Karl Bröger

1896 - 1944

Sozialdemokrat, Stadtrat und Arbeiterdichter


Am 10. März wird Bröger als Sohn des damals unverheirateten Paares Elisabeth Krapfenbauer, Heimarbeiterin, und Johann Bröger, Tagelöhner und Bauarbeiter, in Nürnberg-Wöhrd geboren. Von den 8 Geschwistern sterben 6 im Kindesalter.
1892 - 1900 Schulzeit. 1896 kommt Bröger mit Hilfe des Geistlichen Pechmann auf die Realschule (Königl. Bayer. Kreisrealschule Peunthof). Die sozialen Verhältnisse - die Schüler dort kamen in aller Regel aus bürgerlichen Kreisen -lassen Brögers intellektuelle Fähigkeiten nicht zur Geltung kommen. Er protestiert mit Disziplinlosigkeit und wird der Schule verwiesen.
1900 - 1905 Bröger arbeitet als kaufmännischer Angestellter und Tagelöhner, begeht Unregelmäßigkeiten und Betrügereien, wird mehrmals zu Gefängnisstrafen verurteilt und beginnt zu dichten, um sich über die deprimierenden Lebensverhältnisse zu erheben.
1906 - 1908 Bröger kommt in Eichstätt als Rekrut beim 21. bayer. Infanterie-Regiment seiner Militärdienstpflicht nach. Der Lehrer Felix Schwarz bestärkt ihn in seinen schriftstellerischen Neigungen.
1908 - 1911 Wieder in Nürnberg, schlägt sich Bröger als Gelegenheitsarbeiter durch. Er schließt sich der Gewerkschaftsbewegung und der Sozialdemokratie an. Der Lehrer Emil Grimm erfährt von seinen Dichtungen und fördert ihn. Am 1.10.1910 veröffentlicht der „General-Anzeiger" zwei der Gedichte Brögers, woraufhin ihn die örtliche SPD als Schauspielkritiker zur „Fränkischen Tagespost" holt. Bis zum März 1933, ab 1913 als Redakteur, bleibt Bröger Mitarbeiter der Nürnberger SPD-Zeitung.
1912 Brögers erstes Buch erscheint „Gedichte".
1914 „Die singende Stadt", Brögers zweites Lyrikbuch, kommt im Verlag der Nürnberger SPD heraus. - Im August wird Bröger als „Landwehrmann" einberufen und kommt an die Westfront. Verwundung und Dienstuntauglichkeit im Oktober. Im Dezember entsteht das bis heute bekannte Gedicht „Bekenntnis". In den folgenden Jahren setzt sich Bröger für einen baldigen Frieden ein.
1918/19 Bröger tritt im Sinn der MSPD aktiv für die Novemberrevolution ein und gründet mit J. A. Meisenbach die Revolutionszeitschrift „Der Volksstaat".
1919 „Der Held im Schatten" erscheint, Brögers Autobiographie.
1920 nimmt Bröger am Weimarer Reichsjugendtag teil und spricht zum Thema „Jugend und Kultur". Bis 1928 ist sein Engagement für die sozialdemokratische Jugendbewegung nachweisbar.
1921 - 1929 Er leitet an der Nürnberger Volkshochschule Literaturkurse, und
1922 - 1924 ist er Redakteur der Zeitschrift „Jungsozialistische Blätter".
1924 - 1933 Bröger ist Mitgründer des Gaues Franken des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold" und wirkt als Schriftsteller und Redner für diesen republikanischen Schutzbund (dessen „Hymne" er verfaßt). Seit Ende 1924 veröffentlicht er in der „Fränkischen Tagespost" wöchentlich die „Stachelhecke", eine satirische politische Serie, die sich vielfach gegen die Nazis richtet.
Am 5. März 1933 kandidiert Bröger für die Wahlen zum Stadtrat und wird gewählt. In der Nacht vom 9. zum 10. März stürmen die Nazis die Gewerkschaftsbüros und das SPD-Haus mit der „Tagespost". Die Stadtratsarbeit der Sozialdemokraten wird verhindert. Am 27. April (oder am 8. Mai) wird Bröger mißhandelt und mit anderen SPD-Funktionären am 30. Juni verhaftet und ins KZ Dachau verschleppt. Dennoch werden einige seiner Gedichte von der NS-Propagande ausgeschlachtet. Anfang September wird Bröger entlassen und unter Polizeiaufsicht gestellt. Nachbarn und Freunde helfen der in Not geratenen Familie. Bröger lehnt die Emigration ab und versucht sich mit schriftstellerischen Arbeiten über Wasser zu halten. Er hält Kontakt zu seinen Genossen der verbotenen SPD und bezieht zeitweise den „Neuen Vorwärts".
1934 - 1937 In Zusammenarbeit mit Georg Gärtner sen. entstehen die historischen Prosabücher „Guldenschuh", „Nürnberg" und „Licht auf Lindenfeld".
Seine Antikriegserzählung „Bunker 17" (1929) ist 1937 der Anlaß zu einer erneuten Nachforschung der Gestapo. Die Reichsschrifttumskammer aber setzt durch, daß Bröger bei Dichterlesungen auftreten und weiterhin publizieren kann: Für Gestapo und Nürnberger NSDAP gilt er als „nur (von) bedingter Zuverlässigkeit" und als „Judenfreund", der sich nur „äußerlich dem nat.soz. Regime beugt"; Goebbels und die Reichsschrifttumskammer hingegen wollten sich seiner „Arbeiterdichtung" im Interesse der propagandistischen Beeinflussung der Öffentlichkeit, vor allem der Arbeiter, bedienen. Alle wichtigen Bücher Brögers aus den Jahren vor 1933 waren verboten.
Eine geplante Vortragsreise 1938 nach Polen wird von der Gestapo unterbunden.

Bröger erscheint 1939 in einem geheimen Verzeichnis der SS, „Erfassung führender Männer der Systemzeit".
Bröger nimmt 1940 an einer vom Goebbels-Ministerium organisierten „Dichterfahrt" ins besetzte Frankreich teil. Seine dort inspirierten Gedichte („Wiederbegegnung mit dem Kriege" atmen jedoch durchweg den Geist von Stille, Trauer und Friedenssehnsucht.
Er schreibt am 8. Mai 1941 an seinen sozialdemokratischen Freund W. G. Oschilewski: „Wir kommen wohl erst wieder zur Ruhe, wenn sich der Sozialismus in der Welt durchgesetzt hat", und am 9. Juli an Mella Heinsen (Tochter des früheren Nürnberger OB Hermann Luppe): „Ich (...) wundere mich immer aufs neue über das miserable Gedächtnis der Menschheit, das knapp 20 Jahre nach dem Weltkrieg bereits wieder alle Schrecken des Krieges vergessen hat."
Im August 1943 wird das Siedlungshäuschen in Nürnberg-Ziegelstein, in dem die Familie Bröger seit etwa 1921 wohnte, von Brandbomben getroffen und zerstört. Evakuierung nach Kalchreuth. Dort, im Gasthaus „Drei Linden", steht Bröger mit Freunden und Bekannten aus der SPD in Verbindung. Ende des Jahres bricht die zum Tode führende Krankheit, Kehlkopfkrebs, aus.

Am 4. Mai 1944 stirbt Karl Bröger in einem Erlanger Krankenhaus. Am 9. Mai veranstalten die Nazis unter Führung des Gaupropagandaamtes Franken ihre - bis heute viele Menschen täuschende - „Totenfeier für Karl Bröger" gegen den Willen Brögers und der Familie, die ein Begräbnis im kleineren Kreis wollten.
Am 10. Juni schrieb seine Frau, Anna Bröger: „Eine kleine "Gegendemonstration" (!) hatten wir dadurch gemacht, daß einige der alten und ältesten Weggenossen mit im engsten Trauerkreis waren", und am 22. Mai: „Unsere furchtbare, blutige Zeit hat sicher auch sein Leben verkürzt. Es war zuviel für ihn."

Folgendes wurde ihm gewidmet:
Karl- Bröger- Gesellschaft Nürnberg
Straße: Karl- Bröger- Straße