön, dass es das Vorlesen gibt. Und schön, gibt es die Mittagszeit, die die heutige Form der Reihe „gäste&buch Nürnberger Mittagslesungen“ zu einem nicht mehr wegzudenkenden literarischen Kleinod in der Nürnberger Kulturlandschaft ermöglicht.

Meine Damen und Herren – Sie haben sich vielleicht gewundert, warum ich jemanden zu Beginn nicht begrüßt und mich auch bei ihr nicht bedankt habe, wo sie doch in der ersten Reihe sitzt, hier wie auch im Kulturreferat der Stadt Nürnberg: Frau Prof. Dr. Julia Lehner.

Ihnen gebe ich nun diesen Korb – damit verbunden die Bitte, den Nürnberger Mittagslesungen nicht eines Tages den Korb des Einstellens zu überreichen, sondern verstehen Sie diesen Korb als einen Dankeskorb, der gefüllt mit Schokolade ist, die als Dankeschön an die Engagierten gehen soll.

An Sie persönlich, an Katharina Gloser, Anja Weigmann, Dr. Matthias Strobel, Sonja Fischer, Micha Beißer, Jochen Rügheimer, das Team der KulturWirtschaft und die Handwerker der Kunsthalle.

Wenn Sie alle mal keine Lust auf Literatur haben, hoffe ich, Sie haben dann Lust auf ein Stück andere Genussverführung.

Und nun noch einen Gedankensplittergang ....

Ein nicht mehr wegzudenkendes literarisches Kleinod in der Nürnberger Kulturlandschaft – hatte ich vorhin gesagt, in der Presse häufig zu lesen: Literaturhäppchen zur Mittagszeit.

Was macht oder was machen die Nürnberger Mittagslesungen eigentlich aus?

Irgendwie ist das schwierig zu beantworten, außer ich mache es mir einfach und greife auf verpackungsbekannte Angaben und Inhalte zurück.

Was macht oder was machen die Nürnberger Mittagslesungen eigentlich aus?

Was denken Sie, liebes Publikum?

Was macht oder was machen die Nürnberger Mittagslesungen eigentlich aus? oder:
Was haben ein Buch, eine Schokolade und ein Apfel gemeinsam?

Sind es die geschriebenen Worte, anzutreffen in einem Gedicht? Ist es ein geschichtlicher Rückblick, vorzufinden in einer Biografie? Ist es eine Erzählung, die einen Roman füllt?

Ist es das Vorlesen und das Vorgelesen zu bekommen? Oder sind es die überraschenden, nicht unbedingt literaturbezogenen Darbietungen?
Ist es das Angebot von „Kultur umsonst“?
Ist es das Begegnen mit Menschen, sei das auf der einen, vor allem auf der neugierigen Seite, der Gast – und das Begegnen mit weiteren Zuhörerinnen und Zuhörern?
Ist es das Erörtern des Erlebten im Anschluss an die Lesungen?
Ist es der Ort?

Was für ein Ereignis sind diese Nürnberger Mittagslesungen? Und warum nehme ich zur Beantwortung dieser Frage ein Buch, eine Schokolade und einen Apfel zur Hand?

Zehn Jahre – zwei Handvoll zum Feiern und, ich habe nicht genau nachgezählt, aber es sind unzählige Lesungen, besucht von einer fünfstelligen Zahl an Publikum und rund achthundert Lesenden.

Zehn Jahre – und ein Buch, eine Schokolade und ein Apfel.
Was haben diese drei gemeinsam?

Sie alle verführen. Sie verführen uns in eine Welt des Genusses, sie ernähren uns, sie stillen unsere Sehnsucht. Sie lassen Dinge geschehen, die in unserem täglichen Leben nicht immer so vorkommen, wie wir das gerne hätten. Sie erlauben uns, in eine Traumwelt zu entgleiten – sie schaffen uns Freiräume, die neues Denken und Handeln ermöglichen.

Doch man muss sie auch mit Vorsicht genießen – die spannende Gutenachtlektüre verkürzt die Nacht, die Schokolade fordert das Baucheinziehen beim Zuknöpfen des obersten Hosenknopfes, und der Apfel, der kann auch mal sauer sein.

Wie Ihnen bekannt ist, hatten es die Mittagslesungen nicht immer leicht. Vom Paradies aus kommend „tolle Idee – grandios, das machen wir“, ging es auch bald mal in die bange Frage, wie weiter? Protest entstand. „Wir lassen uns aus dem geschaffenen Paradies nicht vertreiben!“, kam von der einen Seite, und: „Dieses Mittagsparadies soll erhalten bleiben!“ kam von der anderen Seite. Man zog am gleichen Strang, Organisation wie Publikum, wenn auch mit unterschiedlichen Aspekten. Man biss in den sauren Apfel bezüglich der Pausen, der Änderungen bei den Fortführungen. So sauer der Apfel auch immer gewesen sein mag, es gelang immer wieder ein Aufschwung: das Buch wurde aus den Regalen gezogen, auf dem Tisch aufgeschlagen und daraus vorgelesen. Was für ein Genuss. Was für eine Gaumenfreude, die wieder durch das Ohr geht. Wie interessant, was sich hinter diesem Schokoladenpapier versteckt – welcher Gast das ist, welchen Hintergrund die Leserin oder der Leser mitbringt und was die Auswahl der Literatur betrifft. Man weiß zwar um das eine und andere, so wie es die Angaben der Zutaten auf der Verpackung ersichtlich machen. Aber schmeckt es dann auch so, wie es da geschrieben steht?

Sind die Nürnberger Mittagslesungen es wert, dass sie in ein zweites Jahrzehnt gehen sollen? Wenn ich jetzt sagen würde, nein – dann würde ich aus diesem Paradies vertrieben werden – also sage ich ja. Aber ich sage nicht ja, weil ich ja sagen muss um bleiben zu dürfen, ganz im Gegenteil. Das Buch, so sehr es auch schlechte oder gute Bestsellerlisten bestückt und das Lesen aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken ist, das Buch soll und muss in dieser Kulturlandschaft seine Genusszeiten haben. Denn in einem Buch steckt mehr als Erzählen und Beschreiben, mehr als Wissens- und Erfahrungsaustausch, in einem Buch steckt mehr als eine Schreiberei des Schreibenswillen – in einem Buch steckt ein ganzer Genuss, dargebracht von einem Menschen für viele andere Menschen.

Und das, verehrte Gäste, machen vielleicht diese Nürnberger Mittagslesungen aus. 

Madeleine Weishaupt, 1. Vorsitzende des Verband Deutscher Schriftsteller VS (in ver.di) Regionalgruppe Mittelfranken. 21. Januar 2009

 

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