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| Michael Schneider / Standbilder im Weg / (8) / (8.3) / (8.3.2) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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(8.3.2) Agharta, Pangaea, Panthalassa, Gondwana und so weiter mit den Titeln, alles geheimnisvolle Länder und Ozeane auf Gaia, der großen Urmutter Erde lange vor der Versklavung der Schwarzen und unserer Hörgewohnheiten am Ursprung der Musik … verzweigte, feuchtwarme Wunschländer, unerforschte dark continents ohne Sheriffs und ohne Rednecks, aber mit viel Küste und Meer, mit sexy Göttinnen in rauschendem Haar, die gern im Himmel sitzen und schön bemalte Flugblätter unter die Menschen streuen, worauf viele Worte stehen (Abb.1) … wo die Fortbewegung in wahnwitzig großen, schillernden Seifenblasen mit schmiedeeisernem Auspuff und Kurbellenkung stattfindet und man durch mannshohe Muscheltüren aus anderen Dimensionen eintritt, die einfach so am Strand rumliegen (Abb.2) … wo auf den elektrisierten Marmorklippen am Vorabend der Verkündigung die Beach Boys auftreten, eine bekannte Freejazz-Kapelle … wo das Blühen von psychotropen Pilzen und Flechten in Nebraska von der Verwaltung genehmigt ist … und Verständigung aller Völker herrscht in der Ewigkeit der Zeiten, egal ob weiß ob schwarz ob grün. Make Music not Urlaub im Hinterland. Gehe zum originalen Shangri-La. Begib dich direkt dorthin. Gehe nicht über Los. Ziehe nicht viertausend Mark ein. David Toop:
»Utopie I« (Mit dem »vorigen Jahrhundert« ist hier das 19., nicht das 20. Jahrhundert gemeint).
In der deutschen Ausgabe des Dictionary of Imaginary Places finde ich folgendes über das eigenartig entrückte, nicht so recht greifbare Gemeinwesen:
»Von Atlantis bis Utopia«, Band 1, Seite 20: Hier werden als Urheber des Mythos ein Saint Yves d’Alveydre mit einem Buch von 1885 und ein Ferdinand Ossendowski mit einem Buch von 1922 angegeben. Nach der Beschreibung zu urteilen (in der von »unterirdisch« gar nicht die Rede ist), muss wohl über diesem prachtvollen antiken Reich eine Tarnkappe, ein Störfeld liegen, denn man scheint sich als Reisender grundsätzlich nicht daran erinnern zu können, jemals in Agharta gewesen zu sein.
Und dann gibt es da noch die Information, dass es sich doch – entgegen den bisher zitierten Quellen, die Agharta als eine Erfindung des Westens ansehen – um eine alte buddhistische Legende handle:
»Mystische Stätten«, Seite 138. Hier haben wir Tunnelsysteme ins gelobte Land, in dem ein König sitzt, der in unsere Seelen schauen kann – bezeichnenderweise macht Time-Life für diese Legende keine Zeitangabe.
Polaroids aus Shangri-La
Einer der (selbstverständlich geheimgehaltenen und bewachten) Eingänge zu Agharta soll, wie man hört, in einem verborgenen tibetischen Tal namens Shangri-La liegen, und so erscheint es mir durchaus legitim, Shangri-La als eine Visitenkarte Aghartas auf der Oberfläche der Erde, sogar in ihren höchsten Höhen, anzusehen. Hier besagt das Dictionary of Imaginary Places unter anderem:
»Von Atlantis bis Utopia«, Band 3, Seite 85 (dies eine Zusammenfassung von James Hiltons Beschreibung Shangri-Las in seinem Buch Lost Horizon, das im Toop-Zitat oben bereits erwähnt wurde).
Milchblaue Dächer (Tibet) und perlblaue Keramik (China), grünes Porzellan (Ohio) und irgendwiefarbige Einhörner, Cembalos und Flügel (Europa) … wundersam aus dem Gedächtnis geklaubte Kompositionen Chopins (Frankreich) und eine hohe, geräumige und mehrsprachige Bibliothek like Oxford (England): da ist es, jenes interkulturelle land of milk and honey für Bonvivants und Visionsanfällige, das Land, in dem Borges nach reiflicher Überlegung dann doch nicht lebte, aber Miles und seine Leute, die es versuchten – ohne in der Musik die Spannungen zu leugnen, die aus dem brüllenden und wispernden Durcheinander der verschiedenen Kulturen und Schnipsel entstehen mussten (aber immer standen Schalen mit Ambrosia griffbereit am Rand der Bühne, nussig … schokoschmackig).
Aus der Nähe besehen waren es wohl genau die kratzigen Spannungen zwischen den einzelnen, irgendwann vollkommen gleichwertig erscheinenden Elementen des Miles’schen Hexengebräus, die die Musik entschieden über das naive Malen von schönen Zukunftsträumen hinaushoben und tatsächlich zum Bild einer anderen Welt (mit anderen sozialen Beziehungen, anderen Dus und Ichs, anderer Schwerkraft, Jurisprudenz und Sternenforschung) werden ließen:
… schreibt David Toop, der sowohl Musikjournalist als auch Musiker ist, in den Liner Notes zu »Panthalassa«, und bringt die Sache damit ganz gut auf den Punkt, indem er die Musik als utopisch und gleichzeitig realistisch, ihr Strukturprinzip als künstlerisch autonome Kohäsion benennt. Geordnetes Durcheinander in Höhlenreichen mit zwei Millionen Göttern … und der sofort vergessene Blick auf eine antike Bibliothek aus schwerelosen Steinbüchern …
Raum und Nicht-Ort
Das Zeichen/Reich »Agartha« scheint sich ein wenig analog zum klassischen Utopia (1516) des Thomas Morus zu verhalten, dessen Titel wörtlich einen »Nicht-Ort« oder einen »Ort, der nirgendwo ist« bezeichnet, aber eine brauchbare Definition für »Utopie« könnte ja – im Gegensatz zum heutigen Image der Utopie als eines zwar schönen, aber leider nicht zu verwirklichenden Traumgebildes – gerade darin bestehen, dass dort, wo dem Menschen vorher ein Nichts, ein Unbetretbares oder Unsichtbares war, so etwas wie ein Ort mit Eigenschaften entsteht, die dem uns bisher zugänglichen (gesellschaftlichen, kulturellen, euklidischen) Raum fehlen, und dieser Ort mag durch seinen Kontrast zur »Realität« zweierlei im Kopf bewirken: erstens eine klarere Wahrnehmung der Welt, wie sie uns mit all ihren Mängeln und Fehlern entgegentritt, und zweitens eine unauffällige Ausweitung unseres Weltraums in die Imagination hinein (denn was gedacht, geschrieben, gespielt werden kann in der Welt, das existiert auch in der Welt – muss also auch dem Inventar des Raums hinzugefügt werden, in dem wir leben).
Effekt eins war deutlich erkennbar die Absicht von Morus’ Schilderung jenes weit, weit entfernten Inselstaates Utopia: den damaligen real existierenden Gesellschaften eine andersgeartete (und eventuell auch wünschenswertere) Gesellschaftsform in der literarischen Fiktion entgegenzuhalten. Effekt zwei war, wie ich glaube, das Ziel von Miles: der Welt Räume hinzuzufügen, die gleichzeitig als Klang, als Konzert, als Platte in der Welt wären, aber auch über sie hinauswiesen (die also keine Spiegel, sondern Türen in der Welt seien) … und ein kleiner Hinweis auf diese Absicht bestand darin, seinen Stücken Titel wie »Agharta« zu geben. Um in diese neuen Räume einzutreten, musste jeder Hörer selbst durch eine Tür gehen, für die das Zeichen »Agharta« nur die Klinke oder der Schlüssel war.
… nicht die Utopie als ein unmöglicher Ort – sondern der Ort der Utopie anstelle des Unmöglichen und des nicht Vorhandenen: Raumschöpfung, Brandrodung im Leeren, blühende Emanation, Einströmen des Etwas ins Nichts …
Die Siebziger werden älter
Etwa um 1975 endet Miles’ elektrische Phase, und mit ihr nach und nach seine Verwendung von Titeln und Gedankenbildern, die sich bevorzugt »utopisch« deuten lassen. Kleine Filmgesellschaften kurbeln ein billiges Blaxploitation-Picture nach dem anderen herunter, Detektiv Rockford ermittelt aus dem Wohnwagen, Kojak hat seinen Wee-Wee-Wee-Einsatz mit Lolli und quietschenden Reifen, und in der Bronx und in Harlem nehmen die Drogenprobleme zu. Pirelli-Kalenderblätter mit Teilzeit-Göttinnen werden in loser Folge abgerissen, flattern davon, ohne dass irgendjemand richtig hinschaut, und diverse Ernüchterungen treten bei ehemals Euphorisierten ein, in musikalischer und gesellschaftlicher Hinsicht. Die späten Siebziger zeigen sich als verblassender Nachklang von hochfahrenden Hoffnungen und dem Aufschein der Möglichkeiten in den Sechzigern. Die Erwartungen an die Zukunft sind zwar noch farbenfroh, speziell bei den Schwarzen, die wohl eine größere Dringlichkeit als irgendein WASP spüren, ihre Situation zu verbessern, bergen aber auch den Keim einer hinterhältigen Resignation in sich, könnten eine spiralige Rutschbahn in die innere Emigration auf fremden Planeten sein und unter die Kopfhörer von AKG oder Sennheiser. Die Suche nach Raum in ferner Zeit, an anderem Ort zeigt den eigentlichen Mangel an betretbarem Eigenraum auf. 1977 kommt Star Wars ins Kino, ein Film, der das denkbar altmodischste Märchen aus einer Welt von Übermorgen erzählt und damit ein Welterfolg wird. Tolkiens Herr der Ringe ist in der grünen Schuber-Ausgabe von Klett-Cotta in Deutschland enorm populär, nachdem Amerikas Studenten und kalifornische Freaks diese riesige Welt aus Fantasy-Eskapismus, Mythologien aus nordischen Ländern und etwas gotischer Schauerromantik in den Sechzigern entdeckt haben. Der kleine Hobbit in uns allen verkriecht sich in seine Wohnhöhle und raucht ein Meerschaumpfeifchen, Rauchkringel sammeln sich an der Zimmerdecke, brüten dort ein Weilchen und zerfasern dann. An den Wänden hängen aquarellene Poster von Roger Dean und fleischfarbene von Frank Frazetta. Visionen von Airbrushexzessen auf Kühlerhauben … durch runtergewirtschaftete Straßen in L.A. oder Detroit pfeift der Wind und weht Dreck und Papierfetzen herum. Mülleimer brennen. Das Benzin wird nach der ersten Ölkrise von 1973 langsam zu unserem magischen Oreichalkos. Das Außen versinkt hinter dickem, graublauem Dunst. Auf glitzernden Ordensabzeichen, die an billigen Mänteln aus Kunstleder oder Cordjacken hängen, steht in erfundenen Sprachen »Vergessen« und »Ennui«.
Und Sun Ra, der schwarze Jazz-Vaudeville-Pharaonissimus aus einem zukünftigen Paralleluniversum, fährt schon seit den fünfziger Jahren ganz gut mit der klugen Strategie, zu behaupten, er käme eh aus dem Weltall und sei Herrscher auf fremden Planeten, was gehe ihn da der Alltagssums der black communities und der ganze Jammer dieser Menschenwelt an (8.3.6). Auf vielen Planeten (außer der Erde) lässt es sich als Schwarzer fein leben, teilt er uns in seinen akustischen Dekreten mit, man gelange aber nur durch Musik und die Reise in den eigenen Kopf dorthin …
Nur weg von hier: Agharta, Agharti
Ich erinnere mich dunkel an eine seltsame Serie im Vorabendprogramm der ARD, vermutlich französischen oder doch irgendwo europäischen Ursprungs, es muss ebenfalls in den Siebzigern gewesen sein, die »Sie kommen von Agharti« oder so ähnlich hieß … Plot und Personal wirkten, als seien sie aus den Büchern von Charles Berlitz oder Erich von Däniken entnommen worden (deren esoterisch-fragwürdige Bestseller ja zur selben Zeit erschienen und nach und nach in das Sortiment des Buchclubs meiner Eltern einsickerten) – es waren damals im wahrsten Sinne des Wortes verzerrte Botschaften aus einer anderen Zeit und Welt auf dem Bildschirm zu sehen, die Eindrücke in Kinderköpfen machten, welche als Spuren im Gedächtnis bis heute überlebten – denn in den letzten Jahren scheinen wohl mehrere Leute das Bedürfnis zu verspüren, diese mysteriöse Serie wiederzufinden oder zumindest ihre Erinnerungen diesbezüglich zu sortieren … hier sind ein paar gefundene Mails aus deutschen Internet-Foren, die sich älteren Fernsehserien widmen:
(Bernd am 31.12.01).
(Kai am 08.01.02).
(Königsblau am 12.01.02).
(max am 18.01.02).
(Dirk am 25.08.02).
(Gabriel am 18.11.2002).
All diese Mail-Schreiber, die versuchen, sich mit dem tastenden Erzählen ihrer Bewusstseinsinhalte gegenseitig auf die Sprünge zu helfen, machen etwas Ähnliches wie ich: sie erinnern sich »verschwommen und dunkel« an ein Erlebnis, das sie in einem bestimmten Alter in eine andere Welt entführt hat. Vielleicht ist das Verschwommene einer solchen Thematik ja auch angemessen – das einzig visuell konkrete Detail, das ich abgesehen von der geheimnisvollen Grundstimmung der Serie in diesen Mails wiedererkenne, ist die metallische Maske, die auf einem Bildschirm – nach meiner Erinnerung vor einer Höhlenwand – innerhalb des Fernsehers meiner Eltern verrauscht und verzerrt zu sehen war (was vermutlich bedeutet, dass ich damals nur eine einzige Folge gesehen habe). Es war auch die Zeit von »Gabelbieger« Uri Geller, und hätte man ihn (etwa als Stehlampe getarnt) zwischen den Familienfernseher und das eichene Sideboard gestellt, wären vielleicht in unserem Wohnzimmer auf dem Bildschirm ähnliche Effekte aus Zeit und Raum zu beobachten gewesen wie im gefilmten Gerät, das in die Schatten der Höhlenwand getaucht stand. Ein Miles Davis war mir unbekannt, dass dieser Mann seiner Musik Titel wie »Agharta« gab, genauso. Jazz war was für die ältere Generation.
Erinnerungen, Masken und Rahmen
Also Agharta als eine »freie« musikalische Welt der Jenseits- oder Paradiessuche, elektrischer Strand und magnetisches Meer, alles in eine diffuse, irgendwie kornlose Offenheit gehend (aber unter dem Kopfhörer) – und Agharti die fremdartige Maske auf einem Bildschirm in einem Höhlenraum innerhalb eines anderen Bildschirms; auffällige Häufung von Rahmen und Einfassungen (wenn man noch die Maske als Einfassung des Kopfes auffasst, den sie vermutlich bedeckte): da soll wohl auch ein zeitlicher Abstand dargestellt werden, eine Television über Äonen hinweg, und es ist ein Blick in einen tiefen, nicht gezeigten Schacht, der ins Erdinnere führt … das war der Schauder, der in meinem Kinderkopf hängenblieb: diese riesige Distanz, dieses »Abwärts und weg von hier« in einem einzigen Bild mit integrierten Störungen und Rauschen (Zeichen für Entfernung, Differenz zwischen Sender und Empfänger) … nachdem man den Berg erstiegen und die Höhle betreten hat. Kodiert wurden da Zeichen und eine passende Umgebung für »Sich Erinnern« (für ein »Gestern« oder »Anderswo«) in einem Alter, das noch gar nicht zurückschaut (auf jeden Fall nicht in Proust’schem Ausmaß) – Gestern und Anderswo waren durch den Vorabend in der ARD zu Synonymen geworden, Erinnern zu einer raumverzerrenden Tätigkeit.
Erinnerungen, Entfernungen: das erste der vielen Bücher von Old Erich Däniken war der Bestseller Erinnerungen an die Zukunft, gegen Ende der sechziger Jahre, als mehr und mehr Psychedelia in Ton, Wort und Bild die Pop-Welt überschwemmten. Das Bermuda-Dreieck war gerade dabei, in den USA erfunden zu werden. Wale und Delphine galten schon als intelligent und uns Menschen auf geheimnisvollen Wegen überlegen … später kamen Platten mit Walgesängen in die Läden, deren Bedeutung natürlich niemand entziffern konnte und die deshalb umso geheimnisvoller blieb. Deutschland war scheinbar seit den Fünfzigern von einem langsam sich steigernden kollektiven UFO-Fieber erfasst worden, das in meiner Provinz glücklicherweise nur gebremst ankam … angefacht wurde es durch Mastermind Däniken, Raketenbauer Hermann Oberth, die Fernsehserien Raumpatrouille Orion, Raumschiff Enterprise oder Invasion von der Wega … und natürlich die BILD-Zeitung, in der man damals unter anderem lesen konnte:
Der »neue große BILD-am-Sonntag-Report«, beginnend mit dem 21. März 1976, zitiert in den German UFO Chronicles.
Hege und Pflege der Grenzwissenschaften
Einige Jahre vor der Agharti-Serie schon kam der Filmemacher und Autor Rainer Erler mit Die Delegation ins deutsche Fernsehen, und etwa zeitgleich mit Agharti, also Mitte der Siebziger, gab es dann seine seltsame »Science Thriller«-Serie Das Blaue Palais beim ZDF zu sehen, die die gesamte Familie gebannt verfolgte, da sie jugendfrei genug war und nicht allzu spät am Abend lief: Sendeplatz 20 Uhr 15 oder 19 Uhr 30, würde ich heute tippen. In der Delegation sucht der Schauspieler Walter Kohut, soweit meine Erinnerung, als Reporter in den Anden einen havarierten und verletzten Außerirdischen (mit seinem »Blick aus tausendjährigen Augen«: diese Formulierung merkte ich mir gut), der auf dem Schnappschuss einer jungen Frau verewigt ist (8.3.2.1) … und später dann geht es in einer Folge des Blauen Palais um die außersinnliche Wahrnehmung über weite Räume (und Kulturen) hinweg: ein PSI-Medium im bayerischen Palais der Forscher scheint auf unerklärliche Weise mit einem jungen buddhistischen Mönch irgendwo im Himalaya geistig verbunden zu sein. Meine Erinnerung sieht Dinge, die es vielleicht auch in dem Film zu sehen gab: summende Apparate, Experimente mit Kartenspielen hinter Paravents, Nebel über flachen und feuchten Wiesen mit schön unspektakulären Obstbäumen, die nüchterne Einsamkeit der Wissenschaftler in ihrem abgelegenen Schlösschen, Melancholie und Klosteratmo in Asien (Abb.3). Wenn nicht das magische Tibet selbst gemeint war, dann lag zumindest das Kloster des jungen Mönchs in dessen Einzugsbereich und hatte sich an einer irgendwie friedfertigen Unheimlichkeit infiziert – Hochgebirge oder Hochplateaus, dunkle Höhlen, steile Treppen, Asiatisches und Entlegenes seien wohl allen nicht mehr beweisbaren gesteigerten Wahrnehmungen zuträglich, konnte man als Kind und in der Pubertät daraus lesen, dort oben (hinter den Mauern uralter Klöster) sei man den ungenutzten geistigen Potentialen im eigenen Kopf einfach näher, den ungewöhnlichen Erfahrungen, die dein Leben ändern: klare Luft, starke Sonne, konkreter Stein, im Geheimnis sein – diplomatische Beziehungen mit dem Anderen.
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