03.11. - 11.11.2007

LesArt – Fränkische Literaturtage

Alle Jahre wieder findet Anfang November in Ansbach, Fürth, Lauf und Schwabach das Literaturfest LesArt statt. Rund 40 prominente Autorinnen und Autoren aus dem In- und Ausland sowie bekannte Jungliteraten sind eingeladen vom 3. bis einschließlich 11. November 2007 ihre neuesten Werke in Mittelfranken vorzustellen. Das jeweilige Programm ist den Internetseiten der beteiligten Städte zu entnehmen (dazu bitte auf den Turm der jeweiligen Stadt klicken.) Ein kurzer Überblick aller Veranstaltungen ist unten angehängt.

Die ursprünglich 1996 von Bertelsmann initiierten Fränkischen Literaturtage werden seit 1999 von den vier Kommunen in eigener Regie organisiert und finanziert. Mittlerweile nutzen mehr als 9.000 Besucher jedes Jahr die Gelegenheit, Autoren und Autorinnen zu begegnen und mit ihnen über ihre Bücher und über Literatur zu diskutieren. So ist LesArt zu einem wichtigen Kulturereignis der gesamten Region geworden. Durch die räumliche Nähe der vier Städte ergibt sich für Verlage, Schriftstellerinnen und Schriftsteller ein Synergieeffekt: Mehrere Termine können in idealer Abfolge bei persönlicher Betreuung wahrgenommen werden.

Zwar sind Organisation und Öffentlichkeitsarbeit aufeinander abgestimmt, aber jede Stadt hat im Laufe der Jahre ein unverwechselbares Profil mit eigenen Programmschwerpunkten entwickelt.

Programm 2007:

 

Leidenschaftlich und klug nähert sich Roger Willemsen – musikalisch begleitet vom Jazz-Pianisten Frank Chastenier – dem Phänomen und der Sprache der Liebe. „Kleine Lichter“ ist ein Monolog, der das Wesen der Emotionen untersucht, eine unpathetische Liebeserklärung an ein Gefühl, dessen Abwesenheit einen zugrunde richtet. (in Fürth >>)

 

Schwabach eröffnet die elften Schwabacher Literaturtage mit Lutz Seiler, suggestive Stimme der jungen Lyriker-Generation. Dass er auch ein wunderbarer Erzähler ist, hat er in Klagenfurt bewiesen. Für sein Kapitel aus dem Roman „Turksib“ bekam er den Ingeborg-Bachmann-Preis 2007, der als einer der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum gilt.

 

Claudia Schreibers „Ihr ständiger Begleiter“ ist ein Roman voller Kraft, Leidenschaft und Originalität: Es scheint eine Liebesgeschichte und ist es doch nicht. Auf ganz besondere Weise – zart, radikal und mit feinem Humor – erzählt Johannas dramatische Beziehung zu Gott von Liebe, Toleranz und religiösem Eifer. (in Fürth >>)

 

Der Fernsehmoderator Roger Willemsen gestaltet in Schwabach einen literarischen Abend zum Thema Reisen. Willemsen erzählt von Ursituationen des Reisens, seinen Begegnungen mit Menschen und Orten, großen und kleinen, berühmten und völlig unbekannten, und er erzählt frei, die Zuhörer auf seine Reisen mitnehmend.

 

Ein Mozart, der kein Mozart-Jahr braucht. Peter Härtling, gefeierter Autor erfolgreicher Künstlerromane wie »Schubert«, »Hölderlin« und »Schumanns Schatten«, begibt sich in dieser Novelle auf die Spuren des jungen Mozart. Mit großem Einfühlungsvermögen und zarter Sprache zeigt er einen doppelt Getriebenen: sowohl von den ehrgeizigen Plänen des Vaters als auch von der eigenen schöpferischen Kraft. (in Ansbach >>)

 

Christoph Ransmayr, diesjähriger Heinrich-Böll-Preisträger, liest in allen vier Städten aus seinem neuen Buch „Der fliegende Berg“. Erzählt wird die Geschichte zweier Brüder, die von der Südwestküste Irlands in die Gebirge Osttibets aufbrechen, um dort wider besseres Wissen, einen bislang unentdeckten, namenlosen Berg zu suchen, vielleicht den letzten Weißen Fleck der Weltkarte. Nur einer der beiden kehrt aus den Bergen ans Meer und schließlich in das Leben zurück. In Lauf umrahmt ensemble KONTRASTE-Musiker Günter Voit die Lesung auf der Bassklarinette.

 

In der Schwabacher Nacht der Fantasy „Elfen, Trolle, Traumgestalten“ lesen Monika Felten ("Elfenfeuer"), Christoph Hardebusch ("Die Trolle") und Dieter Winkler ("Enwor") aus ihren neuesten Geschichten und diskutieren das literarische Phänomen, das man auch als Wiederkehr der Märchen bezeichnen könnte. (in Schwabach >>)

 

Auf dem LesArt FORUM - Zur Sache: Konsum liest Prof. Dr. Wolfgang Ullrich in Fürth aus seinem Buch „Habenwollen. Wie funktioniert die Konsumkultur?“, das erzählt, wie Dinge heute gemacht werden, was sie mit uns machen, wenn sie uns viele Möglichkeiten, große Freiheit, ewige Jugend verheißen und weshalb man kaum anders kann, als sie haben zu wollen.

 

Lauf hat Grund zu feiern: Am 6. November wird die Stadtbücherei für die Literaturtage von der Deutschlandinitiative „365 Orte im Land der Ideen“ als „Ausgewählter Ort 2007“ ausgezeichnet. Im Anschluss weiß Bühnenstar und satirischer Kultautor Wladimir Kaminer von zweifelhaften Schrebergarten-Idyllen zu berichten. - Wie im richtigen Leben, nur viel komischer! Und zur Feier des Tages dürfen natürlich ein paar heiße Rhythmen aus Kaminers „Russendisko“ nicht fehlen. (in Lauf >>)

 

Neun Jahre nach seinem letzten Lyrikband legt Reiner Kunze, einer der bedeutendsten Lyriker der Gegenwart, mit „lindennacht“ neue Gedichte vor. Die originären Sprachbilder berühren durch ihre Einfachheit, Präzision und ein Äußerstes an Menschlichkeit. Unüberhörbar leise entwerfen die Gedichte Kindheitserinnerungen, sprechen über das Lieben und nähern sich dem Tod. Reiner Kunze liest in Lauf und Schwabach nicht nur aus aktuellen Werken sondern lässt unter dem Motto „So reicher Fang im leeren Korb“ Gedichte und Prosa aus vierzig Jahren Revue passieren.

 

„Durch seine kongeniale Eindeutschung des „Ulysses“ von James Joyce wurde Hans Wollschläger gewissermaßen über Nacht zum gefeierten Star des Literaturbetriebes. [...] Abgesehen von einer selbstbewussten Konfliktfreudigkeit zeichnen sich Wollschlägers Schriften durch intellektuelle Klarheit und sprachlichen Esprit aus.” (Quelle: Andreas Weigel)

 

Der August Graf von Platen Literaturpreis 07 wird Wollschläger 2007 – seinem Todesjahr – posthum verliehen. (in Ansbach >>)

 

Barbara Honigmann, genaue Chronistin jüdischer Wurzeln in europäischer Gegenwart liest in Ansbach und Schwabach aus „Das Gesicht wieder finden“. Barbara Honigmann sammelt zum ersten Mal Aufsätze und Essays, die sich mit Fragen des Schreibens beschäftigen aber auch mit Rahel Varnhagen, Anne Frank und Albert Cohen.

 

Franziska Gerstenbergs Blicke auf den Alltag junger Menschen sind intim, manchmal indiskret. Dabei erzählt sie ihre Geschichten in „Solche Geschenke“ mit einer skandalösen Unaufgeregtheit, bringt Oberflächen und kleine Gesten zum Sprechen. Aber niemals gibt sie ihre Figuren preis – im Gegenteil: Sie rettet ihre Würde vor dem Urteil des Lesers, der weiß, dass er mitunter selbst gemeint sein kann. (in Fürth >>)

 

Die mehrfach ausgezeichnete TV-Moderatorin, Kinderbuchautorin und viel gelesene Unterhaltungsschriftstellerin Amelie Fried präsentiert in Lauf mit ihrem jüngsten Bestseller „Die Findelfrau“ die Geschichte einer spät entdeckten Adoption. Mit einem Schlag gerät das Leben der 38-jährigen Holly Berger, das bisher in geregelten Bahnen verlief, völlig aus den Fugen. (in Lauf >>)

 

Dieter Wellershoff hat die deutsche Literaturlandschaft seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts entscheidend geprägt. In Ansbach, Lauf und Schwabach stellt er seinen neuen Essayband „Der lange Weg zum Anfang“ vor und gewährt damit bedeutende zeit- und literaturgeschichtliche Ein- und Ausblicke, die zugleich ein Resümee des eigenen langen Lebens sind.

 

„Komm, gehen wir“ ist die Geschichte von drei Leben, drei Lieben, Glück und Unglück. Offenbar von autobiografischen Erlebnissen geprägt, entfaltet Büchner-Preisträger Arnold Stadler in einer Menage a Trois zwischen einem deutschen Paar und einem Amerikaner eine "anarchische Mischung” mit versteckten Pointen und genialen Beobachtungen. (in Fürth >>)

 

Krimiautorin Claudia Frieser entführt jugendliche Leser ab 10 Jahre ins mittelalterliche Nürnberg Albrecht Dürers. Sie liest am Nachmittag in Schwabach aus ihrem neuen Buch „Oskar und das Geheimnis der Kinderbande“. Ein halbes Jahr nach seiner ersten Zeitreise kehrt Oskar zurück zum jungen Albrecht Dürer, seinem Freund. Oskar und Albrecht ertappen ein Mädchen mit einem Sack Diebesgut. Hat sie etwas mit der berüchtigten Diebesbande "Zunft der Bettler" zu tun? Und schon stecken die beiden mitten in einem spannenden Kriminalfall!

 

Die vielseitige und wandlungsfähige Schauspielerin Hannelore Hoger, begleitet von Siegfried Gerlacher am Piano, feiert mit dem Hörbuch „Und ich dachte es sei Liebe – Abschiedsbriefe von Frauen“ Premiere in Schwabach. Hannelore Hoger liest mit großer Einfühlsamkeit und dramatischem Talent Briefe aus verschiedenen Jahrhunderten von unterschiedlichsten Frauen: von Königin Elisabeth I. bis zu Simone de Beauvoir, Marlene Dietrich und Anais Nin. Abschiedsbriefe voll von Trauer und Zorn, Ohnmacht und Hass, aber auch von Wärme und Zärtlichkeit, Großmut und Dankbarkeit. Ein Plädoyer, es trotz Verletzungen immer wieder mit der Liebe zu versuchen.

 

Die Autorengruppe des Kulturverein Speckdrumm hat sich 2007 zum Thema „Märchen“ Gedanken gemacht und Texte geschrieben. Im Kunsthaus Reitbahn 3 wird sie diese Texte vorstellen. Die Atmosphäre des Fränkischen Lesefestes in Ansbach zieht bei Musik und Kerzenschein alljährlich mehr Besucher in ihren Bann.

 

Bodo Kirchhoff liest in Fürth aus seinem neuesten Roman. In EROS UND ASCHE erzählt er von seiner lebenslangen Freundschaft zu einem tragisch Begabten, der es am Ende vorzog, sich mit all seinem Wissen und all seiner Anziehung einzuschließen. Aus einer Chronik der laufenden Erinnerungen wurde ein großer Freundschaftsroman, der zwei Leben ebenso bewegend verbindet, wie zwei Zeiten.

 

Im Rahmen der Laufer Literaturtage wird anlässlich des Jubiläums „200 Jahre Kunigundenfest Lauf“ viel Historisches geboten:

Gabriele Beyerleins prähistorische Jugendromane haben sich mittlerweile zu echten Klassikern entwickelt. Dazu zählt auch das Jugendbuch „Der goldene Kegel“, ein fesselndes Abenteuer aus der Bronzezeit, mit dem die Autorin ihre jugendlichen Zuhörer zu Beginn ihrer Lesung in den Bann ziehen wird. Anschließend entführt der Fantasy-Roman „Der schwarze Mond“ in eine phantastische Welt der Magie.

 

Unter Liebhabern des Genres gilt Brigitte Riebe als Spezialistin für spannende und detailgenau recherchierte Geschichtsromane. Auch in ihrer Neuerscheinung „Die Sünderin von Siena“, in der zwei Frauenschicksale aus dem bewegten 14. Jahrhundert ergreifend geschildert werden, entwirft die Historikerin ein stimmiges Panorama einer Zeit voller Umbrüche und Verwerfungen; mit einer Kurz-Präsentation ihrer Jacobsweg-Romane beendet Brigitte Riebe den Abend.

 

Zu einer Langen Nacht lädt der Autorenkreis Historischer Roman QUO VADIS mit rund 25 Autoren aus ganz Deutschland ein, darunter die Erfolgsschriftsteller Iny Lorentz, Malachy Hyde, Helga Glaesener und die Regionalgrößen Tessa Korber und Sabine Weigand. Passende Köstlichkeiten vom Buffet sorgen für das leibliche Wohl. Und zur traditionellen Sonntagsmatinee beschließt Dieter Wellershoff die historische Reihe mit zeitgeschichtlichen Themen.

 

In Schwabach klingt die Lesereihe mit zwei Veranstaltungen aus: In der Matinée stellt Harald Martenstein Kultautor und Kolumnist der „Zeit“ seine Glossensammlung „Männer sind wie Pfirsiche“ vor. Und zum Abschluss findet abends eine kulinarische Lesung mit Ute Maria Lerner statt, die katalanische Literatur von Cervantes bis Manuel Vásquez Montalbán mit Gitarrensounds von Thomas Karstens zum raffinierten Überraschunsgsmenü des exzellenten Schwabacher Küchenchefs Dieter Trutschel serviert.

 

Den fulminanten Schlussakkord zur LesArt Ansbach setzt Robert Schneider, der mit „Schlafes Bruder“ einen Welterfolg erzielte, mit seinem neuen Roman „Die Offenbarung“, in dem er anhand eines unbekannten Autographs von J.S.Bach wieder auf die Macht der Musik zurückkommt. Die Lesung von Robert Schneider stellt den Bezug zur „Bach-Stadt“ Ansbach durch sein Thema her, aber auch durch die Begleitung des Organsiten Jürgen Natter auf der Wiegleb-Orgel.

 

Wie entsteht ein Buch? Paul Maar und Kirsten Boie, zwei wunderbare Geschichten-Erfinder, plaudern in Lauf mit Moderator Rolf-Bernhard Essig über ihren Arbeitsalltag, Inspiration und Recherche, Schreibkrisen und Strategien der Überwindung. Außerdem erzählt Kirsten Boie zuvor in einer Kinder-Lesung vom „Kleinen Ritter Trenk“ und von „Prinzessin Rosenblüte“. (in Lauf >>)

 

Da in allen vier Städten die Leseförderung Jugendlicher einen besonderen Stellenwert einnimmt, werden von den Veranstaltern zahlreiche Schullesungen an nahezu allen Schultypen gefördert. Eine echte Novität bildet ein Radio-Projekt, das Schüler des Christoph-Jacob-Treu-Gymnasiums in Lauf in Kooperation mit dem kulturellen Internetmagazin Radio da Vinci durchführen. Erstmalig können Live-Mitschnitte ausgewählter öffentlicher Lesungen und Interviews unter
www.radio-da-vinci.de abgerufen werden.

 

Alle Einzeltermine sind den jeweiligen Programmheften der Städte zu entnehmen.

Weitere Informationen auch unter:

www.ansbach.de
www.fuerth.de
www.lauf.de/literaturtage
www.vhs.schwabach.de/lesart

 

Karten und ausführliches Programm:

Ansbach: Amt für Kultur und Touristik, Stadthaus Ansbach, Tel.: 0981 / 51 24
www.ansbach.de

Fürth: Karten ab September an den bekannten Vorverkaufsstellen oder unter
www.ticketonline.de, Kulturamt 0911 / 97 41 683
www.fuerth.de

Lauf: Stadtbücherei Lauf, Tel.: 09123 / 69 49
www.lauf.de/literaturtage

Schwabach: Volkshochschule, Tel.: 09122 / 86 02 04
www.vhs.schwabach.de/lesart

 

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