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| Michael Schneider / Standbilder im Weg / (9) / (9.2) / (9.2.1) | ||||||||||
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(9.2.1) Mir immer noch unbegreiflich, wie sich in einem Klang ein unendlicher Raum eröffnen kann, und dann gleich wieder, nah und fern zugleich – eine Funktion aus der Echokammer etwa? Oder falsch (das sieht mir ähnlich!) gehört? Was sagt Euklid? Was sagen die Experten? (Ohne die geht auch gar nichts mehr). Ruft Riemann! Ruft Schrödinger! Die schnelle Eingreiftruppe der theoretischen Physik muss her: Angriff eines Strange Attractor von den Außenbezirken auf unser Kontinuum, und die Regierung hat den Notstand ausgerufen, grad kams im Radio, ich geh mir erst mal ein Bier holen, gut gekühlt – wohin springt das Bewusstsein da, wo kann es überhaupt hin in all den Spiegelungen der Momente, Momenten in Momenten, crossen Peking-Enten, verschlagenen Erbtanten, Hirneis-Rutschen (Pflicht und Kür) … Ori, Dori, Nori, Oin und Gloin treten durch ein Wurmloch des Universums in den Presseraum des Whitehouse und machen dort die Wetteransage, es gibt wunderschöne Flächenbrände im Atlantik, Austernzucht auf der Wega mit Selbstbeteiligung. Philip Dick (tolle randlose Brille an ihm gesehen neulich). Schwarzenegger als Bauarbeiter (oder Secret Agent, NSA?) mit Gedächtnisverlust in Total Recall. Samuel Delany, extremely glad to be alive, mitten in Greenwich Village. Gleißende, düstere Zukünfte, freiliegende Räume im Innern eines jeden Gehirns, wo sich Fuchs, Hase und auch der einzig verbliebene Schabrackentapir auf einer mondbeschienenen Lichtung gute Nacht sagen. She-Devils on Wheels werden von Ronald Reagan und Graf Zeppelin persönlich in der vereisten Tundra aufgebracht. »Heller als die Sonne«, »Ocean of Sound«. Trompetennebelbänke, Miles (8.3). Sun Ra. Die Pyramiden. He loved him madly. Wiley E. Coyote und der Roadrunner, in einem anderen Monument Valley. Coffy, die schwarze Raubkatze. The Fog in der Leier. Venus on the Half-Shell mit dem kleinen Sirius im Arm (er haart und hat schlechte Manieren). Geplänkel in den Plejaden (heard rumours). Can mindestens 68 bis 73, alles von Velvet Underground, mit Betonung von Cales Viola und Reeds dengelnder Gitarre (»dezentes urbanes Schrumm-Schrumm«, schrieb Diedrich Diederichsen damals in Sounds, jetzt unauffindbar). Gewisse Tonlagen bei King Crimson in den 70ern, der Charakter der Gitarre von Robert Fripp dort: pulsierende Zahnschmerzen (Starless), Bauchschmerzen, Übelkeit (Red). Und dann die Phönix-Asteroiden: die kommen nur einmal alle 37000 Jahre hier vorbei und leuchten zu alledem auch noch von innen (sie müssen wunderschön sein, Skipper). Mesmerismus in the old days. Die Kirche des Aufrichtigen Glaubens an die Wiederkehr von Sepp Maier. The Mighty Upsetter, Lob sei ihm aus den Höhen. Auftritt Mister Jack Skellington und Herr Magneto: Traumhochzeit. All das.
Timescapes, Zeitbeben, Walls of Sound
Gemeint ist zumindest nicht die einfache, auf dem Cover ablesbare Dauer von The Diamond Sea (etwa 20 min.) oder die genaue Zahl der endlosen Wiederholungen und Verschmelzungen eines scheinbar gleichlautenden Klangs darin, die eine Ausdehnung der Klang-Zeit und ihrer Räume bewirken würden (das ist es nur auf einer Ebene des Verstehens, sagt das Gefühl), und man ist von anderer Musik noch weiträumigere Ausbreitungen in der Realzeit (ja, ein hässliches Wort) gewohnt, etwa bei Morton Feldman, wo die Wiederholungen auch gefallen und eine Änderung der Dimension bei Klängen erzeugen, sicher, wo der Raum (tatsächlich) auch größer wird, je näher man in seinen Moment hineinlauscht, wo du in ein beschauliches Zeitbad hineinsteigst wie in ein tiefes Becken mit warmen, leise bewegtem Wasser, und dich freudig der Zeit und der Zeit und der Zeit ausgeliefert findest. Dann gibt es noch eine allgemeinste Definition von Musik: nach einem Ton, Geräusch, Klangereignis (was auch immer) kommt ein zweiter oder zweites, durch die zeitliche Position (in der Sprache des Alltags: »danach«) auf den ersten bezogen, irgendwie eben in eine Relation gebracht – und dann immer so fort, over and over and over and over again now – also die Banalität, dass sich Musik über einen für die menschliche Wahrnehmung relevanten Zeitraum erstrecken muss, um überhaupt Musik sein zu können (einen kurzen, einzelnen Ton, aus seinem sonstigen akustischen Kontext herausgelöst, wird man nie als Musik empfinden, es braucht Unterschiede, Gefälle, Beziehungen, Folgen, also mindestens zwei Irgendwasse von Klang).
Nein, die Wiederholung von Nuancen und Ähnlichkeiten (nie völligen Gleichheiten) kann es nicht allein sein, dieser »Raum im Ton« ist noch einmal was anderes, ein brutzelnd grünendes Winkelchen, aus dem Fernsehsignale von Parallelwelten in fremden Sprachen hervorstrahlen, etwas vibrierend sich Spiegelndes mit runden Wänden, die bereitwillig und doch träge vor dir zurückweichen, wenn du deine Aufmerksamkeit in den Klang hineinlenken lässt, und die freundliche, aber raue Poren haben, durch die deine Neuronen ihre neugierigen Häupter recken können und sich dabei aufschürfen, um dann an andere kugelnde Räume gleich nebenan anzudocken, bis sich eine heillose und hypnotische Verknotung in der Zeit ergibt, aus der die Nerven nicht rauskommen (und auch nicht wollen). Es hat was von Euphorie, aber trauriger und älter, es hat was von bleierner Müdigkeit, aber gespannter und aggressiver, es hat was von Freiheit, aber sehr viel lauter, es hat was von Zuneigung, aber tonnenschwer, es hat was von Linus van Pelts Kuscheldecke, aber teurer und dreckiger, und es hat was von beim Bäcker wirklich gute Brötchen zu holen, diesen Fröschen beim Quaken zuzusehen, aber … noch ein Quäntchen beglückender und zu Herzen gehender:
Aus »Skip Tracer«.
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