HOME          INHALT          KRITIKEN           WELLENFELD

M E T R O P O L I S

Kritiken und Kommentare

"Die Klanggestaltung mit der Wellenfeldtechnik, die Metropolis durch Michael Ammann erfährt, erzeugt beim Zuschauer eine intensive Nähe zu dem Geschehen des Films. Die unterbewusst wahrnehmbaren Signale werden vergrößert und dadurch bewusst gemacht, man kann sagen darin wirkt die Komposition von Michael Ammann bewusstseinserweiternd."
Bertina Schulze-Mittendorff (Tochter von Walter Schulze-Mittendorff / Plastiken Metropolis, Hamburg Jan. 2009)

"Uns haben die Sphärenklänge bspw. im Labor und im Kontext des Molochs überzeugt."
Friedrich Wilhelm Murnau Stiftung (Wiesbaden Feb. 2008)

Peinigend wuchtige Klangwellen
Metropolis in der 5.1 Neuvertonung von Michael Ammann.
“Fritz Langs Stummfilm-Klassiker Metropolis von 1927 hat im Laufe der Zeit diverse Bearbeitungen erlebt, darunter die verschiedenartigsten Begleitmusiken. Nun hat der Fürther Komponist Michael Ammann eine Tonspur für den Zwei-Stunden-Streifen entwickelt, die mit den Konventionen der Stummfilm-Vertonung konsequent bricht - und gerade deshalb besonders aufregend wirkt.
Michael Ammann, in Fürth lebender und über Fürths Grenzen hinaus bekannter Improvisator, Vokalkünstler und Soundtüftler, setzt den diversen Musik-Adaptionen für Metropolis eine Welt der Geräusche, einen ganzen Kosmos irritierender Klänge entgegen.
Michael Ammann hat dazu einen dichten Klangteppich, eine oft verstörende oder zumindest irritierende Geräuschkulisse geschaffen, die den Kinogänger in wuchtigen Wellen körperlich trifft. Wenn der wütende Arbeiter-Mob die Herzmaschine vernichtet und dadurch die unterirdische Stadt der Vernichtung durch plötzlich freiwerdende Wassermassen preisgibt, dann steigert sich die pulsierende Maschinenmelodie zu einem peinigendem, schmerzhaftem Lärm, der ins Geschehen hineinzieht, der das Abschalten, die virtuelle Flucht vor der Macht der visuellen Eindrücke unmöglich macht. Keine flauschigen Melodien lenken hier mehr von dem Sog ab, den Langs schwarzweiße Visionen erzeugen. Ammann ist eine so puristische wie packende Version gelungen.”
Hans von Draminski (FN 17.3.2009)

"Ein echter Genuss! Ich habe den Film schon mehrmals gesehen, aber dieses Mal sah ich Szenen, die mir vorher nie aufgefallen waren und der Film 'zog sich' auch nicht so...Ich konnte wahrhaftig die Hitze spüren, den Sandstein unter den Fingern fühlen, den muffigen Geruch im Keller riechen und Freders Adrenalinkick teilen. Das muss eine Filmbegleitung erst einmal schaffen! Sehr gut gemacht!"
Wiebke Lutz (Hörkunst e.V. Erlangen)

Michael Ammann's "Metropolis"
"Cineasten kennen "Metropolis", den legendären Stummfilm-Klassiker von Fritz Lang aus dem Jahre 1927. Cineasten schätzen "Metropolis", den visuellen Einfallsreichtum, die futuristische Architektur, den für die damalige Zeit unglaublichen technischen Aufwand dieses wuchtigen Stück Kinos, welches gemeinhin dem Science-Fiction-Genre zugeordnet wird. Cineasten haben "Metropolis" schon mehrmals gesehen - in verschiedensten Versionen der musikalischen Untermalung, mit pfiffigen Percus-sionisten, Kammermusiktrios oder reiner Streicher-Begleitung.
Und selbst für diese exotische Spezies der Kinogänger ist das Erstaunen riesengroß, wenn sie plötzlich "Metropolis" in der Bearbeitung von Michael Ammann sehen. In der gibt es nämlich gar keine Musik, sondern nur künstliche Geräusche oder genauer gesagt nur Stimmlaute - allerdings bis zur Unkenntlichkeit durch modernste PC-Technik in eine Toncollage verwandelt, für deren Beschreibung es schlicht und einfach keine Worte gibt. "Sounddesign" wäre wohl der korrekte neudeutsche Begriff dafür. Darf man das, einem Klassiker einfach frech die ursprüngliche Partitur wegnehmen und in ein zeitgemäßes Gewand stecken? Man denke bloß an die farblichen "Modernisier-ungen", bei denen ein Pseudo-Künstler wie Georgio Moroder gerade dieses Werk vor einigen Jahren in einer Art Pop-Kultur-Wahn grässlich verunstaltet hat.
Aber 'musikalisch' funktioniert es. Nicht nur das: es fasziniert!! Auch wenn diese Umschreibung abgedroschen klingen mag, aber durch diese "Ton-Bearbeitung" wirkt "Metropolis" auch für Cineasten noch einmal wie ein völlig neuer Film. Dessen "musikalische" Grundstimmung ist nicht nur düster, sie ist beklemmend (und rückt damit Fritz Langs Werk in die Nähe der expressionistischen Horrorfilme jener Zeit). So beklemmend, dass manche Zuschauer am Schluss vor lauter Anspannung das Klatschen vergessen. Szenen, die man bisher der theatralischen Kitschgrenze zuordnete und milde belächelte, wirken nun klaustrophisch und alptraumhaft. So wie der ganze "neue" Film. Wenn es je eine Fassung gegeben hat, die diesem visionären und futuristischen Film die angemessene "Stimme" gegeben hat, dann ist es diese. Die atemberaubende Architektur der Bilder und die adäquaten irritierenden "Klänge" gehen eine Symbiose ein und ergeben so ein neues Ganzes.
Diese "Metropolis"-Fassung ist nun ein Film geworden, den man sich unbedingt anhören sollte. Nicht nur Cineasten. Auch alle anderen, die über Ohrmuscheln verfügen....."
Rainer Mesch (Ufer Palast Fürth)

"Michael Ammann hat es geschafft, den doch schon oft gesehenen Klassiker "Metropolis" von Fritz Lang mit seiner Komposition völlig neu zu interpretieren. Moderne, elektro-akustische Klangerzeugung trifft Stummfilm. Das gewagte Experiment am großen Erbe der Kinogeschichte ist gelungen und gibt dem Film eine neue Raumebene, die ihn aus der Vergangenheit in die Gegenwart holt, ohne ihn an sich zu verfälschen oder dessen Inhalt neu umzuinterpretieren. Eine in unserer Region seltene Bereicherung."
Alexander von Prümmer (Medienkünstler Berlin)