: ... Raum Zeit Essay:  
   Michael Schneider / Standbilder im Weg / (8) / (8.2) / (8.2.3)  
 
 
Wayne auf der Schwelle
John Wayne auf der Schwelle, mit der flirrenden Landschaft Arizonas im Rücken

Links | Quellen
John Ford: »The Searchers«, USA 1956
Birgit Kämper: »Das Bild als Madeleine – Sans Soleil und Immemory«. In: »Chris Marker, Film-Essayist«, München 1997, S. 148 (alle Zitate)
 
(8.2.3) Über das Passagenwerk Walter Benjamins, dem ich mich aufgrund seines Umfangs und seiner Komplexität noch nie zu nähern auch nur in Erwägung gezogen habe, obwohl doch – zugegeben – allein schon der Titel wunderschön ist, finde ich bei Birgit Kämper folgendes:
  »Im sogenannten Passagenwerk entwickelt Benjamin seine Theorie von der Traumstruktur des Stadtbildes, ihrer den Ausdrucksformen des Unbewussten analogen architektonischen Gestalt. Die Stadt wird ihm zum Schauplatz einer Analogieschrift des Unbewussten, wo sich die Mythen, Bilder, das Verdrängte des Subjekts mit dem des Kollektivs treffen.«  
Das klingt zuerst einmal einleuchtend für Raum-Konglomerate wie eben große Städte, in denen verschiedenste Menschengruppen, Strukturen, Funktionsabläufe oder Vergangenheiten aufeinandertreffen und interagieren, aber lassen sich ähnliche Zusammenhänge zwischen Raum und Unbewusstem nicht vielleicht auch in den Filmen von Ford finden, die aus der scheinbar »einfacheren« Opposition von weiter Natur und einsamer Behausung herauswachsen?
Weiter schreibt Kämper, dass Benjamin …
  »… eine historisierte und politisierte Theorie des Unbewussten entwirft, dessen utopisches Element das ›Erwachen‹ aus dem ›Traum‹ ist  […]. Da das Erwachen aber die Schwelle zwischen Wachwelt und Traum, somit zwischen zwei Bewusstseinszuständen ist, sucht Benjamin in seinen Städtebildern nach architektonischen Korrespondenzen. Er findet sie unter anderem in den Passagen, ›Häuser und Gänge, welche keine Außenseite haben  –  wie der Traum‹. Die Passage ist jedoch keine Schwelle, auf der man stolpert, sondern eine Zone des Übergangs, in der Raum- und Zeiterfahrungen verschmelzen.«  
Wunder über Wunder! Häuser und Gänge, die keine Außenseite haben. Wie der Traum? Macht denn bei Träumen die Unterscheidung innen/außen überhaupt einen Sinn? (Man könnte dagegen argumentieren, wenn man sich in einem Traum befinde, sehe man freilich kein Außen – die Außenseite des Träumens sei einfach der Wachzustand). Zumindest teilen die Passagen eines mit den vielen Verandas im Western, dass man einfach nicht richtig drin und nicht richtig draußen ist und deshalb in einem Reich der Möglichkeiten und der Unentschiedenheit, denn es ließen sich an dieser Stelle (mindestens) zwei Wege einschlagen, an deren Ende dann unterschiedliche Räume stehen.
[Obwohl: Ein Bekannter, der eine zeitlang in Los Angeles gelebt hatte, sagte, man käme aus dieser Stadt einfach nicht raus, was wohl bedeutete, dass sich in L.A. die Suburbs durch die Autofenster gesehen so endlos hinziehen, dass man in dieser Stadt schnell den Glauben verlieren kann, sie hätte überhaupt so etwas wie ein Außen. Demzufolge wäre es wohl egal, ob ich mich dort in einer Einkaufs-Passage, einer Mall im Stadtzentrum befinde, oder in den Vororten auf der Straße. Beides ist gleich weit drinnen.]
Zurück in den Wilden Westen.
 
  Trennlinie unten  
 
Nach oben Impressum