So ein bisschen wie aus dem Nähkästchen geplaudert....

von Madeleine Weishaupt

Seit vier Jahren organisiere und moderiere ich mit einem Team die Reihe „gäste&buch – Nürnberger Mittagslesungen”. In den ersten zwei Jahren war Barbara Bredow meine Kollegin, an ihre Stelle kamen Katharina Gloser und Anja Weigmann. Erst genannte übernimmt neben mir eine der zwei Lesungen in der Kulturwirtschaft, diese am Mittwoch und Donnerstag. Am Freitag lädt Anja Weigmann in die Orangerie im Bildungszentrum Gäste und Publikum ein. Im Hintergrund wirken von städtischer Seite, dem Kulturreferat, noch Micha Beißer und Sonja Fischer mit: Er betreut die Internetseite und gestaltet die Karten, sie verschickt die Karten, den Newsletter – allgemein, sie betreut die Öffentlichkeitsarbeit. So sind wir ein Team, das Hand in Hand miteinander die Reihe lebendig hält, dass diese regelmässig stattfinden kann.

Notabene – die finanzielle Unterstützung, die ist gegeben durch das Kulturreferat und die Sparkasse Nürnberg. Ohne eine Finanzierung könnte die Reihe nicht so durchgeführt werden, wie sie derzeit organisiert ist.

Lebendig halten nicht nur wir die Reihe, sondern auch die Gäste. Gäste sowohl von der lesenden wie von der hörenden Seite. Ein treues Publikum wie die Stammgäste und jenes, das ganz spontan oder gezielt kommt wegen dem auf der Karte stehenden Namen. Manche dieser Namen sind bekannt, die brauchen in Persona nicht weiter vorgestellt zu werden. Es sind Lesende aus der Stadt oder der Region, die nicht das erste Mal eine Literatur auswählen und daraus vorlesen, und es sind Lesende, die das erste Mal kommen. Manche zeigen bei einer Anfrage erst einmal Ratlosigkeit. Was wähle ich aus? Doch sehr bald wissen sie es, ändern es vielleicht kurzfristig noch um – und was sie dann vorlesen, das bleibt ein Geheimnis bis zum Lesebeginn. Bezüglich der Auswahl geben wir niemandem einen Vorschlag, was gelesen wird, darf selbst ausgewählt werden. Dass ein Buch, eine Autorin oder ein Autor mehrmals an die Reihe kommt, das geschieht kaum. Freigestellt ist auch die Gestaltung dieser zwanzig Minuten Lesezeit. Wer musizieren kann, nimmt gerne auch ihr oder sein Instrument mit, wer tanzen kann, zieht die Tanzschuhe an. Ja, weiteres neben der Literatur ist möglich – die Lesungen sind nie eine „trockene Angelegenheit“, immer wieder gibt es Überraschungen und Besonderheiten. Während meiner Veranstaltungen hat sich neben dem allgemeinen Gespräch mit dem Gast auch eine Besonderheit eingelebt: die Stichwörterbox. Ich habe den Eindruck, so ausgedrückt, auf die ist das Publikum am meisten aus. Zehn Wörter werden vom Gast aus der Box gezogen und er antwortet spontan auf das einzelne Wort. Eine Erinnerung an ein persönliches Erlebnis, eine Meinung, ein Bezug zum Beruf und Engagement oder oder – eine Antwort gibt es immer. Und die Spannbreite der zehn Antworten reicht von Amüsant bis hin zu Ernsthaftem.

Was ich an „gäste&buch” mag? Die Vielfältigkeit. Selbst für mich als Schriftstellerin ist es immer wieder spannend zu erfahren, welche Literatur die Gäste auswählen, wie sie diese vorstellen. Neue Namen und neue Geschichten habe ich so auf vielfältige Weise entdecken können. Die Auswahl der Gäste ist ein Interessantes, wenn auch nicht immer ein leichtes Unterfangen – wen lade ich ein und warum? Nicht nur wegen dem stadtbekannten Namen, sondern auch, welchen Hintergrund hat diese Person. Was ist ihr Engagement, von dem ich finde, dass es auf eine Art mit einer Lesung gewürdigt werden soll. Denn die Lesungen sind nicht nur Auftrittsmöglichkeiten, ich sehe sie auch als Plattform, den Gast und sein „Wirken“ vor einem breiteren, vielleicht sogar auch anderem Publikum vorzustellen. Und manchmal bleibt von diesem ersten Kontakt auch ein längerer bestehen, trifft man sich wieder und verknüpft gemeinsames Interesse und Engagement.

Was ich an „gäste&buch“ nicht mag? Dass es für die Kunstschaffenden oder Freiberuflichen noch nicht die Möglichkeit gibt, ihnen ein Honorar zu entrichten. Dass es zu wenige Mittagslesungen gibt für all die Menschen, denen ich begegne und wo ich finde, die lade ich ein. Dass ich manchmal Ideen zurückstellen muss, weil sie nicht realisierbar sind. Dass die Zeit des Vorlesens und des Gesprächs nicht all zu sehr überzogen werden kann.

Es gäbe noch mehr zu berichten, gewiss, aber ich schliesse für heute dieses Nähkästchenplaudern ab. An anderer Stelle, zu einer anderen Zeit – wer weiss, dann ein zweites.

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